Seilbahn - Beschwerlicher Weg zum Gipfel: Das Bild von der Seilbahn hat sich wie ein roter Faden durch die Verhandlungen auf der Klimakonferenz in Kopenhagen gezogen: Der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, verglich den Weg zu einem gemeinsamen Klimaabkommen mehrfach mit einer Bergbesteigung, deren letzter Teil eigentlich bequem mit der Seilbahn zurückgelegt
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werden sollte. Doch der Weg zum Gipfel erwies sich als schwieriger als gedacht, mehrfach kam die Seilbahn unerwartet zum Stehen. Bis zum letzten Tag rangen die 193 anwesenden Staaten um eine gemeinsame Vereinbarung. Eines stand am Freitagabend fest: Ein rechtlich verbindliches Abkommen wird es in Kopenhagen nicht mehr geben.

Vor zwei Jahren verständigten sich die Unterhändler in Bali darauf, die Verhandlungen über ein Kyoto-Nachfolgeabkommen sowie über konkrete Verpflichtungen aller Staaten im Rahmen der Klimarahmenkonvention in Kopenhagen abzuschließen. Die Hoffnungen auf ein rechtsverbindliches Abkommen schwanden jedoch schon vor Beginn der Kopenhagener Konferenz. Am Ende war sogar nur noch die Rede von einer politischen Vereinbarung, die die wichtigsten Punkte umfassen und den Überbau für die beiden Verhandlungsstränge zu Kyoto und der Klimarahmenkonvention bilden sollte.

Der Schlüssel für den Erfolg lag vor allem in den Händen der USA und China. Die beiden Riesen sind die beiden größten Treibhausgasemittenten, gemeinsam sind sie für 40 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Die EU wird nicht müde zu betonen, dass sich beide großen Player bewegen müssten, und auch de Boer konstatierte: Wenn China und die USA voneinander verlangten, mehr zu tun, müssten einfach beide nachlegen.

Einen ersten Schritt vorwärts machte US-Außenministerin Hillary Clinton, die am Donnerstag ankündigte, die USA seien bereit, sich an einem internationalen Fonds für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern zu beteiligen, der ab 2020 pro Jahr 100 Milliarden Dollar umfassen solle. «Wir alle haben diese Verhandlungen voranzutreiben», sagte sie. Wie hoch jedoch der Beitrag der USA sein sollte, blieb zunächst unklar.

US-Präsident Barack Obama, dessen Ankunft in Kopenhagen sehnlich erwartet wurde, rief die Staaten zur Kompromissbereitschaft auf: Kein Land werde alles bekommen, was es wolle. Die Frage sei nun, ob man gemeinsam vorwärtsgehen wolle oder nicht. Umweltorganisationen zeigten sich enttäuscht. Die Rede von Präsident Obama habe keine neuen Impulse gebracht, bemängelte die Energieexpertin des WWF, Regine Günther, und fügte hinzu: «Mit dem, was bisher öffentlich vorgelegt wurde, werden wir die Welt nicht vor den schlimmsten Folgen des Klimawandels bewahren.»

Der Weltklimarat (IPCC) geht davon aus, dass der Ausstoß von Treibhausgas bis zur Hälfte des Jahrhunderts um mindestens die Hälfte reduziert werden muss, wenn verhindert werden soll, dass die Erderwärmung um mehr als zwei Grad ansteigt. Für die Industriestaaten bedeutet dies, dass sie ihre Emissionen in den nächsten zehn Jahren um 25 bis 40 Prozent drosseln müssten. Diese Ziele fanden sich auch in einem Entwurf der «Kopenhagener Vereinbarung», der der Nachrichtenagentur ddp vorliegt.

Bis zum Freitag lagen Zusagen der Industrieländer auf dem Tisch, die sich im optimistischsten Fall auf eine Minderung von rund 20 Prozent belaufen könnten. Berechnungen der UN zufolge würde die Erderwärmung damit um drei Grad steigen, wenn die Staaten nicht nachlegen. Das gelte auch für Schwellenländer wie China und Indien, hieß es in einem Papier der Klimarahmenkonvention von Dienstagabend.

Die Entwicklungsländer appellierten an die historische Verantwortung der Industriestaaten. Chinas Premierminister Wen Jiabao forderte die Industriestaaten in seiner Rede auf, die Hauptlast der internationalen Verpflichtungen zu tragen. Sie seien für 80 Prozent der Treibhausgase verantwortlich, die weltweit seit der industriellen Revolution ausgestoßen wurden. Wen fügte hinzu, dass China bereit sei, seine selbst gesteckten Ziele umzusetzen, unabhängig vom Ausgang der Konferenz.

In einer letzten Anstrengung versuchten die Staats- und Regierungschefs am Freitag die Verhandlungsstarre zu durchbrechen. Einer Gruppe von 30 Spitzenpolitikern gelang es, sich auf einen gemeinsamen Text zu verständigen, auf dessen Basis weiter verhandelt wurde. Teilnehmer berichteten, die Staats- und Regierungschefs höchstpersönlich hätten über dem Text gebrütet und um Punkt und Komma gefeilscht. Über Details wurde lange und intensiv gerungen. Bis zum Freitagabend hatte die Seilbahn den Gipfel nicht erreicht.

Kopenhagen (ddp)