Halle (dapd-lsa). Die Handpuppe mimt nun die Seeräuber-Jenny aus der Dreigroschenoper. Das Puppenspiel ist eines von zehn Kurzprogrammen, die bei der 1. Theater-Theken-Nacht in Halle in der Nacht zum Sonntag uraufgeführt wurden.
25 Künstler vom Ensemble des Neuen Theaters nt sowie die Puppenspielerin König tourten durch zehn verschiedene Lokale. Die Kneipen, Bars und Restaurants waren bis auf den letzten Stuhl besetzt. Mancherorts fanden Zuschauer nur noch einen Stehplatz im dichten Gedränge. Die Veranstaltung sei komplett ausverkauft gewesen, sagte Matthias Brenner, Intendant des Neuen Theaters.
Während in der einen Kneipe die Puppen tanzten, schlüpften in einer anderen Schauspieler in die Rollen von Amy Winehouse und William Shakespeare, um gemeinsam zu musizieren. In einem anderen Lokal unterhielten eine Angela-Merkel-Parodie gemeinsam mit Karl Marx die Gäste. Die Bandbreite der Programme reichte von Satire über Musikeinlage bis hin zur Comedy. Jede Aufführung dauerte zehn Minuten. Nach einem festen Zeitplan rotierten die Künstler von einem Auftrittsort zum nächsten.
'Das ist wie zehn Premieren hinter einander haben', sagte Puppenspielerin König. Jeder Raum, jedes Publikum sei anders. So nah zwischen trinkenden und essenden Restaurantbesuchern ihre Kunst darzubieten, sei nicht merkwürdig, allerdings sei die räumliche Nähe zum Publikum 'auf jeden Fall anders' im Vergleich zu einer normalen Vorstellung auf der Bühne.
Malte Georgie, Inhaber der Bluesbar 'Mojo' zeigte sich verblüfft, wie reibungslos pünktlich die einzelnen Programme nacheinander aufgeführt wurden, auch angesichts des Wetters. Überrascht sei er auch vom Interesse der Hallenser am Theater-Event. 'Wir mussten Besuchern Asyl gewähren, die trotz Karte in andere Lokale nicht mehr reingelassen wurden wegen Überfüllung.' Die Veranstaltung 'schreie nach einer Wiederholung', sagte er. Die werde es geben, verspricht indes Intendant Brenner.
Vorbild für die Veranstaltung war die Thekennacht vom Staatstheater Schwerin. Dort laufe das Projekt seit zehn Jahren und sei bereits Kult, berichtete nt-Chefdramaturgin Henriette Hörnigk, die selbst am Schweriner Staatstheater mehrere Jahre beschäftigt war. 'Das Konzept passt auch wunderbar zu Halle mit der schönen Kneipenkultur.' Es gehe dabei auch um Eigenwerbung, nicht im kommerziellen, sondern im künstlerischen Sinne, sagte Intendant Brenner. Die Theken-Nacht solle vielmehr 'eine Hommage an das Publikum' sein.
Das Ehepaar Michael zeigte sich begeistert. Am Tresen in 'Strieses Biertunnel' verfolgten sie die unterschiedlichen Darbietungen. 'Die Atmosphäre ist sehr gut, ungezwungen und es macht einfach Spaß, zu zusehen', sagte Jörg Michael. Zuschauer Knud Franz fügte hinzu: 'Es ist gut, dass sich das Theater nach außen öffnet.' Dies sei 'dringend notwendig', denn Kultur und Theater könnten sich viele Leute nicht mehr leisten. Franz sagte: 'Außerdem ist es selten so voll in meiner Lieblingskneipe.'
dapd


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