Streit um Potsdamer Asylbewerberheim: Lebhafte Debatte bei Bürgerversammlung - Entscheidung für neuen Standort kommende Woche
Vergrößern Streit um Potsdamer Asylbewerberheim | Bild: ©

Potsdam (ddp-lbg). Der geplante Umzug des Asylbewerberheimes mit 140 Bewohnern vom Stadtrand in die Nähe des Zentrums hat in Potsdam eine heftige öffentliche Debatte entfacht. Etwa 250 Befürworter und Gegner äußerten sich dazu am Montagabend bei einer Bürgerversammlung mit der Sozialbeigeordneten Elona Müller (parteilos) im Plattenbau-Wohngebiet Am Schlaatz. Dort sollen die Asylbewerber künftig wohnen. Obwohl Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) zu einer «offenen, ehrlichen und mit Respekt vor den Menschen geführten» Diskussion aufgerufen hatte, drohte die Veranstaltung anfangs durch Unruhe, Zwischenrufe und Pfiffe aus dem Ruder zu laufen.

Angst vor Kriminalität und Lärmbelästigung verbinden viele der etwa 5000 Bewohner des Stadtteils mit dem Zuzug der bereits seit Jahren in Potsdam wohnenden Asylbewerber. Andere hingegen fordern einen Dialog mit den Ausländern und eine stärkere Unterstützung bei deren Integration in den Stadtteil. Mit einem Ausländeranteil von etwa sieben Prozent liegt der «Schlaatz» in Potsdam bereits mit an der Spitze. Zudem wohnen in dem Viertel viele sozial schwache Familien, die auf «Hartz IV» angewiesen sind.

Ausgelöst wurde die Diskussion vor Tagen durch den Vorstand der Potsdamer Wohnungsbaubaugenossenschaft (pbg), die am Schlaatz zahlreiche Wohnungen besitzt. Vorstandschef Roland Zellmann hatte öffentlich die Streichung von Investitionen in Millionenhöhe angekündigt, sollte das Heim ab 1. Juli dort in Betrieb gehen. Anwohner und pbg werfen der Stadtverwaltung zudem vor, «die Katze zu spät aus dem Sack gelassen» zu haben, wie ein Mann in der Bürgerversammlung sagt. Der Flüchtlingsrat Brandenburg wirft der pbg indes «öffentliche ausländerfeindliche Stimmungsmache» vor.

Elona Müller wies die Kritik an der Stadtverwaltung zurück. Die europaweite Ausschreibung für den neuen Heimstandort habe es nicht gestattet, vor Verfahrensabschluss Details nach außen zu geben. Nachdem Anfang Januar das Ergebnis feststand, seien die Stadtverordneten und der Hauptausschuss informiert worden. Auch auf die Bedenken der pbg sei die Verwaltung eingegangen. Müller unterstrich: «Wir wollen zusammen mit Bürgern und Institutionen ein Gesamtkonzept für den Stadtteil entwickeln.» In regelmäßigen Gesprächsrunden solle der Prozess für jeden Interessierten transparent gestaltet werden.

Das Diakonische Werk Potsdam e.V. hat sich als einziger Bieter an der Ausschreibung beteiligt und ein Konzept für die Betreibung des ehemaligen Lehrlingswohnheimes am «Schlaatz» als Heim für die Asylbewerber vorgelegt. Die Entscheidung über den Zuschlag will der Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung am 25. Februar fällen.

Die Standortsuche war notwendig geworden, da der Vertrag des derzeit von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) betriebenen Flüchtlingsheimes zur Jahresmitte ausläuft. Die Beigeordnete Müller betonte in diesem Zusammenhang, dass das Potsdamer Integrationskonzept eine «zentrumsnähere Unterbringung» fordere, um die betroffenen Menschen besser integrieren zu können.

Der Sorge von Anwohnern, dass das Heim mehr Kriminalität in den Stadtteil bringen könne, begegnete die Polizei mit konkreten Zahlen. Von jährlich etwa 16 000 in Potsdam begangenen Straftaten mit etwa 6000 Tatverdächtigen seien im vergangenen Jahr nur knapp über 50 Delikte Asylbewerbern zugeschrieben worden, sagte der Polizei-Schutzbereichsleiter für Potsdam, Ralf Marschall. Der Polizei warfen Anwohner auf der Versammlung auch vor, am Wochenende am künftigen Heimstandort entdeckte Hakenkreuz-Schmierereien «verschwiegen» zu haben. Marschall konterte: «Wir hatten vermutet, die Täter kommen in der nächsten Nacht nochmal und wollten sie dabei schnappen.»

(ddp)