Schwellenländer leiden unter schwachen Industriestaaten - HSBC-Experte: FRANKFURT (dpa-AFX) - Das schwache Wachstum in Europa und den USA dämpft nach Einschätzung von HSBC Trinkaus die Wirtschaftsentwicklung in den Schwellenländern.
Vergrößern Schwellenländer leiden unter schwachen Industriestaaten - HSBC-Experte | Bild: © dpa

"Es gibt allerdings auch interne Gründe für die schwächere Wirtschaftsentwicklung", sagte Esser. So hätten die Notenbanken der Schwellenländer im vergangenen Jahr mit Leitzinserhöhungen auf die robuste Konjunktur und den Anstieg von Lebensmittel- und Energiepreisen reagiert. Dies wirke sich jetzt belasten aus. "Trotzdem ist die Entwicklung in den Schwellenländer überwiegen positiv", sagte Esser. So hat sich der HSBC Emerging Markets Index im Januar aufgehellt, wenn auch nur leicht. Der Indikator kletterte um 0,2 Punkte auf 52,2 Punkte und signalisiert damit weiter Wirtschaftswachstum. Der Wert liegt damit laut Esser zwar unter seinem langfristigen Durchschnittswert, aber auch weit über seinen Tiefständen während der Finanzkrise.

"Eine große und breit angelegte Unterstützung der Konjunktur durch expansive Maßnahmen ist nur bei einer gravierenden Zuspitzung der Schuldenkrise in der Eurozone zu erwarten", sagte Esser. "Die Erfahrungen Chinas mit seinem großen Konjunkturprogramm im Jahr 2008 und 2009 waren nicht nur positiv." Die Inflation hatte stark zugenommen und viele Projekte haben laut Esser teure Anschlussfinanzierungen verursacht.

"Die Möglichkeit zum Handeln bei einer Verschärfung der Krise haben die Schwellenländer jedoch", sagte Esser. "Die Staatshaushalte in den meisten Ländern sind sehr solide und die Kassen gut gefüllt." Die Möglichkeit zum Handeln ist laut Esser also gegeben. Auch die Notenbanken hätten nach den Leitzinsanhebungen im Gegensatz zu denen der Industriestaaten noch Zinssenkungsspielraum. Wachsende Inflationsgefahren wegen möglicherweise steigender Ölpreise im Zuge des Iran-Konflikts könnten diesen jedoch einschränken.

Generell sieht Esser in den Anleihemärkten von Schwellenländern gute Anlagemöglichkeiten. "Das Wirtschaftswachstum dürfte deutlich höher bleiben als in den Industriestaaten." Allerdings seien Investitionen eher für spekulativ orientierte Anleger interessant. "Schwellenländermärkte entwickeln oft eine ganz eigene Dynamik, die zu großer Übertreibung in guten Zeiten und in Krisen führt."