«Wir haben realisiert, dass wir keine andere Wahl haben», sagte Präsident Akio Toyoda in der Toyota-Zentrale in Tokio. «Für die Formel 1 ist das Aus von Toyota mit Sicherheit nicht gut. Und ich hoffe, dass wir im März in Bahrain wieder 20 Autos an den Start bringen», wurde Sebastian Vettel am Rande des Race of Champions Peking von «Bild.de» zitiert. «Ich finde es extrem schade, das kommt sehr plötzlich. Ein schlimmer Schock», meinte der 22 Jahre alte Vizeweltmeister.
Schmerzvoll betroffen sind vor allem die rund 650 Beschäftigten in der deutschen Formel-1-Zentrale von Toyota. «Mir tut diese Entscheidung sehr leid für die vielen großartigen Mitarbeiter von Toyota Motorsport in Köln-Marsdorf. Sie hätten wahrlich einen anderen Beschluss verdient gehabt», sagte Ralf Schumacher, Toyota-Pilot von 2005 bis Ende 2007, der Deutschen Presse-Agentur dpa.
«Wir sind von der Nachricht total überrascht worden», sagte ein Beschäftigter vor Ort in Köln-Marsdorf: «Die Stimmung ist sehr gedrückt. Keiner weiß, wie es weitergeht.» Toyota bemühe sich um eine Lösung für alle Betroffenen, sagte ein Sprecher in Tokio. Den Motorsport-Standort will Toyota nicht aufgeben. Das habe Toyotas Motorsport-Präsident John Howett dem Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) in einem Telefonat versichert, teilte die Stadt mit. Demnach erklärte Howett, es sei derzeit nicht geplant, den Entwicklungsstandort Köln-Marsdorf aufzugeben oder zu verkaufen. Wie viele der 650 Arbeitsplätze endgültig wegfallen, sei noch unklar.
Der dritte Hersteller der Formel 1 nach Honda und BMW zieht sich damit zurück. «Wir bedauern diese Entscheidung», sagte MercedesMotorsportchef Norbert Haug. Vor einem Jahr war Honda ausgestiegen. Am Montag hatte auch noch der Reifenhersteller Bridgestone sein Formel-1-Ende nach 2010 verkündet. Im Juli hatte die zu Toyota gehörende Fuji International Speedway Co. zudem das Formel-1-Rennen auf der Hausstrecke am Fuße des Fuji für 2010 abgesagt.
Das Rennen wird wieder in Suzuka gefahren. Angesichts der vier geplanten neuen Teams steht die Formel 1 aber noch nicht vor einem ganz großen Problem. Kann eines oder können sogar mehrere der Neulinge nicht antreten, wird es indes heikel und der Saisonstart am 14. März vielleicht zu einer Rechnung ohne manch eingeplante Größe.
Kurioserweise könnte das Toyota-Aus die Übernahme des BMW-Sauber- Rennstalls beschleunigen. «Wir werden nun mit der FIA die entsprechenden Auswirkungen für das BMW Sauber F1 Team besprechen», sagte BMW-Motorsportchef Mario Theissen der dpa. Noch immer hängt die Übernahme des werkseigenen BMW-Sauber-Teams durch die Investorengruppe Qadbak von einem garantierten Startplatz im kommenden Jahr ab. Bislang steht man auf der Warteliste.
Hersteller Toyota, dem bei der Veröffentlichung der Zahlen an diesem Donnerstag für das zweite Geschäftsquartal im zweiten Jahr nacheinander Verluste drohen, hatte sich einen Startplatz gesichert. Dieser wäre nun praktisch erstmal frei, solange sich wie vor einem Jahr bei Honda durch Brawn kein Käufer findet.
Die Japaner unterzeichneten im Gegensatz zu BMW das im Sommer verabschiedete neue Concorde Agreement, das ja eigentlich die Teams zur Teilnahme bis einschließlich 2012 verpflichtet. Das Aus dürfte eine entsprechende Strafe zur Folge haben. Seit Monaten machten aber Zweifel an der Formel-1-Zukunft der Japaner die Runde. Der deutsche Pilot Timo Glock erklärte jüngst in Abu Dhabi, dass ein Verbleib bei Toyota weniger wahrscheinlich sei. Er wird gewusst haben, warum.
Im Land des Lächelns macht man ernst. Auch ein Sieg hätte an der Entscheidung nichts geändert, betonte Toyoda. Als beste Platzierungen sprangen ohnehin nur zweite Ränge heraus, zweimal unter anderem durch Glock (Ungarn 2008/Singapur 2009). Mehr als Vierter in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft (2005) war auch nicht drin. Siege und WM-Titel? Fehlanzeige nach 139 Rennteilnahmen.
Toyotas totaler Rückzug beinhaltet auch das Engagement als Motorenlieferant. Williams, für das der designierte deutsche Debütant Nico Hülkenberg 2010 Gas geben wird, hatte den Vertrag mit den Japanern nicht verlängert. Die Zeichen standen im Fahrerlager schon länger auf Abschied. Als die Crew am Sonntagabend in der Wüste die Koffer packte, standen ihnen Ungewissheit und Sorge ins Gesicht geschrieben. Sie waren abhängig von der Entscheidung aus Tokio. Und das für sie Schlimmste trat ein. Sayonara, Toyota.
Tokio (dpa)








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