Radsport, UCI WorldTour

Der fünfmalige Etappensieger Kittel und sein früherer Teamkollege Degenkolb sind die großen Verlierer der 16.

18.07.2017 - 18:42:06

Froome weiter im Gelben Trikot - Kittel und Degenkolb Verlierer - Matthews Etappensieger. Tour-Etappe. Der Triumph gehört Radprofi Matthews, der die beiden Deutschen mächtig ärgert.

Romans-sur-Isère - John Degenkolb verschwand frustriert und verärgert in den Teambus, Marcel Kittel holte sich sein Grünes Trikot erst mit großer Verspätung ab: Die letzte Sprintchance vor den Alpen endete für die deutschen Hoffnungen in einer einzigen Enttäuschung.

Kittels Traum vom Sieg in der Punktewertung in Paris droht nach dem Triumph seines Rivalen Michael Matthews in Romans-sur-Isère zu platzen und Degenkolb war gar nicht gut auf Matthews zu sprechen. Der Klassikerspezialist, der hinter dem Australier und dem Norweger Edvald Boasson-Hagen Dritter wurde, legte über sein Team gar Protest gegen den Australier ein - ohne Erfolg.

«Er hat seine Fahrlinie verlassen und mir die Tür zugemacht. Wir sprechen über fairen Sport. Ich bin schon einmal in einem Zielsprint schwer gestürzt - ich brauche das nicht noch einmal», erregte sich Degenkolb, der bei seiner fünften Tour-Teilnahme weiter auf der Jagd nach seinem ersten Tagessieg ist. Nach dem Zieleinlauf packte er Matthews gar kurz an den Nacken.

Von der Jury gab es aber nach dem heiklen Sprint keine Reaktion - und Matthews verstand die ganze Aufregung nicht: «Ich habe meine Linie nicht verlassen. Ich weiß nicht, was er meint. Das ist sein Problem.»

Probleme bereitet Matthews aber nicht nur Degenkolb, sondern auch zunehmend Kittel. Dem Strahlemann der ersten beiden Tour-Wochen war im Ziel der 16. Etappe jedenfalls nicht mehr zum Lachen. Mit über 16 Minuten Rückstand erreichte Kittel das Ziel, sein Vorsprung im Kampf um das Grüne Trikot auf Matthews ist auf nur noch 29 Punkte geschrumpft. «Ich konnte nichts machen. Das war nicht unser Tag», sagte Kittel. Matthews feierte quasi einen Doppelsieg, machte er auch wertvolle 50 Punkte auf Kittel gut. «Das war ein wunderbarer Tag für mich», sagte der Australier vom deutschen Sunweb-Team, das mit drei Etappensiegen und dem Bergtrikot für Warren Barguil eine Supertour fährt.

Die Favoriten auf den Gesamtsieg taten sich vor Beginn der beiden harten Alpen-Etappen auf lediglich 165 Kilometern nicht weh. Spitzenreiter bleibt der dreimalige Toursieger Chris Froome mit weiter 18 Sekunden Vorsprung vor Fabio Aru, 23 Sekunden vor Romain Bardet und 29 Sekunden vor der Tour-Überraschung Rigoberto Uran. Der packende Kampf um Minimal-Vorsprünge geht weiter. Froome, der weiter auf seinen ersten diesjährigen Etappensieg wartet, war zufrieden: «Ich werde versuchen, die Tour zu gewinnen - das zählt für mich. Ob noch ein Tagessieg gelingt, weiß ich nicht.»

Den erhofften sechsten Erfolg konnte sich Kittel schon früh abschminken. Das Streckenprofil mit zwei Anstiegen im ersten Drittel und die aggressive Fahrweise des Feldes vom Start weg vereitelten den Plan des 29 Jahre alten Erfurters. Der Mann in Grün, der bisher in Massensprints umjubelt und unbezwingbar war, geriet schon nach 20 Kilometern auf der Cote de Boussoullet ins Hintertreffen.

Er fuhr in einer abgehängten Gruppe, und auch zwei Helfer seiner Quick-Step-Mannschaft konnten bei starkem Wind und großer Hitze nicht für den Wiederanschluss an das Hauptfeld sorgen. Das deutsche Sunweb-Team machte an der Spitze des Feldes für Matthews und gegen Kittel gnadenlos Tempo. Zudem musste der Quick-Step-Kapitän auf den Ex-Weltmeister Philippe Gilbert verzichten. Der Belgier war zur 16. Etappe wegen einer Magen-Darm-Erkrankung nicht mehr angetreten.

Nach der verpassten Chance Kittels ist nun auch klar, dass die Uralt-Rekorde der Tour bestehen bleiben. Die beiden Belgier Eddy Merckx und Freddy Maertens sowie der Franzose Charles Pelissier hatten in einem Jahr acht Etappen gewonnen. Das kann der Wahl-Schweizer nicht mehr erreichen.

Auch das Profil am Mittwoch verspricht Schwierigkeiten für Kittel. Der Zwischensprint liegt im Tal hinter dem ersten Anstieg des Tages. Für Matthews ist das machbar, für Kittel kaum.

@ dpa.de

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