Kelsterbach (dapd-hes).
Man sei eben eine kleine Gewerkschaft, die bisher nur selten gestreikt habe, begründet Vorfeldlotse Tobias Bartl die öffentliche Zurückhaltung, bevor er an seiner Cola nippt. 'Wir besitzen nicht mal rote Warnwesten.' Stattdessen setzen sie in den Verhandlungen auf den Faktor Zeit. Die Streikkasse sei gut genug gefüllt, um mehrere Wochen durchzuhalten.
Die Stimmung unter den rund 80 Anwesenden ist kämpferisch. Das sei auch nötig, schließlich arbeite Fraport inzwischen mit harten Bandagen. 'Sie setzen ungeschultes Personal ein, führen Zwangsrekrutierungen durch und halten sich nicht an die Ruhezeiten', will Michael Schirmer wissen, der ebenfalls als Vorfeldlotse sein Geld verdient.
Das könne zu brenzligen Situationen führen. 'Wenn ich Passagier wäre, ich würde mich in keinen Flieger mehr setzen', sagt Bartl. Die Koordination der Flugzeuge am Boden sei eine anspruchsvolle Aufgabe, die eine zweijährige Ausbildung erfordere. Er bezweifelt, dass Fraport in der Kürze der Zeit ausreichend geschulte Mitarbeiter rekrutiert habe. Im schlimmsten Falle könne es dadurch zu einem Zusammenstoß von zwei vollgetankten Flugzeugen auf der Rollbahn kommen.
Fraport-Sprecher Mike Schweitzer weist die Anschuldigungen entschieden zurück. 'Die Sicherheit ist hier jederzeit gewährleistet', sagt er. Der Streik der GdF laufe bereits weitestgehend ins Leere. Ersatzkräfte sicherten am Dienstag die Abfertigung von mehr als 80 Prozent der geplanten Flüge und sorgten für einen laut Fraport 'geregelten' Betrieb.
Diese Zahl sei unrealistisch, sagen die beiden Vorfeldlotsen. Sie gehen von einer deutlich niedrigeren Abfertigungsquote aus. Auch die von Fraport verbreiteten Lohnerhöhungsforderungen bis zu 70 Prozent bestreiten die Gewerkschafter. Es gehe um Lohnsteigerungen von maximal 28 Prozent über komplette vier Jahre, betont GdF-Sprecher Matthias Maas.
Er fordert Fraport auf, wieder in die Verhandlungen einzusteigen. Nachdem der Flughafenbetreiber den Schlichterspruch des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust (CDU) nicht anerkennen wollte, liegen die Verhandlungen derzeit auf Eis. 'Ein Anruf und wir könnten in 15 Minuten bei der Arbeit sein', sagt Maas.
dapd


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