Beach-Volleyball, WM

Nach Olympia-Gold in Rio nun der WM-Titel in Wien: Die «Golden Girls» des deutschen Beachvolleyballs bringen eine äußerst schwierige Mission bis zum erhofften, aber kaum erwarteten Höhepunkt.

05.08.2017 - 17:38:06

«Unfassbarer Titel» - Ludwig/Walkenhorst auch bei WM Golden Girls. Ludwig/Walkenhorst haben jetzt alle Titel gewonnen, die es gibt.

  • Gold - Foto: Herbert Neubauer

    Nach Olympia-Gold in Rio nun der goldene WM-Pokal von Wien. Foto: Herbert Neubauer

  • Weltmeisterinnen - Foto: Herbert Neubauer

    Kira Walkenhorst (l) und Laura Ludwig haben den Titel bei der Beachvolleyball-WM gewonnen. Foto: Herbert Neubauer

  • WM-Finale - Foto: Herbert Neubauer

    10 000 Zuschauer sahen in Wien das WM-Finale. Foto: Herbert Neubauer

Gold - Foto: Herbert NeubauerWeltmeisterinnen - Foto: Herbert NeubauerWM-Finale - Foto: Herbert Neubauer

Wien - Als bei der Siegerehrung die deutsche Nationalhymne für die neuen Weltmeisterinnen im Beachvolleyball gespielt wurde, dachte Laura Ludwig auch an die vielen schwierigen Monate zuvor.

«Das ist ein unfassbarer WM-Titel», erklärte die Hamburgerin mit einigen Tränen in den Augen: «Ich werde die zehn Tage hier in Wien wie das Rio-Gold nie vergessen.» Ihre Partnerin Kira Walkenhorst war auch überwältigt: «Auf jeden Fall war es überraschender als der Olympiasieg. Die Hoffnung war da, aber wirklich daran geglaubt haben wir erst später.»

Trotz aller Widrigkeiten sind Ludwig/Walkenhorst nun endgültig die Königinnen ihrer Sportart. Ein Jahr nach dem glanzvollen Olympia-Triumph an der Copacabana setzten sie sich auch die WM-Krone auf und haben damit alles gewonnen, was es in ihrer Sportart zu gewinnen gibt. Noch vor der Siegerehrung in Wien reckten sie auf einem roten Teppich den goldenen WM-Pokal in die strahlende Sonne. «Das war extra für die Fernsehkameras», berichtete Walkenhorst.

Ludwig/Walkenhorst setzten sich Samstag in einem hochklassigen und spannenden WM-Endspiel gegen die US-Amerikanerinnen April Ross und Lauren Fendrick mit 2:1 (19:21, 21:13, 15:9) durch. «World Champion - yeah», brüllte Ludwig nach dem Triumph ins Mikrofon und tanzte auf dem Centercourt: «Unglaublich.» Und Walkenhorst jubelte: «Es war viel mentale Arbeit, dafür haben wir uns belohnt.»

Vor 10 000 Zuschauern im prall gefüllten Wiener WM-Stadion auf der Donauinsel mussten die 27 Jahre alte Walkenhorst und ihre vier Jahre ältere Partnerin Ludwig harten Widerstand brechen und holten das zweite WM-Gold für den deutschen Volleyball im Sand, gleichzeitig die sechste WM-Medaille für Schwarz-Rot-Gold in der Beach-Geschichte.

«Das ist nach dieser schwierigen Vorbereitung alles andere als selbstverständlich», erklärte die in Essen geborene Walkenhorst. Nach einer Schulteroperation bei ihrer Partnerin musste die Blockerin fast vier Monate allein trainieren. Und als Energiebündel Ludwig wieder in Schuss kam, erwischte es Walkenhorst mit einer Entzündung in der Schulter. Gemeinsame Turniere mit voller Belastung gab es für das Duo vor der WM praktisch nicht. «Wir sind auf jeden Fall mit Zweifeln hier angereist. Ich wusste nicht, ob meine Schulter durchhält.»

Nie aufzugeben aber ist inzwischen die wohl größte Stärke des Duos. «Da haben wir die letzen fünf Jahre sehr hart daran gearbeitet», betonte die 1,84 Meter große Walkenhorst. «Erst hier in Wien habe ich zum ersten Mal wieder richtig hart geschlagen.» Ross/Fendrick bekamen die zurückgekehrten Stärken der Olympiasiegerinnen zu spüren.

Nach den vielen Verletzungen und Erkrankungen hat das deutsche Beachvolleyball-Team Nummer eins auf den Punkt wieder seine Topform. Im Endspiel wurden die Weltmeisterinnen allerdings von den US-Girls hart gefordert. «Wir haben uns auf die Elemente fokussiert, die wir uns Spiel für Spiel erarbeitet haben», sagte Walkenhorst.

Ludwig/Walkenhorst sind nach dem Olympiasieg in Rio de Janeiro 2016, drei gemeinsamen deutschen Meisterschaften, zwei EM-Triumphen und neun Turniersiegen auf der Welttour nun auch die erste deutschen Damen, die den WM-Titel gewannen. Zuvor hatten Julius Brink und Jonas Reckermann 2009 im norwegischen Stavanger für das einzige WM-Männergold gesorgt. Ludwig/Walkenhorst sind jetzt Olympiasieger, Welt- und Europameister - «so möchte ich jetzt immer angesprochen werden», scherzte Walkenhorst und zog los zur Siegerparty.

@ dpa.de