Erfurt (ddp-lth). Thüringens Landtagspräsidentin Dagmar Schipanski (CDU) hat eine Überprüfung aller früheren Bundestagsabgeordneten auf eine mögliche Zusammenarbeit mit dem Staatssicherheitsdienst der DDR gefordert. Dies könne Klarheit darüber schaffen, in welchem Ausmaß die Stasi in Westdeutschland aktiv war, sagte Schipanski am Donnerstag in Erfurt. Zu Recht seien Träger politischer Verantwortung in den neuen Ländern auf eine mögliche Verbindung mit dem Unterdrückungsapparat des SED-Regimes hin überprüft worden. Doch dürfe in Deutschland nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Der Fall Kurras mache deutlich, dass der Arm der Stasi weit nach Westdeutschland hinein reichte, sagte Schipanski. Sie sprach sich auch für eine Stärkung der Stasi-Unterlagenbehörde aus.
Die Debatte über die mögliche Untersuchung früherer Bundestagsabgeordneter wurde durch die jüngste Aufdeckung im Fall des früheren West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras angestoßen. Der inzwischen 81-Jährige hatte 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschossen und wurde nun durch einen Aktenfund als inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit enttarnt. Seit der Enthüllung wird wieder heftig über die Aufarbeitung der Stasi-Machenschaften diskutiert.
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