Schwimmen, WM

Auch das vierte Freiwasser-Rennen der Schwimm-WM in Ungarn verlief fĂŒr die deutschen Athleten enttĂ€uschend.

19.07.2017 - 18:13:19

Auch 4. Rennen ohne Medaille - WM-Freiwasser: TrĂ€nen bei Wunram und Beck, Frust bei Lurz. Die Stimmung war entsprechend gedrĂŒckt.

Budapest (dpa) - Nachdem er seine beiden in TrĂ€nen aufgelösten SchĂŒtzlinge getröstet hatte, holte Stefan Lurz tief Luft und ließ seinem Unmut freien Lauf.

«Auch persönlich geknickt» zeigte sich der Bundestrainer, nachdem sein Team im vierten WM-Rennen der Freiwasserschwimmer am Plattensee wieder ohne Medaille geblieben war. Und wĂ€hrend er mit Finnia Wunram aus Magdeburg nach Rang elf noch halbwegs gnĂ€dig war, stellte er bei seinem WĂŒrzburger SchĂŒtzling Leonie Beck angesichts von Platz 24 sogar die Zukunft als Freiwasserschwimmerin in Frage.

«Wenn jede kleine Entscheidung, die man treffen muss, gegen einen lĂ€uft, muss man sich am Ende des Jahres ĂŒberlegen, ob Freiwasserschwimmen das Richtige ist», sagte Lurz ĂŒber die etatmĂ€ĂŸige Beckenschwimmerin, die bei den Olympischen Spielen 2016 ĂŒber 800 Meter startete und unter Lurz in WĂŒrzburg trainiert: «Wenn man immer die Ă€hnlichen Bilder sieht, muss man sich vielleicht ehrlich eingestehen: Ich kann es im Becken, aber ich komme mit der Situation im Freiwasser einfach nicht klar.»

Das 5-Kilometer-Rennen war erst Becks drittes außerhalb des Beckens. Nach einem starken Start bĂŒĂŸte die 20-JĂ€hrige durch einen taktischen AnfĂ€ngerfehler frĂŒh alle Chancen ein. «Bei der ersten Boje - ich weiß gar nicht, was sie da gemacht hat», sagte Lurz: «Sie hat zu frĂŒh innen aufgemacht, kam dann ins GedrĂ€nge. Da fehlen Rennen und HĂ€rte, da fehlt die Intuition.» Die Konsequenz mĂŒsse sein: «Wenn man Freiwasser schwimmen will, braucht man Rennen. Dann muss man auch die Europacups und die Weltcups schwimmen. Da muss man dann durch. Ein bisschen durchs Becken tingeln, dann hier tingeln und dann mal eben eine Medaille holen, das funktioniert einfach nicht.»

Derweil qualifizierte sich Patrick Hausding im Wasserspringen vom Drei-Meter-Brett als FĂŒnfter fĂŒr das Finale und darf nach Bronze im Synchronspringen vom Turm mit Sascha Klein von einer weiteren Medaille trĂ€umen. Stephan Feck schied als 26. schon im Vorkampf aus.

Derweil war Beck zunĂ€chst zu frustriert, um etwas zu sagen. Sie rauschte an den Journalisten vorbei, kam dann aber zurĂŒck und analysierte mit leiser Stimme. «Ich habe mir nicht vorgestellt, dass es so schnell vorbei sein kann», sagte sie: «Ich habe mich ungeschickt angestellt. An einer Boje habe ich gefĂŒhlt tausend PlĂ€tze verloren. Und dann hinten im GedrĂ€nge, das ist einfach nix.» Der Titel ging an die WM-Dritte von 2011, Ashley Twichell aus den USA.

Auch Wunram ging mit ihrem Abschneiden selbstkritisch um. «Sie ist in TrĂ€nen aufgelöst», berichtete Lurz. Kurz zuvor, bei ihrer offiziellen Analyse hatte die 21-JĂ€hrige mit einem Kloß im Hals noch so die Fassung gewahrt. «Frustriert bin ich nicht, enttĂ€uscht schon. Ich habe mir mehr erhofft. Top 10 wĂ€re schön gewesen.» Vor zwei Jahren in Kasan hatte die deutsche Freiwasser-Hoffnung noch Bronze in der nicht-olympischen Disziplin gewonnen. Über zehn Kilometer in Ungarn hatte sie zumindest einen ordentlich siebten Platz belegt.

Besser war die Laune bei Hausding. «Ich bin vollkommen zufrieden», sagte er. Im Finale wĂ€re er «mit Top Sechs zufrieden, gerade nach diesem Marathon, den ich bestritten habe». Vielspringer Hausding tritt bereits zum fĂŒnften Wettkampf an, die Quali dauerte fast den ganzen Tag. «Der Wecker hat schon um 5.45 Uhr geklingelt», berichtete Hausding am frĂŒhen Abend erschöpft.

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