Sonderausstellung über Bausoldaten in der DDR: Nur wenig erinnert in Prora noch an das Leben der Spatensoldaten. Im Block V, in dem von 1982 bis 1989 Hunderte Wehrdienstverweigerer in vier Baukompanien der Nationalen Volksarmee untergebracht waren, haben die Arbeiten zum Umbau in eine Jugendherberge begonnen. Auf dem ehemaligen Exerzierplatz schlagen im Sommer junge Leute ihre Zelte auf.
Vergrößern Sonderausstellung über Bausoldaten in der DDR | Bild: ©

Die Obergeschosse mit den Nachtquartieren der für den Bau des Fährhafens Mukran abkommandierten Bausoldaten sind entkernt. Der frühere Clubraum, an dessen Wand Soldaten in ihrer knapp bemessenen Freizeit eine bunte Rügenkarte malten, ist zur Bestandssicherung zugemauert. Nur im Erdgeschoss vermittelt seit Samstag eine kleine Sonderausstellung Einblicke in das Leben und den harten Dienst der Bausoldaten in der DDR.

An historischem Ort dokumentiere die Ausstellung «Graben für den Frieden» das Schicksal von Wehrdienstverweigerern, die nach 1945 keine Waffe mehr tragen wollten, sagt Susanna Misgajski vom Prora-Zentrum. Die Schautafeln des Archivs der Bürgerbewegung Leipzig schlagen einen Zeitbogen von der Einführung der Wehrpflicht in der DDR im Jahre 1962 bis zur Auflösung der Baubataillone nach der Wende. Präsentiert werden lange Zeit geheim gehaltene Dokumente wie der Befehl 108/61 des damaligen DDR-Verteidigungsministers Heinz Hoffmann zur Bildung von Arbeitsbataillonen sowie persönliche Anträge, in denen Betroffene den Waffendienst und Fahneneid ablehnten.

Die im Warschauer Pakt lange Zeit einzige Möglichkeit, seinen Wehrersatzdienst als Bausoldat zu absolvieren, sei offiziell weitgehend verschwiegen worden, sagt Misgajski. Nur wenige Presseveröffentlichungen, die ebenfalls in Prora gezeigt würden, widmeten sich seinerzeit den ins gesellschaftliche Abseits gestellten Soldaten. Vollkommen verschwiegen wurde das Schicksal der etwa 6000 Totalverweigerer, unter ihnen viele Zeugen Jehovas, die für bis zu zwei Jahre in Haftanstalten kamen und zum Beispiel in Tongruben von Ziegeleien arbeiten mussten.

Vorgestellt werden die Einsatzfelder der Spatensoldaten, die zunächst vor allem im Straßen- und Verkehrsbau, in der chemischen Industrie, im Braunkohletagebau, beim Bau militärischer Anlagen sowie zur Beseitigung von Übungsschäden unter körperlich besonders harten Bedingungen arbeiteten. So waren sie beim Bau des Fähranlegers in Mukran in Unterwasserglocken extremen Belastungen ausgesetzt. Gegen Ende der DDR wurden die Bausoldaten vorrangig in besonders maroden Betrieben der kränkelnden Volkswirtschaft eingesetzt.

Ein Abschnitt zum Leben in der Kaserne zeigt, wie die Soldaten, die verschiedenen Religionen angehörten, gemeinsame Buchlesungen, Gottesdienste auf Stuben und Blues-Abende organisierten und sich in ihrer Freizeit mit künstlerischen Projekten und Tagebuchaufzeichnungen beschäftigten. Auch die Überwachung durch die Stasi wird dokumentiert.

Mit den Massenprotesten im Herbst 1989 hätten auch die Forderungen nach einem zivilen Ersatzdienst mehr Gehör gefunden, sagte Misgajski. Im Mai 1990 hätten 53 000 ostdeutsche Wehrpflichtige ihre Bereitschaft zum Zivildienst erklärt. Zur Ironie der Geschichte gehörte, dass ausgerechnet Rainer Eppelmann, der einst Bausoldat in Stralsund war, der letzte Verteidigungsminister der DDR wurde und ehemalige NVA-Generale aus dem aktiven Wehrdienst entließ.

ddp