Totenbuch des sowjetischen Speziallagers Sachsenhausen übergeben: Überlebende des früheren sowjetischen Speziallagers Sachsenhausen haben ein abschließendes Totenbuch über die zwischen 1945 und 1950 dort ums Leben gekommenen Häftlinge erhalten.
Vergrößern Totenbuch des sowjetischen Speziallagers Sachsenhausen übergeben | Bild: © ddp

Im Beisein von Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD), Vertretern von Opferverbänden und ehemaligen Häftlingen wurde das Buch mit den Namen von insgesamt 11 890 Toten durch den Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch, am Samstag in der Gedenkstätte offiziell präsentiert.

Der Zweite Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen, Richard Buchner, sagte, damit sei die Würde der Toten wieder hergestellt. Sie seien 'keine Opfer zweiter Klasse' mehr, sondern gleichrangig mit den Opfern des Nationalsozialismus. Er erinnerte daran, dass sich die früheren Häftlinge des Speziallagers über Jahre gegen den Verdacht wehren mussten, Mitläufer oder Unterstützer des NS-Regimes gewesen zu sein.

'Die Erinnerung und das Gedenken an die Verfolgten und Opfer der NS-Diktatur, des Stalinismus und der SED-Diktatur müssen in angemessenem Verhältnis zueinanderstehen', sagte Münch vor den rund 200 Gästen. Sie fügte an: 'Weder die vor, noch die nach 1945 verübten Verbrechen dürfen relativiert, bagatellisiert, marginalisiert oder gegeneinander aufgerechnet werden.' Das Wissen um das individuelle Leid in einem repressiven System müsse dazu führen, dass die Grundwerte der heutigen Demokratie gestärkt werden.

Im August 1945 war das sowjetische Speziallager Nummer 7 von Weesow bei Werneuchen in den Kernbereich des ehemaligen KZ Sachsenhausen verlegt worden. Mehr als 5000 Häftlinge kamen nach einem Fußmarsch von rund 40 Kilometern am 16. August dort an. Der sowjetische Geheimdienst NKWD inhaftierte im den Speziallager bis zur Auflösung im Frühjahr 1950 insgesamt rund 60 000 Menschen. Nahezu 12 000 Menschen starben an Hunger und Krankheiten.

ddp