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Schicksal - (Nachrichtenfeature) Wie Vertriebene die Gesellschaft im Südwesten veränderten - Haus der Geschichte zeigt Prozess der Integration - Verknüpfung mit Gegenwart --Von ddp-Korrespondentin Diana Wild--

12.11.09 | 17:05 Uhr

Kempas Schicksal ist eines von 1,5 Millionen von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den deutschen Südwesten kamen Ihnen nähert sich bis 22 August 2010 die Schau «Ihr und Wir Integration der Heimatvertriebenen in Baden-Württemberg» Das Thema soll aus einem «neuen Blick» zu sehen sein, wie der Leiter des Hauses, Thomas Schnabel, am Donnerstag sagt. In den ersten Jahren war Bernhard Kempa für die Medien noch der «Schlesier». Mit wachsendem sportlichem Erfolg hieß er in den 50er Jahren in den Zeitungen schließlich der «Göppinger». Der Erfinder des bei Handballern noch heute beliebten «Kempa-Tricks» gewann mit seinem Team zahlreiche Meistertitel und im Jahr 1960 als Trainer den Europapokal im Hallenhandball in Paris. Und der Heimatvertriebene gewann Deutschland als sein neues Zuhause. Bei Kempa beschleunigte Sport die Integration. Seinem Beispiel widmet das Haus der Geschichte in Stuttgart ab 13. November eine eigene Vitrine in einer großen Landesausstellung.

Kempas Schicksal ist eines von 1,5 Millionen von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den deutschen Südwesten kamen. Ihnen nähert sich bis 22. August 2010 die Schau «Ihr und Wir. Integration der Heimatvertriebenen in Baden-Württemberg». Das Thema soll aus einem «neuen Blick» zu sehen sein, wie der Leiter des Hauses, Thomas Schnabel, am Donnerstag sagt. Schwerpunkt sei nicht der Leidensweg von Flucht und Vertreibung, sondern das Ankommen der Menschen in der neuen Heimat. Laut Schnabel eine «sehr mühsame Geschichte», die «am Ende eine Erfolgsgeschichte» wurde.

Tatsächlich geht es nur zu Beginn direkt um die Vertreibung. Unzählige Lichterpfeile huschen über eine riesige Landkarte auf dem Boden. Sie sollen die Migrationsbewegungen nachzeichnen. Dann geht es durch eine Tür, die mit «Heimat» überschrieben ist, nach Baden-Württemberg. Mehr als 300 Exponate arbeiten verschiedene Aspekte aus dem gemeinsamen Alltag von Flüchtlingen und Alteingesessenen auf. Dabei wird Integration als Veränderung der gesamten Gesellschaft verstanden, nicht als Aufgehen des Hinzugekommenen im Bestehenden. «Etwas Neues entsteht», sagt Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger.

Die ersten Jahre sind damals schwierig, Alteingesessene lehnen die Neulinge ab, Konflikte entstehen auch innerhalb der einzelnen Gruppen. In vielen evangelisch geprägten Regionen bleiben überwiegend katholische Hinzugezogene unter sich, ihre Berufsabschlüsse aus der alten Heimat werden nicht anerkannt. Über unterschiedliche Wege kommt eine Annäherung in Gang. Durch Sport wie bei Kempa, in der Kultur, in den Medien. Mit dem Wirtschaftswunder macht die Integration einen Schub, die Heimatvertriebenen «haben großen Anteil am Wirtschaftswachstum», sagt Lutum-Lenger und deutet auf eine Vitrine mit bunten Glasgefäßen.

In vielen Branchen wie in der Glasindustrie hätten die Flüchtlinge das «Know-how» mitgebracht und es mit Wissen der neuen Heimat vermischt. Das Design beim Glas stammt aus Schwäbisch Gmünd. Auch die politische Landschaft prägten die Heimatvertriebenen. Sie gründeten eigene Parteien und befürworteten die Gründung des Landes Baden-Württemberg.

Dieses historische Kapitel steht nicht abgeschlossen da. Die Schau solle «Mut machen», sagt Schnabel. Das Haus der Geschichte schlägt einen Bogen in die Gegenwart. In einem weiteren Raum widmet es sich aktuellen Formen von Flucht und Vertreibung. Anhand von Beispielen aus fünf Ländern der Erde wird die Geschichte der heute etwa 66 000 Menschen nachgezeichnet, die wegen Kriegen und Krisen aus ihrer Heimat nach Baden-Württemberg geflohen sind.

Jasmina Omerovic etwa, die 1995 mit ihren drei unterernährten Töchtern aus dem bosnischen Srebrenica floh. Von ihrem Mann ist ihr nichts geblieben als das abgegriffene Foto hinter der Glasscheibe der Ausstellungsvitrine. Erst in diesem Jahr wurden seine sterblichen Überreste in einem Massengrab entdeckt. Jasmina Omerovic hat sich in der Zwischenzeit ein neues Leben aufgebaut, ihre drei Kinder gut durchgebracht, Deutsch und Altenpflegerin gelernt. Das kleine Wörterbuch liegt im Glaskasten, gleich neben dem Foto von ihr und den hübschen Töchtern, aufgenommen in ihrer neuen Heimat Stuttgart.

Dem Begriff Heimat spüren am Rande der Schau Flüchtlinge nach, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Südwesten kamen, sowie deren Nachkommen. In einer Filmcollage beschreibt sich etwa ein junger Mann als «Baden-Württemberger, Deutscher, Europäer». Eine Stuttgarterin Mitte 20 hegt für Ungarn, dem Herkunftsland ihrer Familie, gar keine Heimatgefühle. Ihr Zuhause sei in Stuttgart. Dem Ort, wo die Eltern sind, «dort, wo ich mich richtig einkuscheln kann».

ddp/wld/ple

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Kempas Schicksal ist eines von 1,5 Millionen von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den deutschen Südwesten kamen Ihnen nähert sich bis 22 August 2010 die Schau «Ihr und Wir Integration der Heimatvertriebenen in Baden-Württemberg» Das Thema soll aus einem «neuen Blick» zu sehen sein, wie der Leiter des Hauses, Thomas Schnabel, am Donnerstag sagt. In den ersten Jahren war Bernhard Kempa für die Medien noch der «Schlesier». Mit wachsendem sportlichem Erfolg hieß er in den 50er Jahren in den Zeitungen schließlich der «Göppinger». Der Erfinder des bei Handballern noch heute beliebten «Kempa-Tricks» gewann mit seinem Team zahlreiche Meistertitel und im Jahr 1960 als Trainer den Europapokal im Hallenhandball in Paris. Und der Heimatvertriebene gewann Deutschland als sein neues Zuhause. Bei Kempa beschleunigte Sport die Integration. Seinem Beispiel widmet das Haus der Geschichte in Stuttgart ab 13. November eine eigene Vitrine in einer großen Landesausstellung.

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