ZÜRICH (dpa-AFX) - Die Turbulenzen an den Finanzmärkten haben der Schweizer Großbank Credit Suisse im vergangenen Jahr schwer zu schaffen gemacht. Der Überschuss brach um mehr als 60 Prozent auf nur noch knapp 2 Milliarden Franken ein, wie das Institut am Donnerstag in Zürich mitteilte. Im vierten Quartal rutschte er sogar erstmals seit drei Jahren in die roten Zahlen und verbuchte einen Verlust von 637 Millionen Franken (526 Mio Euro). Ein Jahr zuvor hatte die Bank im Schlussviertel noch 841 Millionen Franken verdient.
Der Verlust übertraf bei weitem die Befürchtungen von Analysten. An der Börse verloren Credit-Suisse-Aktien bis zum frühen Nachmittag mehr als 3 Prozent in einem sonst freundlichen Markt. Die schwierige Lage der Bank bekommen auch die Aktionäre zu spüren: Die Dividende sinkt von 1,30 auf 0,75 Franken. Angesichts der empfindlichen Einbußen kürzte sich auch die Konzernleitung die Boni fürs vergangene Jahr um 57 Prozent. Der Topf für "variable Vergütungen" wird von 5 auf 3 Milliarden Franken verkleinert.
GUTER JAHRESSTART
Vorstandschef Dougan hatte bereits im November ein umfangreiches Sparprogramm angekündigt, dem 3.500 Stellen zum Opfer fallen. So will der US-Manager bis Ende 2013 die Kosten um zwei Milliarden Franken senken. Er fährt vor allem das schwankungsanfällige Investmentbanking herunter und baut die Vermögensverwaltung um.
"Unser Ergebnis im vierten Quartal ist enttäuschend", gestand Bankchef Brady Dougan. Er bezeichnete 2011 als Übergangsjahr. Für dieses Jahr gab sich der US-Manager recht optimistisch. "Wir sind uns des anhaltend ungewissen Markt- und Konjunkturumfelds bewusst. Gleichzeitig stimmt uns unser guter Start ins Jahr 2012 zuversichtlich." Die bereinigte Eigenkapitalrendite seit Jahresbeginn entspreche auch dank des eingeleiteten Kosten- und Risikoabbaus dem Zielwert von 15 Prozent. Das Sparprogramm laufe planmäßig, es soll bereits in diesem Jahr die Kosten um 1,2 Milliarden Franken drücken, sagte der Manager.
BESCHLEUNIGTER ABBAU VON RISIKEN
Weit vor der Konkurrenz sieht sich die Credit Suisse beim Abbau der Risiken (Risk Weighted Assets). Die Bank wolle die künftigen Kapitalvorschriften ("Basel III") so schnell wie möglich erfüllen, sagte Dougan. Bereits Ende März - neun Monate früher als geplant - sollen die Risikoanlagen um 80 Milliarden Franken abgebaut sein. 35 Milliarden Franken schaffte die Bank bereits im vierten Quartal. Dafür nahm die Credit Suisse Verluste in Kauf. Er gehe davon aus, dass es im Laufe dieses Jahres schwerer werde, einen guten Preis für den Verkauf von Anlagen zu erzielen, sagte Dougan. Dann würden immer mehr Banken versuchen, ihre Bilanz abzubauen, um die ab 2013 gelten neuen Regeln zu erfüllen. Als Käufer traten laut Dougan vor allem Hedgefonds auf, für die bei weitem nicht so strenge Regeln wie für Banken gelten.
Die Verwerfungen an den Kapitalmärkten trafen die Credit Suisse an vielen Stellen. Angesichts der großen Verunsicherung hielten sich viele Anleger beim Investieren zurück. Erschwerend kam für die Schweizer die Stärke des Franken hinzu. Daraus entstand der Bank nach eigenen Angaben eine Belastung von gut 900 Millionen Franken im Vergleich zu 2010. Zum Jahresende verbuchte die Bank zudem Belastungen von fast einer Milliarde Franken vor Steuern für den Konzernumbau und den Rückzug aus einigen Geschäftsfeldern, die sich für die Bank unter den neuen Regeln nicht mehr lohnen.
SCHWACHES INVESTMENTBANKING
Wie bei der Deutschen Bank verschlechterte sich von Quartal zu Quartal vor allem das Investmentbanking und kam im Gesamtjahr nur noch auf einen Mini-Gewinn von 79 Millionen Franken (2010: 3,5 Milliarden). Im Schlussquartal fuhr es einen Vorsteuerverlust von 1,3 Milliarden Franken ein. Aber auch im Privatkundengeschäft musste die Bank Federn lassen. Der Vorsteuergewinn sank um 31 Prozent auf 2,3 Milliarden Franken.
Unter anderem belasteten Rückstellungen für Steuerstreitigkeiten das Ergebnis. Die Beilegung eines Verfahrens der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung kostete die Bank 180 Millionen Franken. In den USA ermitteln die Behörden in einem ähnlichen Fall. Dafür legte die Bank bereits 295 Millionen Franken zurück.


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