Eishockey, Deutschland Cup

Beim Deutschland Cup sichtete Bundestrainer Marco Sturm sein Personal für die erste Olympia-Teilnahme des deutschen Eishockey-Nationalteams seit 2010.

12.11.2017 - 19:08:06

Deutschland Cup - Eishockey-Team besiegt USA bei Olympia-Test. Seine Alternativen für Pyeongchang scheinen gering. Erst im letzten Auftritt wusste der Gastgeber in Augsburg zu überzeugen.

Augsburg - Nach zwei Niederlagen hat das deutsche Eishockey-Nationalteam beim Olympia-Test einen versöhnlichen Abschluss gefeiert.

Der ersatzgeschwächte Gastgeber fertigte beim Deutschland Cup die überraschend schwache USA mit 5:1 (1:0, 3:1, 1:0) ab und beendete die Casting-Runde auf dem Weg zu den Winterspielen mit dem dritten Platz. Aus der besten Turnier-Leistung in Augsburg und dank eines überzeugenden Torhüters Danny aus den Birken konnten die Deutschen drei Monate vor Olympia Mut schöpfen. Der Erfolg sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bundestrainer Marco Sturm für Südkorea kaum Auswahl hat.

«Man hat gesehen, dass es nicht ausreicht, wenn wir nicht komplett sind», bilanzierte DEB-Präsident Franz Reindl, nachdem er der B-Mannschaft von Rekordweltmeister Russland schon vor dem letzten Auftritt des Gastgebers den Siegerpokal überreicht hatte.

Nach dem 2:8-Debakel gegen die Russen und dem 0:3 gegen die Slowakei hatte das Team des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB) gegen die mit reichlich NHL-Erfahrung gespickte US-Auswahl unerwartet keine Probleme. Frank Mauer ließ die meisten der 5310 Zuschauer schon früh jubeln (4. Minute). Brent Raedeke (24.) und Brooks Macek (33.) sorgten mit ihren Treffern für die frühe Vorentscheidung, als die Deutschen den Kontrahenten auch ohne einige Leistungsträger teils überrumpelten. Thomas Holzmann (34.) erhöhte gar zum 4:0. Das Tor von Broc Little (38.) war lediglich Ergebniskosmetik aus Sicht der Amerikaner. Yannic Seidenberg (58.) traf zum Endstand ins verwaiste Tor.

«Erkenntnisse sind wichtiger als Ergebnisse», sagte Sturm zur Relevanz der letzten Länderspiele vor der Nominierung für Pyeongchang Mitte Januar. Wie viele Profis ihre Reise zu den Spielen vom 9. bis 25. Februar bereits sicher haben, verriet er nicht. «Sicher haben gewisse Spieler ein großes Plus. Aber es gibt genügend Plätze, die noch frei sind. Es kommt auf die Spieler an», behauptete Sturm.

Kaum mehr als ein halbes Dutzend Olympia-Tickets dürften offen sein. Ohne die Teilnahme der NHL-Profis und nach so manchem Rücktritt aus dem Nationalteam scheinen anders als bei den beiden Weltmeisterschaften unter Sturm die Alternativen gering. «Wir haben in Deutschland leider nicht genug», sagte Stürmer Marcus Kink.

Elf Profis aus dem Augsburg-Aufgebot standen auch bei der Heim-WM auf dem Eis. Mit Verteidiger Sinan Akdag, der bei der WM dabei war, aber nicht auflief, sind es zwölf. Sie müssen nach den Auftritten im Curt-Frenzel-Stadion wohl nicht mehr um ihren Platz im 25-Mann-Kader für Olympia zittern als vorher. Ebenso wie das normal gesetzte Personal, das aus verschiedenen Gründen fehlte. Damit kämen sieben hinzu, darunter die Leitwölfe Marcel Goc und Christian Ehrhoff.

Auch im Liga-Alltag könne man sich aufdrängen, sagte Sturm: «Es hat vielleicht der eine oder andere noch nicht die gewohnte Form, aber das kann noch kommen. Von daher ist noch alles möglich.» Generell sei die Entwicklung unter dem deutschen NHL-Rekordspieler sehr positiv, betonte Verteidiger Moritz Müller: Zwei Niederlagen beim Deutschland Cup «können dem Ganzen nichts anhaben.»

In den Olympia-Gruppenspielen gegen Finnland, Schweden und Norwegen darf sich das Nationalteam keine Schwächen wie in den ersten beiden Partien von Augsburg erlauben. Anders als bei seinen bisherigen Turnieren kann sich Sturm in Südkorea nicht auf die NHL-Profis verlassen, weil die stärkste Liga der Welt ihren Spielbetrieb nicht unterbricht. Beim Erreichen der WM-Viertelfinals 2016 und 2017 waren etwa Torhüter Thomas Greiss, Dennis Seidenberg und Leon Draisaitl Erfolgsgaranten. «So schade das ist, und so weh es tut, es eröffnet anderen eine Möglichkeit», meinte DEB-Präsident Franz Reindl.

@ dpa.de

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