Fußball, Bundesliga

Die Schonfrist von Peter Bosz scheint abgelaufen.

10.12.2017 - 09:29:24

Nach Heimpleite - Beratungen bis spät am Abend: Bosz beim BVB vor dem Aus. Nach dem 1:2 gegen Bremen gab es beim Revierclub eine lange Krisensitzung. Gut möglich, dass schon am heutigen Sonntag ein Nachfolger präsentiert wird.

Dortmund - Noch lange am Abend brannten in der Geschäftsstelle von Borussia Dortmund die Lichter. Im Anschluss an den jüngsten spielerischen Offenbarungseid der Mannschaft beim 1:2 (0:1) gegen Werder Bremen war der Gesprächsbedarf groß.

Die stundenlange Zusammenkunft der Vereinsbosse mit dem Spielerrat, die erst um 22.30 Uhr endete, wurde als Indiz für die bevorstehende Trennung von Peter Bosz gewertet. Schon gab es erste Meldungen vom Ende der Zusammenarbeit zwischen dem niederländischen Fußball-Lehrer und dem kriselnden Revierclub. Eine Bestätigung von Vereinsseite gab es dafür zunächst jedoch nicht, sie wird aber im Laufe des Sonntags erwartet. Am heutigen Sonntag um 12.00 Uhr wird der BVB auf einer Pressekonferenz über die weitere Entwicklung informieren.

Angesichts der anhaltenden Talfahrt scheint die Scheidung unvermeidbar. Die erneut blutleere Leistung der Profis gegen Bremen dürfte alle Beteiligten in ihrem Vorhaben bestärkt haben, einen Schlussstrich zu ziehen. Auch der dichte Terminkalender mit der nun folgenden Englischen Woche in der Bundesliga und dem noch vor Weihnachten anstehenden Pokal-Hit beim FC Bayern scheint kein Hinderungsgrund mehr zu sein. Dafür erscheint der Handlungsbedarf zu groß.

Selbst Kapitän Marcel Schmelzer verzichtete nach dem Schlusspfiff auf diplomatische Erklärungen: «Dieser Auftritt war eine absolute Frechheit, der Wahnsinn», klagte der Abwehrspieler, «wir wollten die Wende schaffen, und dann treten wir so auf. Ich kann mir so eine Leistung nicht erklären. Das war kacke, eine Frechheit von uns Spielern.» Ähnlich schonungslos kommentierte Regisseur Nuri Sahin den neuerlichen Rückschlag: «Wir haben absolut versagt.»

Selbst in der desaströsen Hinrunde der Saison 2014/2015, als der BVB auf einem Abstiegsplatz überwinterte und wenige Monate später den Rückzug von Trainer Jürgen Klopp verkündete, gab es keine acht Bundesligaspiele in Serie ohne Sieg. Zuletzt war das vor fast 18 Jahren unter Bernd Krauss und Udo Lattek der Fall.

Erneut entpuppten sich alle Vorsätze, für eine Trendwende sorgen zu wollen, als Wunschdenken. Nach zwei passablen Auftritten gegen Leverkusen (1:1) und Real Madrid (2:3) war der BVB vom Niveau einer Spitzenmannschaft abermals Lichtjahre entfernt. Die Bremer Torschützen Maximilian Eggestein (26.) und Theodor Gebre Selassie (65.) besiegelten die bereits fünfte Saisonniederlage.

Auf die vielen Fragen nach seiner Zukunft reagierte Bosz gewohnt stoisch. Und doch dürfte er schon unmittelbar nach dem Schlusspfiff geahnt haben, dass seine bereits am 25. November im Anschluss an das denkwürdige 4:4 im Revierderby gegen den FC Schalke 04 eingeräumte Schonfrist abzulaufen droht. Selbstkritisch stellte er fest: «So eine schlechte Halbzeit habe ich noch nicht erlebt, seit ich hier Trainer bin. Und ich bin der Verantwortliche dafür.» Es spricht für die Charakterstärke des 54-Jährigen, dass er seine Profis trotz ihrer indiskutablen Leistung in Schutz nahm: «Ich fühle mich nicht von der Mannschaft im Stich gelassen.»

Wie positiv sich ein Trainerwechsel auswirken kann, wurde den Dortmundern von den Bremern vor Augen geführt. Der erste Auswärtssieg der Norddeutschen in dieser Saison war eine weitere Bestätigung für die Ende Oktober getroffene Entscheidung, auf Trainer Florian Kohfeldt als Nachfolger von Alexander Nouri zu setzen. «Wir sind trotz einiger Rückschläge zurückgekommen und haben über 90 Minuten sehr gut verteidigt», kommentierte Kohfeldt den Coup beim Favoriten.

Getrübt wurde seine Freude allerdings durch die Verletzung von Fin Bartels. Der Offensivspieler wurde mit Verdacht auf einen Riss der Achillessehne ausgewechselt. «Das wäre sehr bitter für uns. Wir hoffen, dass sich dieser Verdacht nicht bestätigt», sagte der Bremer Coach.

@ dpa.de

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