Tennis, US Open

Am Tag vor dem ersten Auftritt von Titelverteidigerin Angelique Kerber kämpfte sich ein deutscher Routinier bei den Herren durch, eine Außenseiterin musste sich in New York gleich verabschieden.

29.08.2017 - 07:09:20

Aus für Debütantin Zaja - Mayer und Görges bestehen erste US-Open-Prüfungen. Ein deutsches Duell wurde zur einer klaren Angelegenheit.

New York - Die formstarke Julia Görges war nach ihrem überzeugenden Auftakt einfach glücklich über einen «guten Einstieg», Routinier Florian Mayer freute sich bei den US Open auf ein «cooles Erlebnis» und Mischa Zverev hat in New York nur knapp ein unerwartet frühes Aus abgewendet.

Drei erfahrene deutsche Tennisprofis blicken beim vierten und abschließenden Grand-Slam-Turnier der Saison zufrieden ihren Zweitrunden-Partien entgegen. Der 33-jährige Mayer musste in New York lange schuften, ehe er den Brasilianer Rogerio Dutra da Silva nach missratenem zweiten Satz mit 7:5, 0:6, 6:3, 6:4 besiegte.

«Es war sicher keine Glanzleistung, aber Sieg ist Sieg. Für mich ist die zweite Runde ein guter Erfolg», sagte der Bayreuther. In einer deutlich schwierigeren Aufgabe gegen Wimbledon-Finalist Marin Cilic wird er am Mittwoch die besondere Atmosphäre auf einem der größten Plätze der Anlage in Flushing Meadows erleben dürfen.

Der Weltranglisten-27. Mischa Zverev rang Außenseiter Thai-Son Kwiatkowski aus den USA in fünf Sätzen mit 7:6 (7:5), 4:6, 4:6, 7:5, 6:3 nieder. 3:28 Stunden musste der Hamburger für seinen Erstrundenerfolg kämpfen und einen Satz-Rückstand aufholen. Der 22 Jahre alte Kwiatkowski steht lediglich auf Platz 710 der Weltrangliste und kam nur dank einer Wildcard ins Hauptfeld des Grand-Slam-Turniers. Bis zum Schluss verteidigte sich der krasse Außenseiter tapfer und wehrte vier Matchbälle ab. Für eine kuriose Szene sorgte der 22-jährige Amerikaner, als er nach Abwehr des dritten Matchballs Liegestütze absolvierte.

Der 30-jährige Zverev spielt nun am Mittwoch gegen Benoit Paire aus Frankreich um den Einzug in die dritte Runde. Der ältere Bruder von Ausnahmetalent Alexander Zverev hatte Anfang des Jahres bei den Australian Open in Melbourne für Furore gesorgt, als er im Achtelfinale den damaligen Weltranglisten-Ersten Andy Murray besiegte.

Die 28-jährige Görges hatte es in ihrer Erstrundenpartie beim 6:1, 6:0 gegen Annika Beck deutlich leichter und ließ der überforderten Bonnerin keine Chance. Eine konzentrierte Vorstellung reichte ihr gegen die fünf Jahre jüngere Beck. Nach nur 59 Minuten beendete die Bad Oldesloerin mit einer unerreichbaren Vorhand das ungleiche deutsche Duell und nahm ihre Tennis-Kollegin am Netz in die Arme. «Ich habe sehr solide gespielt. Wenn man in ein Turnier startet, ist immer eine besondere Anspannung zu merken», sagte sie.

Bei ihrer elften Teilnahme an den US Open in Serie bekommt es die an Position 30 gesetzte Görges nun am Mittwoch mit Saisai Zheng aus China zu tun und ist nach ihren starken Leistungen in den vergangenen Wochen Favoritin. Titelverteidigerin Angelique Kerber greift am Dienstag gegen Naomi Osaka aus Japan erstmals ins Geschehen ein.

Für Grand-Slam-Debütantin Anna Zaja sind die US Open nach dem 2:6, 3:6 gegen die Russin Jekaterina Alexandrowa bereits beendet. Die Hamburgerin Carina Witthöft verpasste beim 5:7, 1:6 gegen die an Position 16 gesetzte Lettin Anastasija Sevastova eine Überraschung. Mona Barthel scheiterte als vierte deutsche Tennisspielerin bei den US Open in der ersten Runde. Die Neumünsteranerin zog deutlich mit 2:6, 1:6 gegen die Russin Jekaterina Makarowa den Kürzeren.

Auf Außenplatz 12 pustete Mayer erst einmal kräftig durch und schüttelte den Kopf, als sein erster Zweitrunden-Einzug in Flushing Meadows seit vier Jahren feststand. Über 2:36 Stunden hatte der ehemalige Davis-Cup-Spieler zum Auftakt des Tennis-Spektakels von New York ein Auf und Ab durchgemacht.

Auch im vierten Satz musste er nochmal zittern. Als Mayer dann zum Matchgewinn aufschlug, wehrte er zunächst noch zwei Breakbälle ab. Beim ersten Matchball machte es ihm sein Kontrahent aber dann leicht, als er einen Return beim zweiten Aufschlag ins Netz schlug. «Ich habe es mir schwer gemacht. Ich bin ein bisschen nervös geworden vor dem Sieg», sagte Mayer, der zufrieden mit den angenehmen Temperaturen war, aber mit dem Wind haderte.

Immer wieder hat sich der Hamburg-Finalist in seiner Karriere nach langen, verletzungsbedingten Leidenszeiten zurückgekämpft. In diesem Jahr musste der Halle-Sieger von 2016 bis Mai auf seinen ersten Erfolg auf der ATP-Tour warten.

Erst in Wimbledon hatte der Rasenspezialist dem früheren US-Open-Sieger Cilic ebenfalls in der zweiten Runde gegenübergestanden, aber in drei Sätzen den Kürzeren gezogen. Seit dem Wimbledon-Finale gegen Roger Federer hat der kroatische Weltranglisten-Siebte verletzungsbedingt kein Match mehr bestritten. «Er ist sicher auch nicht in Bestform», sagte Mayer.

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