Schriftsteller - Jan Guillou war KGB-Informant: Unangenehme Enthüllungen für den schwedischen Schriftsteller und Journalisten Jan Guillou. «Wenn das Interesse so groß ist, schreib ich eben nachträglich ein neues Kapitel in meine Memoiren.»
Vergrößern Schriftsteller - Jan Guillou war KGB-Informant | Bild: ©

Mit gewohnter Selbstsicherheit reagiert der international erfolgreicher Autor von Agenten-Thrillern und gewichtige politische Stimme in seiner Heimat Schweden, auf seine nachträgliche Enttarnung als KGB-Informant. Gerade erst waren die Erinnerungen «Macht und Ohnmacht des Wortes» erschienen und von Rezensenten gelobt, da füllte die Zeitung «Expressen» ein Loch in diesen Erinnerungen, als sie Guillous Tätigkeit für den früheren sowjetischen Geheimdienst KGB zwischen 1967 und 1972 enthüllte.

In Schweden schlug die Nachricht mit ähnlicher Wucht ein wie in Deutschland unfreiwillige Enthüllungen früherer NSDAP- oder SS-Mitgliedschaften oder sehr späte «Beichten» wie von Günter Grass. Denn Guillou ist in seiner Heimat weit mehr als nur der Autor der auch ins Deutsche übersetzten Agentenserie «Coq Rouge», historischer Romane («Der Kreuzritter») und autobiografischer Bücher («Evil. Das Böse») mit einer Gesamtauflage von fast zehn Millionen Exemplaren.

Berühmt wurde der heute 65-Jährige 1973 durch die Aufdeckung des illegalen schwedischen Militärgeheimdienstes IB zur Bespitzelung und Verfolgung von Kommunisten. Seitdem beteiligt sich Guillou an allen politischen Debatten in seiner Heimat und teilt gern, kräftig und ohne Furcht vor vielen Feinden nach allen Seiten aus. Ob es immer wieder berechtigte Medienschelte ist, sarkastische Kommentare zur schwedischen Vorliebe für «feministische Korrektheit» oder leidenschaftliche Plädoyers für die Rechte von Jägern: Der leidenschaftliche Jäger Guillou ist sich seiner Sache immer sicher, kommt überall zu Wort und hat sich bei aller Bissigkeit allseits enorm viel Respekt erworben.

Das ist nun mit der Enthüllung der bisher verschwiegenen KGB-Tätigkeit erstmals ins Wanken geraten. Guillou reagierte zunächst mit Hohn und Spott, um dann aber doch für seine Verhältnisse ungewöhnlich selbstkritisch einzuräumen, dass das Abfassen von Parteianalysen im Auftrag des KGB für ein bisschen Geld nicht zu «den stolzesten Aktivitäten» seines Lebens gehört habe.

Trotzdem habe der Aufstand um die Enthüllung «groteske Dimensionen», weil er als 22-jähriger Nachwuchsjournalist einfach ein «naiver Jüngling» ohne echten Wert für den sowjetischen Geheimdienst gewesen sei. «Wer sie noch alle beisammen hat, kann nie und nimmer glauben, dass ich KGB-Agent war», hackte Guillou in der ihm eigenen Tonlage dann noch mal in Richtung Kritiker. Nun will er für die geplante Taschenbuchausgabe seiner ansonsten hochgelobten Memoiren einfach ein neues Kapital über die Kontakte zum KGB nachtragen.

Stockholm (dpa)