«Sie müssen das Thema in die Gemeinden hineintragen»: Islam-Experte: Imame setzen sich zu wenig für «Ehrengewalt»-Opfer ein
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Bingen (ddp-rps). Der Islamexperte des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamtes, Marwan Abou Taam, fordert die muslimischen Geistlichen in Deutschland auf, sich energischer gegen sogenannte Ehrengewalt einzusetzen. «Sie müssen das Thema in die Gemeinden hineintragen», sagte Abou Taam in einem ddp-Gespräch am Rande einer Fachtagung am Dienstag in Bingen. Er kritisierte, dass die Geistlichen «nur selten ihre Autorität zugunsten der Frauen einsetzen». Dabei werde Gewalt im Namen einer vermeintlichen Ehre in den Herkunftsländern selbst von solchen Geistlichen unter Hinweis auf den Koran abgelehnt, die nach westlichen Maßstäben als fundamentalistisch eingestuft würden.

In Deutschland sei seit den 90er Jahren eine Zunahme von «Verbrechen im Namen der Ehre» festzustellen, erläuterte Abou Taam. «In den 70er und 80er Jahren war das kaum ein Problem», sagte Islamexperte des LKA. Diese Entwicklung stehe im Gegensatz zum Trend in vielen Herkunftsländern der Migranten. «Manche Stadtteile in Berlin sind traditioneller als Istanbul», betonte er. In den deutschen Vorstädten sei eine «Rekonstruktion des Patriarchats« festzustellen.

Abou Taam sprach am Dienstag als Referent auf einer Fachtagung des Innenministeriums in Bingen. Die Veranstaltung mit 150 Teilnehmern hatte sich zum Ziel gesetzt, «den begonnenen Dialog zwischen muslimischen Organisationen, Kommunen und Sicherheitsbehörden in Rheinland-Pfalz fortzuführen und zu vertiefen».

(ddp)