Hannover (dapd-nrd). Die iranische Regisseurin Mina Salehpour bringt das Stück der in London lebenden Autorin Atiha Sen Gupta am Sonntag (6. November) auf die Bühne des Jungen Schauspielhauses in Hannover.
Der erste Eindruck täusche gewaltig, sagt Schauspieler Ali Berber, der im Stück Fatimas Bruder Mohamed spielt. 'Das Stück wendet sich gerade gegen das Klischee der nicht assimilierten Türken, die ihre Töchter in ein antiquiertes Rollenverständnis pressen', sagt er. Die westlich erzogene Fatima aus dem Stück sei vielleicht ein 'wenig zu oft auf ihren orientalischen Hintergrund angesprochen' worden und habe gerade aus Trotz gegenüber ihren liberalen Eltern und ihrem Umfeld diese Form der Abgrenzung gewählt.
'So wie deutsche Jugendliche eben Punks werden', sagt Berber, der weiß wie es ist, auf sein Äußeres reduziert zu werden. Obwohl seine Familie seit über dreißig Jahren in Deutschland lebt, seien seine ersten Rollenangebote fast alle 'in der türkischen Ecke' angesiedelt.
Auch Dramaturgin Vivica Bocks glaubt, dass das Stück gerade deshalb interessant ist, 'weil man mit seinen herkömmlichen Vorurteilen nicht mehr klarkommt' - eben weil Fatima sich ohne Zwang zum Tragen des Kopftuches entschlossen habe. Und gerade das löse bei ihren Freunden große Hilflosigkeit aus, 'weil sie sich einfach nicht vorstellen können, dass jemand das freiwillig macht'.
In humorvollen, an Comedy erinnernden Dialogen fallen Fatimas Freunde schließlich übereinander her, verteidigen ihre Position und verheddern sich in ihren Argumenten. Fatimas Freund hingegen kämpft um seine Beziehung.
Das Theaterstück könne laut Bocks auch beim Publikum 'das genaue Hinsehen fördern' anstatt das Kopftuch pauschal als 'Symbol rückwärtsgewandter weiblicher Unterdrückung' zu verurteilen. Sie hofft, dass auch junge Menschen angesprochen werden, die sonst nicht unbedingt ins Schauspielhaus gehen.
Regisseurin Mina Salehpour möchte ihr Stück nicht auf das Kopftuch reduziert wissen. Es gehe vielmehr um eine Geschichte über zerbrechende Freundschaft. 'Wir spielen das Stück auf dem Set einer Soap-Opera mit offenen Schminktischen, Buffet und Maske, weil ich bewusst vermeiden will, dass sich alles auf die Kopftuchproblematik reduziert', sagt die gebürtige Iranerin, die 1996 mit ihren Eltern als politischer Flüchtling nach Deutschland gekommen ist.
Sie sei 'nicht damit beauftragt worden ein Stück zu machen, dass die deutsche Bildungsbürgeröffentlichkeit aufklärt über das Kopftuch', wehrt sie sich gegen die nicht enden wollende Debatte. Und hat doch zu Beginn der Probenzeit den Selbstversuch gemacht, von einem Tag auf den anderen in Hannover ein Kopftuch zu tragen. Sie sei anders oder sogar überhaupt nicht angesehen worden. 'Ich war meiner ganzen weiblichen Waffen beraubt', erzählt Salehpour, die den Versuch nach nur anderthalb Tagen abbrach.
Die Premiere von Fatima findet am Sonntag (6. November) um 19.30 Uhr am Jungen Schauspiel Hannover im Ballhof Zwei statt. Weitere Vorstellungen sind noch bis 13. Dezember geplant.
dapd


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