Fußball, Bundesliga

Rauchbomben, Hetzplakate, üble Gesänge: Die Vorfälle aus der Bundesliga beschäftigen Verantwortliche und Zuschauer mehr als sonst.

24.04.2017 - 15:52:05

DFB ermittelt - Fan-Sprecher räumt «gewisse Radikalisierung» ein. Keine zwei Wochen nach dem Anschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus lassen einige Fans jegliches Feingefühl vermissen.

Frankfurt/Main - Nach einem Bundesliga-Wochenende mit viel Aufregung um Fan-Entgleisungen ermittelt der DFB-Kontrollausschuss gleich in mehreren Fällen.

Wegen der Schmähungen gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp muss sich der 1. FC Köln verantworten, wegen eines Hassplakats von Frankfurter Fans gegen die Polizei die Eintracht. Jochen Grotepaß aus dem Sprecherrat der Interessengemeinschaft der Fanorganisation «Unsere Kurve» sieht «eine gewisse Form der Radikalisierung» in der Fanszene. Fan-Anwalt René Lau will davon nicht sprechen: «Das ist eine subjektive Wahrnehmung, weil die Bedeutung des Fußballs und der Umfang der Berichterstattung in den Medien stark zugenommen hat.»

Der Hamburger SV muss sich verantworten, da Randalierer im Spiel gegen Darmstadt massiv mit Pyrotechnik und Rauchtöpfen gezündelt hatten. Die drei Clubs wurden vom Deutschen Fußball-Bund am Montag zu einer zeitnahen schriftlichen Stellungnahme aufgefordert.

Hopp war am Freitagabend beim 1:1 von 1899 Hoffenheim in Köln mit Sprechchören und Plakaten beleidigt worden. Die Kraichgauer wollen sich nicht mit den üblichen Mechanismen zufriedengeben: Sie forderten den DFB nachdrücklich zum Handeln auf. Der Tabellenvierte ließ ein entsprechendes Schriftstück von Anwalt Christoph Schickhardt aufsetzen, wie der Club bestätigte. «Wir erwarten, dass Recht und Gesetz durchgesetzt werden und die Person Dietmar Hopp geschützt wird», sagte TSG-Geschäftsführer Peter Görlich.

Bereits am Samstag hatte sich Hopp selbst schriftlich bei Ligapräsident Reinhard Rauball und DFL-Chef Christian Seifert über die Vorfälle von Köln beklagt. Zudem schrieb der 76-jährige Milliardär eine E-Mail an DFB-Präsident Reinhard Grindel.

FC-Präsident Werner Spinner hat sich bereits für die Vorfälle entschuldigt. «Diese Beleidigungen sind inakzeptabel und sie spiegeln auch nicht die Werte wider, für die der 1. FC Köln steht», sagte er. Hoffenheims Sportchef Alexander Rosen sprach von einer «neuen Dimension des Hasses».

Beim Frankfurter 3:1 gegen den FC Augsburg hatten Zuschauer am Samstag ein Plakat mit der Aufschrift «Für jedes Stadionverbot... Bulle Tod!» aufgehängt. «Bei aller Kritik, die man gegebenenfalls an der Polizei haben kann, aber das ist abgrundtief beschämend», sagte Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann bei bild.de. Nach Angaben der Polizei hat sich der Funktionär inzwischen für die «Entgleisung» entschuldigt. Sie hat sich zudem an die Frankfurter Staatsanwaltschaft gewandt. Gegebenenfalls würden sich strafrechtliche Ermittlungen anschließen.

«Diese doch sehr radikalen Sprüche, das besorgt mich auch», sagt der Sprecher der Fanorganisation «Pro Fans» Sig Zelt. Man solle bei Fan-Vergehen aber «nicht den Fokus auf die Bestrafung legen, sondern man sollte mit den Leuten arbeiten».

Die Partie HSV gegen SV Darmstadt 98 (1:2) war kurz nach dem Anpfiff für gut drei Minuten unterbrochen worden, da über dem Rasen des Volksparkstadions bunte Rauchschwaden hingen. «Wir müssen den Ordnungsdienst noch mehr intensivieren. Es darf uns nicht passieren, dass diese Rauchtöpfe ins Stadion kommen», sagte der HSV-Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen.

Eintracht Frankfurt, die Kölner und der HSV sind wegen Fan-Randale vorbelastet und müssen mit erneuten Strafen vom DFB-Sportgericht rechnen. Derweil hält Fan-Vertreter Grotepaß Strafmaßnahmen wegen Schmähgesängen für übertrieben: «Man darf also noch nicht mal mehr singen, was man will. Da hört es bei mir auf.»

Gleichzeitig räumte Grotepaß ein: «Es gibt mit Sicherheit in den Fanszenen eine gewisse Form der Radikalisierung, die stattfindet.» Das habe aber auch damit zu tun, dass sich der Ärger auf beiden Seiten - also Teile der Fans auf der einen Seite und die Dachverbände DFB und DFL sowie die Polizei auf der anderen Seite - hochschaukele. «Ich denke da eskaliert momentan so ein bisschen auf beiden Seiten das ganze System.» Einige Zuschauer würden ausprobieren: «Wo ist die Schmerzgrenze?»

Grotepaß ist dafür, «dass man mal wieder runterkommt auf den Boden, wo man am Ende vielleicht mal wieder eine gemeinsame Basis hat. Derzeit ist das überhaupt nicht mehr gegeben. Man kann gar nicht mehr miteinander reden.» Er sieht auch eine gewisse Spaltung zwischen den Sitzplatz- und den Stehplatzbereichen mit den Ultras.

@ dpa.de

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