Berlin (ddp). Führende Unions-Politiker warnen kurz vor dem 20. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer vor einem Scheitern der Aufarbeitung der DDR. Bundestagspräsident Norbert Lammert beklagte in der «Welt am Sonntag» das Ausmaß der DDR-Verklärung in Deutschland. «Wenn heute fünf Prozent der deutschen Gymnasiasten Walter Ulbricht für einen oppositionellen Liedermacher der DDR halten und mehr als sieben Prozent in Erich Honecker den zweiten Bundeskanzler der Bundesrepublik sehen, dann ist das bei weitem nicht so komisch, wie es sich anhört», sagte der CDU-Politiker.

Auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder warnte vor den Folgen mangelnder Geschichtsbewältigung. «Das Ergebnis dieser Versuche, sich aus biografischem Reflex heraus eine heile historische DDR-Welt zu schaffen, ist brandgefährlich: Seit Jahren befinden sich die Zustimmungsraten zur Demokratie im Osten in nicht endender Abwärtsspirale», sagte der CDU-Politiker.

Der CSU-Landesgruppenvorsitzende Peter Ramsauer forderte mehr DDR-Geschichte an den Schulen. «Das Wissen um die Diktatur ist entscheidend, damit das Unrecht von Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl nicht in Vergessenheit gerät», sagte Ramsauer. Dieser wichtige Teil der deutschen Geschichte «muss einen zentralen Stellenwert im Unterricht erhalten.»

Die Politiker bezogen sich auf Aussagen des Historikers und Leiters des Forschungsverbunds SED-Staat an der Freien Universität Berlin, Klaus Schroeder, der die Verklärung der DDR im Osten auf einem Höhepunkt sieht. «Die Aufarbeitung der DDR ist schlichtweg gescheitert», sagte Schroeder.

Der SPD-Abgeordnete und ehemalige Bürgerrechtler Markus Meckel will dagegen von einem Scheitern nicht sprechen. «Die Verengung auf die DDR-Geschichte ist unberechtigt», sagte Meckel. Sie gehe einher mit einem maßlosen Defizit an Geschichtskenntnissen über die gesamte deutsche Geschichte in Ost und West.

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