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Triste Messe in Detroit: Krise ohne Ende

11.01.2009 | 17:28 Uhr
'Totenmesse' in Detroit
'Totenmesse' in Detroit

Detroit (dpa) - Die Autoindustrie sieht nach dramatischen Absatzeinbrüchen kein Ende der tiefen Krise und stellt sich auf schwere Zeiten ein.

Detroit (dpa) - Die Autoindustrie sieht nach dramatischen Absatzeinbrüchen kein Ende der tiefen Krise und stellt sich auf schwere Zeiten ein.

Weltweit werde 2009 für die Branche ein «verdammt schwieriges Jahr», sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, am Sonntag zum Auftakt der Autoshow in Detroit. Die Krise bedrohe zunehmend auch Jobs, vor allem bei den Zulieferern. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte, die Folgen der Finanzkrise seien in der Branche unterschätzt worden. Unterdessen forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Autoindustrie dazu auf, ihre Innovationsanstrengungen zu erhöhen.

Der Chef des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) in Europa, Carl-Peter Forster, sagte mit Blick auf die Marktprognosen: «Wir stochern alle im Nebel.» Opel rechnet für die bei der Bundesregierung angefragte Milliarden-Bürgschaft mit einer Entscheidung bis spätestens Ende März.

VW-Chef Martin Winterkorn sagte, 2009 werde ein «extrem schwieriges Jahr» für die Branche. Das Verbrauchervertrauen sei auf einem Tiefpunkt. Der VW-Konzern steigerte den Absatz 2008 gegen den Branchentrend um 0,6 Prozent auf 6,23 Millionen Fahrzeuge, rechnet aber im neuen Jahr mit einem Rückgang von zehn Prozent.

Zetsche sagte, die Schwierigkeiten böten auch die Chance, Veränderungen anzustoßen. Gefragt seien neue Fahrzeug- und Antriebskonzepte, angefangen von sparsamen Verbrennungs- bis hin zu Elektromotoren. Diese stehen im Mittelpunkt der traditionellen Autoshow (11. bis 25. Januar) in der US-Autostadt Detroit.

Vor allem in den USA, Westeuropa und Japan ist der Autoabsatz als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise dramatisch eingebrochen, dazu kommen hausgemachte Probleme in der Modellpolitik. Die Autohersteller haben bereits mit massiven Produktionskürzungen und Gewinnwarnungen auf die steile Talfahrt reagiert.

Besonders angespannt ist die Lage derzeit bei den drei schwer angeschlagenen US-Autobauern General Motors (GM), Ford und Chrysler. GM verhandelt ab Wochenbeginn mit den US-Arbeitnehmervertretern über neue drastische Einschnitte. Bereits in den vergangenen Jahren strichen Amerikas Autobauer hunderttausende Stellen. GM und Chrysler retten derzeit nur Notkredite der Regierung vor dem Aus.

Chrysler forderte für sein Überleben weitere drei Milliarden Dollar. Chrysler-Chef Robert Nardelli sagte in Detroit, man habe von Beginn an einen Kredit von sieben Milliarden Dollar haben wollen. Chrysler hatte Anfang Januar vier Milliarden Dollar bekommen, die nach Vorstellungen der US-Regierung bis Ende März reichen sollen. Washington will Entscheidungen über weitere Hilfen an die Autobranche Mitte Februar und Ende März treffen. Für das laufende Jahr erwartet Nardelli auf dem US-Automarkt einen weiteren massiven Einbruch.

Der VDA rechnet für den US-Markt im laufenden Jahr mit einem Absatz-Rückgang auf elf bis zwölf Millionen Fahrzeuge. Es gebe aber die Hoffnung, dass es im vierten Quartal 2009 wieder langsam bergauf gehe. 2008 wurden in den USA rund 13,2 Millionen Autos verkauft, nach 16,2 Millionen im Vorjahr. VDA-Präsident Wissmann sagte, die deutschen Autobauer wollten in den USA in der Krise in die Offensive gehen und Marktanteile dazugewinnen. Punkten wollten die deutschen Hersteller mit spritsparenden und umweltfreundlichen Modellen. Ziel sei, den Marktanteil von derzeit sieben Prozent mittelfristig auf zehn Prozent zu steigern.

Unterdessen kündigte Bundeskanzlerin Merkel weitere Unterstützung für die gebeutelte Schlüsselbranche mit rund 750 000 Beschäftigten an, mahnte aber in der «Bild am Sonntag» zugleich, die deutsche Automobilindustrie solle ihre Innovationsanstrengungen erhöhen. «Es gab in Deutschland eine unangefochtene technische Führung beim Ottomotor, der auch weiter gebraucht wird. Aber andere Technologien dürfen darüber nicht vernachlässigt werden.» Zudem sei ein Ziel des zweiten Konjunkturpaketes, das die Spitzen von Union und SPD an diesem Montag beschließen wollen, die Automobilnachfrage zu stärken, etwa mit einer am Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) orientierten Kfz-Steuer.

Wissmann sagte, wichtige Impulse seitens der Politik etwa durch die Reform der Kfz-Steuer könnten für einen zusätzlichen Absatz von 200 000 bis 300 000 Fahrzeugen sorgen. Zudem sagte er, die Autoindustrie werde alles dafür tun, um die Stammbelegschaften zu halten. Falls die Branche nach dem ersten halben Jahr 2009 aber kein Licht am Ende des Tunnels sehe, werde es schwierig, diese Strategie aufrechtzuerhalten.


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