Leichtathletik, WM

Robert Harting bleibt bei seiner letzten WM eine Medaille versagt.

05.08.2017 - 23:10:07

Leichtathletik-WM - Superstar Bolt verliert: Buhmann Gatlins später Triumph. Der dreifache Titelgewinner wird nur Sechster. Nachdem sein Bruder Christoph, Olympiasieger von 2016, die WM-Teilnahme verpasste, gehen die erfolgsverwöhnten deutschen Diskuswerfer in London leer aus.

  • Usain Bolt - Foto: Rainer Jensen

    Usain Bolt musste sich im 100-Meter-Finale Justin Gatlin und Christian Coleman geschlagen geben. Foto: Rainer Jensen

  • Start - Foto: Rainer Jensen

    Kurzer Gruß nach oben: Bolt vor seinem letzten 100-Meter-Finale. Foto: Rainer Jensen

  • Superstar - Foto: Rainer Jensen

    Das Londoner Publikum feierte trotzdem den Sprint-Superstar. Foto: Rainer Jensen

Usain Bolt - Foto: Rainer JensenStart - Foto: Rainer JensenSuperstar - Foto: Rainer Jensen

London - Supersprinter und Showman Usain Bolt hat im letzten 100-Meter-Rennen seiner einzigartigen Karriere das gewohnte Gold verpasst.

Der 30 Jahre alte Jamaikaner musste sich bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London seinem langjährigen Dauerrivalen Justin Gatlin und Newcomer Christian Coleman (beide USA) geschlagen geben. Auch Diskus-Altmeister Robert Harting beugte sich bei seiner letzten WM der übermächtigen Konkurrenz.

Bolt kam wie schon im Vorlauf und Halbfinale schlecht aus dem Startblock und rannte seinen härtesten Konkurrenten hinterher: Am Ende siegte der frühere Dopingsünder Gatlin, der vom Publikum regelmäßig ausgepfiffen wurde, in 9,92 Sekunden vor dem 21-Jährigen Colemann (9,94). Eine Hundertstelsekunde dahinter kam Bolt als Dritter ins Ziel - ein ungewohntes Bild für die Sportwelt. Fair umarmte der Jamaikaner Gatlin aber unmittelbar nach dem Finale und ließ sich dennoch feiern.

Der 35 Jahre alte Gatlin hatte bei Olympia in Rio de Janeiro als Zweiter noch das Nachsehen. Diesmal vergoss er Freudentränen noch auf der Bahn. So verpasste Bolt zum zweiten Mal bei einer WM den Titel im Sprint: Mit seinem Fehlstart-Malheur von Daegu/Südkorea 2011 hatte seinem Landsmann Yohan Blake zum Titel verholfen. Am kommenden Samstag will Bolt mit seinen Kollegen aus Jamaika noch mal Staffelgold holen. Auf einen Start über 200 Meter verzichtet er - und nach London ist Schluss.

Robert Harting, der dreifache Weltmeister und Olympiasieger von 2012, verpasste die erste Medaille für das 71-köpfige deutsche Team deutlich. Mit 65,10 Metern kam der 32 Jahre alte Berliner auf Rang sechs und musste mit ansehen, wie Andrius Gudzius aus Litauen mit 69,21 überraschend Gold gewann. Der Schwede Daniel Stahl holte mit zwei Zentimetern weniger Silber, Bronze ging mit 68,03 Metern an den Amerikaner Mason Finley.

«Bei solchen Wettkämpfen braucht man totale Kontrolle, das war heute nicht der Fall. Ich hatte technische Probleme, und dann kann man nicht voll werfen», sagte Harting. Sein jüngerer Bruder Christoph, Olympiasieger von 2016, hatte das WM-Ticket verpasst.

Für einen Paukenschlag im 100-Meter-Vorlauf hatte am Vormittag Gina Lückenkemper gesorgt. Die 20-Jährige aus Dortmund kam nach 10,95 Sekunden ins Ziel und legte damit die schnellste Zeit aller Konkurrentinnen vor. «Das ist großartig. Ich bin absolut sprachlos nach dem Rennen gewesen», sagte die EM-Dritte über 200 Meter. «Es war mein Traum unter elf Sekunden bei diesen Weltmeisterschaften zu laufen.» Damit erreichte Lückenkemper bereits ihr Ziel Halbfinale, ist nun aber auch eine Anwärterin auf den Endlauf an diesem Sonntag.

Lückenkemper ist erst die siebte deutsche Sprinterin, die unter 11 Sekunden über die 100-Meter-Distanz blieb. Zuletzt war dies 1991 Katrin Krabbe mit 10,91 Sekunden gelungen. Den deutschen Rekord hält seit dem 8. Juni 1983 Marlies Göhr in 10,81 Sekunden.

Im Siebenkampf der Frauen liegt Carolin Schäfer nach dem ersten Tag auf Medaillenkurs. Die Frankfurterin führt nach vier Disziplinen mit 4036 Punkten das Klassement an. Topfavoritin und Rio-Siegerin Belgierin Nafissatou Thiam aus Belgien folgt auf Platz zwei mit 4014 Zählern.

Ganz souverän meisterte der zweifache Weltmeister David Storl die Qualifikation. Gleich im ersten Durchgang wuchtete der 27-Jährige Leipziger die Kugel 21,41 Meter weit und empfahl sich damit für das Finale an diesem Sonntag. Nur der Neuseeländer Tomas Walsh war mit starken 22,14 Metern besser. «Mit so einem Stoß, der so kontrolliert über 21,41 Meter geht - das macht natürlich Spaß», sagte Storl.

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