Schmallenberg-Virus bedroht vor allem Rinder-Nachwuchs: Das Schmallenberg-Virus ist ein neuartiger Erreger, der erstmals im November 2011 bei einer Rinderherde in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen wurde. Von diesen ersten Proben aus dem Ort Schmallenberg im Sauerland hat das Virus seinen Namen.
Vergrößern Schmallenberg-Virus bedroht vor allem Rinder-Nachwuchs | Bild: © dapd

Riems (dapd-rps).

Die Krankheit befällt Schafe, Rinder und Ziegen. Eine Ansteckungsgefahr für Menschen sehen die Experten des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit auf der Insel Riems nicht. 'Auch Milch und Fleisch könnten bedenkenlos verzehrt werden', sagt Institutssprecherin Elke Reinking.

Die ersten Tiere erkrankten bereits im August 2011 in den Niederlanden, dann in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Bundesweit sind nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Bundesinstituts für Tiergesundheit bisher bei 280 Züchtern Tiere an der Krankheit verendet.

Verbreitet wird die Krankheit durch Mücken und Gnitzen. Wird ein Tier durch einen Insektenstich angesteckt, bekommt es Fieber, Durchfall und der Milchfluss lässt nach. Wie bei einer Grippe-Infektion schafft es der Organismus in der Regel von allein, die Krankheit zu bekämpfen.

Gefahr besteht aber vor allem dann, wenn erkrankte Tiere trächtig sind. Denn das Schmallenberg-Virus verursacht bei den Feten im Mutterleib schwere Schäden. Dokumentiert sind Fehlgeburten, Totgeburten oder Geburten von Tieren mit verdrehten Gliedmaßen, Wasserköpfen und missgebildeten Gehirnen. Da viele Rinder derzeit trächtig sind, rechnen die Experten für den Frühling mit der Geburt vieler lebensschwacher Kälber. Zudem besteht nach Ansicht der Experten eine große Ansteckungsgefahr für Wildtiere wie Rehe und Damwild.

Das Schmallenberg-Virus gehört zu den Orthobunya-Viren, die aus Australien, Afrika und Asien bekannt sind. Inzwischen wurde das Virus auch in den Niederlanden, Belgien, Großbritannien und Frankreich nachgewiesen. Auch wenn es für Menschen nach bisheriger Erkenntnis keine Gefahr darstellt, werden sicherheitshalber deutschlandweit Blutproben von Haltern infizierter Tiere mit untersucht.

Nicht bekannt ist, ob das exotische Virus neu nach Europa eingeschleppt wurde oder sich bereits seit längerem ausbreitet. Medikamente für erkrankte Tiere gibt es bislang keine. Derzeit wird ein Impfstoff entwickelt, doch rechnen die Forscher nicht damit, dass er noch in diesem Jahr zum Einsatz kommen kann.

Betroffene Tierhalter warten nun darauf, dass die Infektion Ende März vom Bundesrat als meldepflichtige Krankheit anerkannt wird. Dann erst bekommen sie Entschädigung für ihre Verluste aus den Tierseuchenkassen der Länder.

dapd