Dortmund/Gelsenkirchen (dapd-nrw).
Die Gewürzmanufaktur ist ein sogenanntes Integrationsunternehmen, in dem Menschen mit Handicap gleichberechtigt neben Nichtbehinderten arbeiten. Immer mehr solcher Betriebe werden in Nordrhein-Westfalen gegründet, in den vergangenen drei Jahren hat sich deren Zahl auf über 200 fast verdoppelt. Knapp 2.400 Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung arbeiten so inzwischen auf dem ersten Arbeitsmarkt.
Menschen mit Behinderung würden ausgegrenzt und in den speziellen Werkstätten beschäftigt; im Vergleich dazu seien die Kosten in einem Integrationsunternehmen um die Hälfte niedriger, erklärt Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).
Das Land gewährt Firmen Darlehen und Gelder, um etwa Arbeitsplätze behindertengerecht um- oder neu zu gestalten. Außerdem gibt es Lohnzuschüsse für die Angestellten. 60 Millionen Euro aus den Ausgleichsgeldern stehen dafür zur Verfügung - dieses Geld wird von Unternehmen gezahlt, die weniger als fünf Prozent Behinderte beschäftigen.
Die Gelder sollen die Nachteile der Unternehmen ausgleichen, die Behinderte beschäftigen. Viele brauchten spezielle Schreibtische oder Maschinen, Mitarbeiter mit Behinderung schafften oft nur etwa ein Drittel des Arbeitspensums eines Nichtbehinderten, sagt Manfred Trinkert, Geschäftsführer des Integrationsbetriebes Zeche Germania in Dortmund. Sein Unternehmen beschäftigt 45 Menschen - 28 davon mit Behinderungen - die vor allem alte Haushaltsgeräte zerlegen, sortieren, verwerten und entsorgen.
Konstantin Steiger arbeitet seit zehn Jahren in dem Verwertungsbetrieb, 'meine Spezialität sind Bildschirme', sagt der 52-Jährige. Er habe zwei neue Hüftgelenke eingesetzt bekommen, seitdem ist er auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum mehr vermittelbar, wie er meint. 'Schwer heben ist nicht mehr, da findet jemand wie ich hier keinen Job', erklärt Steiger. Er ist froh, an seinem Arbeitsplatz wieder ernst genommen zu werden, wie er sagt.
30.000 Menschen arbeiten allein in Westfalen-Lippe in Behinderten-Werkstätten. Sie bieten einen eigenen Fahrservice, einen sicheren Arbeitsplatz und sichere Renten. 'In einem Integrationsbetrieb ist man hingegen normalen Marktverhältnissen ausgesetzt', erklärt LWL-Direktor Kirsch. Das Unternehmen könne in Insolvenz gehen, Arbeitsplätze abgebaut werden. Viele Menschen mit Behinderung scheuten daher den Schritt in diese Unternehmen.
'So viel Normalität wie möglich' sollen die Integrationsbetriebe schaffen, sagt Kirsch. Menschen mit Behinderungen wollen ernst genommen werden, und sie sollten es auch, erklärt er weiter. Innerhalb der Belegschaften gebe es nach kurzer Zeit meist überhaupt keine Vorbehalte. Auch Sandy-Stefanie Sommer freut sich über diesen Ansatz: 'Ich habe hier alle ins Herz geschlossen, ich fühle mich wie neu geboren'.
dapd


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