Die Themen:
- Feurige Angelegenheit - Das Verdi-Requiem unter Pappano
- Tiefe mit feinem Esprit - Tzimon Barto spielt Haydn
Feurige Angelegenheit - Das Verdi-Requiem unter Pappano
Flammen flackern auf dem Cover. Wenn da mal nicht das Fegefeuer gemeint ist, das kaum zu Giuseppe Verdis kirchenkritischer Gläubigkeit passt. Obwohl natürlich auch in seiner «Messa da Requiem» vom Tag des Zorns die Rede ist, an dem «das Weltall sich entzünden» wird, vom Höchsten Gericht und genauso von der Hölle. Da entzieht selbst er sich nicht der katholischen Liturgie. Tatsächlich ist Verdis Requiem eine leidenschaftliche, ja feurige Angelegenheit, ganz große Oper - das unterstreicht Dirigent Antonio Pappano mit einer neuen Aufnahme.
Damit befindet sich der Engländer (mit italienischen Wurzeln) in bester italienischer Gesellschaft. Riccardo Muti und Co. haben in dieser Totenmesse dynamische Grenzen bis zum Geht-nicht-mehr ausgelotet, dass ein dreigestrichenes Piano fast als Stillstand wahrgenommen wird. Und just in dieser Tradition liefert Pappano ein leidenschaftliches, packendes Drama.
Das funktioniert auch, weil seine Sänger selbst im Fortissimo noch gestalten: die eindringliche Anja Harteros, dazu Sonia Ganassi mit kraftvollem Eboli-Mezzo und schließlich René Pape. Aus jedem seiner balsamischen Töne klingt die Trauer der Vergänglichkeit. Da sind selbst die angestrengten Einwürfe Rolando Villazóns zu verschmerzen.
Wem das alles zu mächtig ist, der halte sich lieber an Nikolaus Harnoncourts feinsinnige, gar nicht dürre Diät-Version, wer die großen Emotionen der italienischen Oper bevorzugt, wird an Pappanos Requiem die helle Freude haben.
(Giuseppe Verdi, Messa da Requiem, Antonio Pappano, Ltg., Orchestra e Coro dell'Accademia di Santa Cecilia, EMI CDs 50999 6989362 9, VÖ 18. September 2009)
Tiefe mit feinem Esprit - Tzimon Barto spielt Haydn
Das Haydn-Jahr geht so dahin, gemächlich, unspektakulär. Das wird der Musik zwar nicht wirklich gerecht, passt aber zum üblichen Papa-Haydn-Image und ist immer noch angenehmer als großangelegtes Gedenk-Merchandising. Dadurch hört man allerdings auch Künstler, die in punkto Haydn etwas zu sagen haben. Tzimon Barto ist so einer. In den 80ern machte der Pianist aus Florida als muskelbepackter Strandschönling mit ziemlich sportlichem Anschlag von sich reden. Dann wurde es still um ihn, und jetzt, mit mittlerweile 46 Jahren, muss man ihn zu den Ernsthaften seiner Zunft zählen.
Nach der subtilen Rameau-CD zwingt nun auch die Einspielung von vier Haydn-Sonaten zum genauen Zuhören. Und gleich in der frühen C-Dur-Sonate Hob. XVI:1 spürt er schon nach den ersten munteren Takten des Allegro eine zarte Eleganz in den Noten auf, die bei aller Lebensfreude immer auch den Ernst im Schlepptau führt. Im Adagio der Sonate Nr. 38 (F-Dur) und mehr noch der Nr. 60 (C-Dur) glaubt man, ganz unvermittelt in den Herzkammern der Romantik gelandet zu sein, so modern ist dieser Haydn.
Barto gibt den Noten Raum, begreift sie nie als bloße Fingerübung. Vielmehr sucht er in diesen Sonaten nach dem Funkeln im Inneren und wird auf köstliche Weise fündig. Selbst in den einfachsten Passagen.
(Unexpected Encounters, Joseph Haydn, Klaviersonaten, Tzimon Barto, Ondine CD ODE 1067-2, VÖ 1. September 2009)
ddp/sig/han

























