Wiesbaden (dapd-rps). Doch Alex Kabbasch geht es anders. Für ihn sind die haarigen und giftigen Achtbeiner eine Passion. Deswegen hat sich der 42-Jährige vor einem Jahr selbstständig gemacht und seinen Laden wirbellos.com gegründet, im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim.
Zwar sind alle Vogelspinnen giftig, doch die weitverbreitete Angst vor einem tödlichen Biss ist trotzdem unbegründet, weiß der Fachmann - Allergiker natürlich ausgenommen. Doch nicht nur ihr Gift ist schwach, sondern auch ihre Angriffslust: 'Es sind sehr sensible Tiere. Sie greifen nur an, wenn sie sich bedroht fühlen', berichtet Kabbasch. Deswegen hat der ehemalige Rettungsassistent auch keine Angst, wenn eine rote Chile-Vogelspinne seinen Arm entlang krabbelt. 'Es ist ein tolles Gefühl, diese weichen Beine auf der Haut zu spüren', schwärmt er.
Obwohl Kabbasch selbst die Nähe zu seinen Spinnen sucht, warnt er seine Kunden: 'Vogelspinnen sind immer noch Wildtiere, keine Kuscheltiere.' Als solche leben sie ursprünglich in tropischen Regionen in Südamerika, Afrika und Asien. Sie ernähren sich hauptsächlich von Insekten wie Grillen oder Heuschrecken, fressen aber auch kleine Wirbeltiere wie Mäuse oder Eidechsen.
Von diesen Essgewohnheiten kommt auch der Name: Die Naturforscherin Maria Sibylla Merian zeigt in einer Abbildung aus dem Jahre 1705 eine Vogelspinne, die einen Kolibri verspeist. Der Körper einer Vogelspinne kann bis zu 13 Zentimeter lang werden. Mit Beinen sind manche der Tiere so groß wie ein Essteller. Insgesamt gibt es etwa 900 verschiedene Arten.
Kabbasch fasziniert an diesen Tieren, die bei vielen anderen Menschen Ekel hervorrufen, vor allem ihr Charakter: 'Vogelspinnen sind so unterschiedlich. Manche sind richtige Fressmonster, die beim Fressen sabbern. Andere sind echte Ästheten. Sie bauen sich aus ihrer Spinnseide einen richtigen Teller für ihre Beute.' Die Leidenschaft für die Achtbeiner teilt Kabbasch mit immer mehr Menschen.
'Das Spannendste ist, sie bei der Jagd zu beobachten. Wenn sie sich langsam an ihre Beute heranpirschen', findet Eva-Maria Ohler, deren Spinnen-Faible sich schon an ihrem Brillenbügel mit Spinnennetzmotiv ablesen lässt. Die 53-jährige Hausfrau hat ihre Vogelspinnenvorliebe vor einem Jahr auf einer Reptilienausstellung entdeckt. Mittlerweile hat sie sich neun Vogelspinnen zugelegt.
Auch André Hildebrand gehört seit zwei Jahren zu den Spinnen-Sammlern. 'Vogelspinnen haben schon einen gewissen Suchtfaktor. Wenn man einmal damit anfängt, will man immer mehr', erzählt der 23-Jährige.
In seinem Laden verkauft Kabbasch mehr als 60 verschiedene Vogelspinnen-Arten. 'Mein Liebling ist die Rotknievogelspinne, deren schwarze Beine in der Mitte orange-rot leuchten', erzählt er. Neben Spinnen verkauft er Skorpione, Tausendfüßler und Futtertiere wie Grillen. Sein Angebot kommt beim wachsenden Kundenstamm gut an. Und ahnlich wie die Spinnen könnten seine Kunden unterschiedlicher kaum sein. Bei ihm kaufen Studenten ebenso wie Anwälte und Polizisten ein. Sein ältester Kunde ist ein 82 Jahre alter Arzt.
'Ich verkaufe nicht an jeden, sondern nur an Personen, die ich für verantwortungsvoll halte', sagt der Geschäftsmann. Wegen dieser Überzeugung bietet er auch keine importierten, sondern nur gezüchtete Tiere an. Der Preis für eine Vogelspinne variiert zwischen 3 und 300 Euro, je nach Alter und Seltenheit.
In einem Jahr hat Kabbasch mehr als 1.000 Vogelspinnen an gut 200 Kunden verkauft. Sein Verhältnis zu seinen Vogelspinnen bezeichnet er selbst als 'Liebe und auch ein bisschen Bessenheit'. Und Liebe macht bekanntlich blind. So wundert es nicht, dass Kabbasch seine Tiere 'Süße' oder 'Schöne' nennt. Viele andere dagegen bleiben den haarigen Achtbeinern spinnefeind.
dapd


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