Limburg (dapd). Die wegen Mordes angeklagte Natalja M. gestand im Verlauf des Prozesses, ihre zwischen 16 Tagen und 3 Monate alten Kinder mit einem Tuch erstickt zu haben.
Das erste Baby starb 2004, die anderen beiden 2006 und 2009. Bei den ersten beiden Todesfällen stellten Gerichtsmediziner plötzlichen Kindstod fest. 2009 leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein, die im September 2011 zur Festnahme führten. Natalja M. gestand die Taten zunächst. Zur Prozesseröffnung widerrief sie ihr Geständnis, räumte die Tötungen beim Fortsetzungstermin dann aber wieder ein. Ihr Ehemann gab vor Gericht an, bei den ersten beiden Todesfällen nicht zu Hause gewesen zu sein. Als das dritte Kind starb, habe er geschlafen.
Die Familie lebte in einem Mietshaus in Villmar. An die Umstände des Todes der Säuglinge habe sie wenig Erinnerung, sagte eine Nachbarin am Donnerstag vor Gericht. Natalja M. habe sie 2004 herbeigerufen, weil das Kind tot sei. 'Haben Sie geholfen?', wollte die Vorsitzende Richterin Karin Walter wissen. 'Nein, keiner hat geholfen', erwiderte die 60-Jährige. 'Das Kind lag da, ohne zu atmen.' Die Richterin fragte weiter, was die Nachbarin nach dem zweiten und dritten verstorbenen Baby gedacht habe. 'Weiß nicht', antwortete die Zeugin.
Tante sprach mit Nichte kaum über die Todesfälle
Auch die 56 Jahre alte Tante von Natalja M., die in unmittelbarer Nachbarschaft der Familie wohnte, sagte am Donnerstag vor Gericht aus. Mit ihrer Nichte habe sie über die verstorbenen Kinder und die Umstände ihres Todes kaum gesprochen. Richterin Walter reagierte ungläubig. 'Wie ging es Ihnen und der Mutter der Kinder denn, als der dritte Säugling starb?' Erneut erhielt das Gericht die Antwort: 'Weiß nicht.'
Die Angeklagte arbeitete in Villmar zeitweise als Altenpflegerin, verlor die Stelle aber wegen hoher Fehlzeiten. Eine frühere Kollegin sagte als Zeugin, sie habe Natalja M. nicht mit Fragen konfrontiert. 'Ich bin ja selbst Mutter.'
Die Staatsanwaltschaft hat gegen Natalja M. Mordanklage erhoben, weil sie sich den Mühen einer Mutterschaft nicht habe aussetzen wollen. Die heute 33-Jährige soll ihre Kinder stets auf die gleiche Weise erstickt haben, indem sie ihnen ein Tuch in den Rachen steckte und die Nase zuhielt. Beim nächsten Prozesstermin am 2. März (9.00 Uhr) soll ein Gutachter zur Schuldfähigkeit der Angeklagten aussagen.
dapd


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