Hintergrund ist die auslaufende Betriebsgenehmigung des ältesten noch produzierenden Atomkraftwerks in der Republik. Ein genereller Beschluss der Bundesregierung über die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke werde erst für Herbst erwartet und könnte für Biblis Absatz zu spät kommen. Ohne die Übertragung der "Fremdlaufzeiten" müsste der RWE-Meiler möglicherweise in den nächsten Monaten vom Netz gehen, hieß es.

Die SPD-Fraktion im hessischen Landtag kritisierte den Vorstoß: "RWE sucht immer wieder nach Wegen, um den Atomkonsens zu umgehen und die Laufzeiten des störanfälligen Atommeilers verlängern. Aber Irrweg bleibt Irrweg", erklärte der Abgeordnete Norbert Schmitt am Sonntag in Wiesbaden. Er erinnerte an den früheren Versuch von RWE, Reststrommengen von Mülheim-Kärlich auf Biblis zu übertragen, was vom Bundesumweltminister verhindert worden sei.

Der Block A läuft derzeit ohnehin nur mit halber Kraft, um die genehmigte Restmenge nicht vorschnell zu erreichen, wie RWE bereits früher bestätigt hat. Biblis A war erst im März nach einjähriger Pause wieder in Betrieb gegangen. In dem Jahr waren Brennstäbe ausgewechselt und die Sicherheit verbessert worden. Biblis A ist seit 1974 am Netz. Der zwei Jahre jüngere Block Biblis Branchen soll dagegen weiterhin mit normaler Leistung Strom produzieren.

HAMBURG/BIBLIS (dpa-AFX)