Studie erkundet Seelenleben von Fußball-Fans: Beim Osnabrücker Fußballklub VfL geht es derzeit um mehr als Tore und den Punktestand. Mit einer Umfrage sollen Mitarbeitern der Universität Osnabrück herausfinden, welche Bedürfnisse Osnabrück- und Gäste-Fans haben. Der Verein wolle auf diese Weise seinen Wert als Wirtschaftsfaktor in der Region kennenlernen, sagt VfL-Geschäftsführer Ralf Heskamp.
Vergrößern Studie erkundet Seelenleben von Fußball-Fans | Bild: © dapd

Osnabrück (dapd-nrd).

Die Ergebnisse der Studie könnten dazu beitragen, die Kundenbindung an den Verein zu verbessern. Sie seien auch hilfreich, damit Sponsoren in den Klub investierten, sagt Heskamp. Noch sei das Marketing des Vereins nicht ausgereizt. Er erhoffe sich Erkenntnisse darüber, wo Fans lebten und wo sie ihre Prioritäten setzten. Dann könne auf ihre Bedürfnisse reagiert werden.

Studenten des Instituts für Geographie der Universität Osnabrück befragten dafür im Stadion einheimische und auswärtige Fans über ihre Gewohnheiten an den Spieltagen. Für den Osnabrücker Matthias Schnuck ist der VfL seit 40 Jahren ein wichtiger Teil des Lebens. Der 48-Jährige war mit seinem Vater zum ersten Mal im Stadion. Der Studentin Sabrina Jöst diktiert er in den Block, dass er pro Spiel 20 bis 30 Euro in der Osnabrücker Osnatel-Arena lässt.

Jösts Kommilitone Felix Bückem befragt während eines Drittligaspiels einen 16-jährigen Fan des SV Darmstadt 98. Der gibt an, wegen der guten Stimmung im Osnabrücker Stadion zu dem Auswärtsspiel gefahren zu sein. Auf die Fragen, ob er vor dem Spiel in der Innenstadt shoppen gewesen sei, sich eine kulturelle Einrichtung angesehen habe oder ob in Darmstadt über die Stadt Osnabrück gesprochen werde, antwortet er mit einem schlichten 'Nö'. Außer Fußball habe er keine Hobbys. Dafür gebe er etwas mehr als 100 Euro pro Monat aus, sagt der junge Darmstädter.

'Wir wollen das Seelenleben der Fans kennenlernen', sagt Falk Hassenpflug, Lehrbeauftragter der Universität Osnabrück, der das Projekt konzipierte und leitet. Bei der Umfrage soll unter anderem ermittelt werden, wie viel Geld durch den VfL in der Region Osnabrück bleibt. 'Solche Untersuchungen werden im Profifußball immer wichtiger.' Auch der Hamburger SV, der 1. FC Kaiserslautern, Fortuna Düsseldorf und der FC Carl Zeiss Jena hätten ähnliche Untersuchungen vorgenommen.

Die Studie werde zeigen, was den Fans am Ist-Zustand des Vereins und des Stadions gefalle und was verbesserungswürdig sei. 'Viele Befragte stellen zum Beispiel fest, dass es keine vegetarische Kost im Stadion gibt', sagt Hassenpflug. Über die Befragung der Gästefans könne sich die Stadt Osnabrück ein Bild davon machen, was diese vor und nach den Spielen abseits des Fußballplatzes unternähmen.

Die Ergebnisse sollen im April 2012 vollständig ausgewertet sein. Schon jetzt könne er aber sagen, dass der VfL Osnabrück trotz der vielen Abstiege bei den Fans nicht an Attraktivität verloren habe, sagt Hassenpflug. Dies bestätige die Ergebnisse einer Studie des Instituts für Marketing und Dienstleistungsforschung an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock aus dem Jahr 2009.

Danach handeln Fußball- und andere Sportfans anders als andere Konsumenten. Sie wenden sich im Fall eines Abstiegs nicht vom Verein ab. Gerade in Zeiten sportlichen Misserfolgs wachse die Loyalität zum Verein.

VfL-Geschäftsführer Heskamp sieht die Aussage mit einiger Skepsis. Gerade der Abstieg nach der Saison 2010/11 habe für viel Frust gesorgt. Dies habe sich auch beim Ticket- und Fanartikel-Verkauf sowie beim Sponsoring gezeigt.

dapd