Siemens streicht 4200 Jobs in der IT-Sparte: München (dpa) - Arbeitnehmervertreter haben mit scharfer Kritik auf den geplanten Abbau tausender Stellen beim Siemens-IT-Dienstleister SIS reagiert. Gesamtbetriebsrat und IG Metall lehnten das Konzept entschieden ab, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung vom Donnerstag.
Vergrößern Siemens streicht 4200 Jobs in der IT-Sparte | Bild: ©

Weiterhin gebe es kein tragfähiges wirtschaftliches Konzept für SIS. «Zudem befürchten wir, dass die aktuellen Pläne nur die jahrelange Abfolge von Restrukturierungen fortsetzen, die vor allem aus Kostensenkungen bestehen.»

Siemens hatte zuvor Details zu der geplanten Neuausrichtung der Sparte bekanntgegeben, die mit dem Abbau von weltweit 4200 Arbeitsplätzen einhergehen soll, davon rund 2000 in Deutschland. Nach der Eingliederung der Sparte unter dem früheren Siemens-Chef Klaus Kleinfeld soll SIS in diesem Sommer wieder ausgegliedert und rechtlich verselbstständigt werden. Zum Beginn des neuen Geschäftsjahres 2010/11 (30. September) soll die Sparte dann ein komplett eigenständiges Unternehmen sein.

Bis 2012 plant Siemens zudem Investitionen von mehr als 500 Millionen Euro, um das Geschäft von SIS auszubauen und wettbewerbsfähig zu machen. Die bisher sieben Geschäftseinheiten der Sparte sollen im Zuge des Umbaus in zwei Säulen zusammengefasst werden, nämlich in das IT-Outsourcing- und das Lösungsgeschäft. "Wir wollen SIS auf ein langfristig solides Fundament stellen", erklärte der Interimschef der Sparte, Christian Oecking, laut Mitteilung.

«Die ungeklärte Zukunft von über 2000 Beschäftigten, die nicht in die künftige SIS wechseln, ist für uns nicht hinnehmbar», erklärte Siemens-Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler. «Diese Arbeitsplätze einfach abzuwickeln wird der Verantwortung von Siemens für überwiegend langjährige Mitarbeiter in keiner Weise gerecht.»

Dieter Scheitor von der IG Metall, der auch Siemens- Aufsichtsratsmitglied ist, kritisierte, die Beschäftigten leisteten seit Jahren ihren Beitrag zur Kosteneffizienz der Sparte. «Trotzdem hat es weder grundlegende Veränderungen im Management noch ein tragfähiges Konzept gegeben. Den Versuch, diese Versäumnisse mit einer neuen Sparrunde zu kompensieren, lehnen wir ab.»

Beschäftigte der Sparte fürchten seit Monaten harte Einschnitte und hatten daher in den vergangenen Monaten immer wieder protestiert. Derzeit hat SIS weltweit rund 35.000 Beschäftigte, davon etwa 9700 in Deutschland.