Fußball, Bundesliga

Null Toleranz! Mit aller Härte will die Polizei gegen mögliche Randalierer beim Auftritt der Leipziger in Dortmund vorgehen.

13.10.2017 - 13:32:05

Angst vor Ausschreitungen - Große Anspannung in Dortmund vor Duell mit Leipzig. Ein Skandalspiel wie im Februar soll sich nicht wiederholen. Trotz verstärkter Polizeipräsenz ist die Anspannung groß.

Dortmund - Nur halb so viele Gästefans, aber doppelt so viele Polizisten - das zweite Bundesliga-Gastspiel von RB Leipzig versetzt Dortmund in Alarmbereitschaft.

Skandalöse Vorgänge wie im vergangenen Duell beider Teams am 4. Februar, bei dem ein wütender Mob mit Steinen und Flaschen nach RB-Anhängern warf und auf der Südtribüne diffamierende Spruchbänder entrollt wurden, sollen sich am Samstag (18.30 Uhr) nicht wiederholen. Einsatzleiter Ed Freyhoff kündigte ein hartes Vorgehen gegen mögliche Randalierer an: «Provokationen werden wir im Keim ersticken. Nach wochenlanger Vorbereitung haben wir alle Register gezogen.»

Die Vorkommnisse im Skandalspiel vor gut acht Monaten, von denen selbst Kinder und Frauen betroffen waren, haben Stadt, Polizei und Verein sensibilisiert. So lud Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau zehn RB-Fans, die Opfer der Ausschreitungen geworden waren, zum Spiel in die Revierstadt ein. Diese Geste konnte jedoch nicht verhindern, dass die Leipziger rund 5000 Karten zurückgaben und mit nur 3000 Fans anreisen. Dennoch wurde die Zahl der Sicherheitskräfte verdoppelt.

Dass das Bündnis «Südtribüne Dortmund» zu einem Protestmarsch Richtung Stadion aufrief, um «ein starkes Zeichen gegen den RB-Konzern und sein Verständnis von Fußball» zu setzen, dürfte die Aufgabe zusätzlich erschweren. Gleichwohl ist Hans-Joachim Watzke guter Dinge, dass dem Revierclub weitere unliebsame Schlagzeilen und Strafen diesmal erspart bleiben: «Ich bin verhalten optimistisch, dass wir das ordentlich über die Bühne kriegen. Damals waren einfach deutlich zu wenig Polizisten im Einsatz», sagte der BVB-Geschäftsführer der «Funke Mediengruppe».

Noch immer ist eine Ermittlungskommission der Dortmunder Polizei damit beschäftigt, die Straftaten vom 4. Februar aufzuklären. Die Ermittlungen seien in 168 Strafverfahren gemündet, teilte die Behörde in dieser Woche mit. Dafür seien unter anderem 170 Stunden Videomaterial ausgewertet worden. Über ein eigenes Hinweisportal des Bundeskriminalamtes erhielten die Ermittler 58 Hinweise auf mögliche Täter. Gegen fünf Täter seien Strafbefehle bereits rechtskräftig. Zudem sperrte der DFB als Reaktion auf diverse Hass-Banner 24 500 Zuschauer auf der Südtribüne für das folgende Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg aus.

Angesichts dieser Vorgeschichte rückt der Sport vor dem neuerlichen Kräftemessen der beiden so verschiedenen Fußball-Kulturen in den Hintergrund. Dabei gilt die Partie als echtes Spitzenspiel. Der BVB rangiert nach dem besten Saisonstart seiner Vereinshistorie auf Rang eins, der sechs Punkte schlechtere Tabellenvierte aus Leipzig wittert nach zuletzt zwei Bundesliga-Siegen Morgenluft.

Trotz der großen Personalnöte in der Defensive, in der gleich vier Außenverteidiger fehlen, gab sich BVB-Coach Peter Bosz zuversichtlich: «Das ist nicht einfach. Wenn wir Verletzte haben, sind das Außenverteidiger. Aber wir werden das schaffen.»

Die Leipziger können auf einen Einsatz von Nationalspieler Timo Werner hoffen. «Entgegen anders lautenden Meldungen entscheide ich, ob er im Kader sein wird oder nicht. Und ich kann versichern, dass er im Kader sein wird», kommentierte Trainer Ralph Hasenhüttl. Werner musste zuletzt wegen einer Blockade der Halswirbelsäulen-Muskulatur sowie des Kiefergelenks pausieren und war am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Fehlen wird wahrscheinlich Verteidiger Lukas Klostermann (Oberschenkelprobleme). Auch der andere Abwehrspieler Stefan Ilsanker (Zehenbruch) ist fraglich.

Ein starker Auftritt seiner Mannschaft könnte nach Einschätzung von Bosz dazu beitragen, dass diesmal nicht wieder mehr über Gewalt geredet wird: «Ich hoffe, dass es ruhig und friedlich bleibt. Was wir machen können ist, dass wir guten Fußball zeigen und alle Fans nur auf das Spielfeld gucken.»

@ dpa.de

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