Regensburg (ddp). Ungeachtet der ablehnenden Haltung des Vatikans will die Piusbruderschaft am Samstag in Zeitzkofen im Kreis Regensburg drei Priester weihen. Ortsbischof Gerhard Ludwig Müller fordert von den Traditionalisten, auf die Weihen zu verzichten. Im Interview mit ddp-Korrespondent Petr Jerabek kritisierte er die Piusbrüder scharf.
ddp: Herr Bischof, das vatikanische Presseamt hat vergangene Woche die Priesterweihen der Piusbruderschaft als «unrechtmäßig» bezeichnet. Besteht damit ausreichend Klarheit?
Müller: Die Klarheit hat spätestens seit dem Brief des Heiligen Vaters vom März bestanden, der ausdrücklich davon gesprochen hat, dass die Piusbruderschaft keinen kirchenrechtlichen Status in der Kirche hat und deshalb ihre Amtsträger nicht legitimiert sind, ihre Ämter auszuüben. Mit gleicher Eindeutigkeit hat sich bereits im Februar das Staatssekretariat geäußert. Mit der Erklärung des Pressesaales des Vatikans wurde zudem deutlich, dass es einen klaren Kurs in der Einschätzung der anstehenden Weihen innerhalb der Bruderschaft gibt. Sie sind unerlaubt, weil keine Einzelgruppe irgendeinen Anspruch oder Verfügungsgewalt auf Sakramente hat. Das Weihesakrament ist ein Sakrament der Kirche, das von Christus im Heiligen Geist der Kirche geschenkt wurde, um der Einheit der Kirche zu dienen, nicht um Sonderwege oder gar Abspaltungen zu rechtfertigen.
ddp: Wie sehen Sie die Entscheidung der Piusbrüder, trotzdem an der Weihe festzuhalten?
Müller: Zum einen ist es ein Akt der Widerspenstigkeit und einer gewissen Borniertheit. Hinzu kommt, dass sie sich ihre Argumentation an der Realität vorbei konstruieren. Niemand hat in Rom die Weihen gebilligt oder ihnen ein Signal zur Durchführung gegeben. Ebenfalls ist die Rede vom Notstand der Kirche, den nur die Piusbruderschaft zu beheben weiß, eine rein subjektive Wahrnehmung, weil sie in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts stehengeblieben sind. Hier wird deutlich, dass es sich auch um ein psychologisches Problem handelt. Sich einzugestehen, dass man sich Jahrzehnte lang von der Kirche ausgeschlossen und eine falsche Richtung eingeschlagen hat, ist nicht leicht. Wenn sie ihr Bekenntnis zur Autorität des Papstes aber ernstnehmen, dann müssten sie auf die Weihen verzichten und die Gespräche mit der Glaubenskongregation abwarten, in denen die theologischen Fragen geklärt werden müssen.
ddp: Von den Piusbrüdern kommen immer wieder Angriffe auf deutsche Bischöfe. Halten Sie die Beteuerungen, es gehe ihnen allein um das Wohl der Kirche, noch für glaubwürdig?
Müller: Das Wohl der Kirche hängt von ihrer sakramentalen Struktur und den legitimen Amtsträgern ab. In erster Linie vom Papst, der zusammen mit den Bischöfen das ordentliche Lehramt bildet. Wer gegen den Papst agiert, schadet der Kirche ebenso wie diejenigen, die gegen einen Bischof vorgehen. Interessant ist dabei zu sehen, dass sich Randerscheinungen zwar inhaltlich unterscheiden, aber in der Weise ihres Agierens doch sehr ähnlich sind. Die Traditionalisten möchten den Papst gegen die Bischöfe aufbringen und die Modernisten die Bischöfe gegen den Papst. Das ist leicht zu durchschauen. Aber katholisch ist derjenige, der mit der Kirche, ihrer Ordnung, ihrer Leitung - Papst und Bischöfe - verbunden ist durch das Band des Glaubensbekenntnisses, der Sakramente, der kirchlichen Leitung und der Gemeinschaft. So hat es das Zweite Vatikanische Konzil gesagt.
ddp: Haben die Verantwortlichen der Piusbruderschaft eigentlich das Gespräch mit Ihnen als Ortsbischof gesucht?
Müller: Ich habe ihnen die Position eines Bischofs klargemacht, der sich um die Einheit der Kirche bemüht und der in seiner Pflicht als Ortsbischof die Weihen für unerlaubt betrachtet. Wenn die Bruderschaft es ernst meint mit der Einheit der Kirche, müssten sie sich eine Erlaubnis des Ortsbischofs für die Weihespendung einholen, wie es das Kirchenrecht vorsieht.
ddp: Sehen Sie für die Piusbruderschaft noch eine Zukunft in der Kirche?
Müller: Es gibt für jeden einen Platz in der Kirche, der sich für sie einsetzt, ihrer Einheit dient und ihre Lehre und ihre Ordnung anerkennt. Das zu klären, ist ein Prozess, der zwischen der Glaubenskongregation und der Piusbruderschaft begonnen hat.
(folgen Nachrichtenfeature und Datenblatt bis 15.00 Uhr)
ddp/pje/kos

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