Tausende Frauen in ganz Italien demonstrieren gegen Berlusconi: Mehr als 100.000 Frauen sowie deren Unterstützer sind am Sonntag in ganz Italien gegen Ministerpräsident Silvio Berlusconi auf die Straßen gegangen. Damit wollten sie gegen das durch sein Handeln propagierte Frauenbild protestieren. Berlusconis fragwürdigen Beziehungen mit jungen Frauen seien für alle Frauen entwürdigend, sagten sie.
Vergrößern Tausende Frauen in ganz Italien demonstrieren gegen Berlusconi | Bild: © dapd

Rom (dapd).

Auf der kleinen vor Sardinien liegenden Insel La Maddalena ebenso wie in den Bevölkerungszentren Neapel, Venedig und Rom demonstrierten Frauen gegen den Regierungschef. Selbst in Paris bezogen 400 Unterstützer des Protests vor der Kirche Sacré-Coeur Stellung. In der Bergstadt L'Aquila, der Berlusconi nach dem Erdbeben 2009 Hilfe versprach, forderten Frauen die noch immer nicht angekommenen Gelder für den Aufbau eines Hauses für missbrauchte Frauen ein.

Die Hauptkundgebung fand in Rom auf der Piazza del Popolo statt, der Platz für bis zu 100.000 Menschen bietet. Und er war voll. Mütter, Töchter, Großmütter, viele Ehemänner und Lebensgefährten waren gekommen. Über den Platz schallte Musik. Unter anderem auch Aretha Franklins Hit 'Respect'.

Die Wände rund um den Platz waren teilweise mit Karikaturen der Frauen behängt, die Berlusconi ihren Aufstieg vom Fernsehshowgirl zur Ministerin oder hohen Parteifunktionärin verdanken. 'Das Fernsehen ist schuld daran, dass Frauen so gesehen werden', sagte Eleonore Ermini, eine über 60-jährige Demonstrantin. 'Die Mehrheit der Leute sieht (im Fernsehen) das, was die Mächtigen ihnen zeigen.'

Spärlich bekleidete junge Frauen

Berlusconis Fininvest besitzt die drei größten italienischen Privatfernsehsender. Als Ministerpräsident übt er außerdem politischen Einfluss auf das staatliche Fernsehen aus. Die meisten TV-Sendungen sind unterschiedliche Shows, in denen im Hintergrund spärlich bekleidete junge Frauen auftreten.

Unterstützer des 74-jährigen Berlusconi tun die Proteste als politisch motiviert ab. Gegen den Regierungschef laufen Ermittlungen, weil er eine 17-jährige aus Marokko stammende Nachtklubtänzerin für Sex bezahlt haben soll. Beide bestreiten die Vorwürfe.

Berlusconi äußerte sich bislang nicht selbst zu den Demonstrationen. Seine Bildungsministerin Mariastella Gelmini nannte die Demonstranten 'die üblichen versnobten linken Heldinnen, die aus ihren Salons kommen, um ein feministisches Anliegen zum Angriff auf eine Regierung zu missbrauchen, die noch immer die Unterstützung der Mehrheit der Italiener hat.'

Der Ministerpräsident hat seine Schwäche für hübsche, junge Frauen mehrfach öffentlich eingeräumt. Allerdings sieht er sich selbst als das Opfer einer von linken Staatsanwälten geführten Kampagne, um ihn aus dem Amt zu drängen.

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