Sarkozy lehnt Schließung des Atomkraftwerks in Fessenheim ab: Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy lehnt eine Schließung des ältesten französischen Atomkraftwerks in Fessenheim an der deutschen Grenze vehement ab. 'Wir schalten die Anlage nicht ab', sagte er am Donnerstag bei einem Besuch des umstrittenen Meilers, der nicht nur bei Umweltschützern als unsicher gilt. Auf der anderen Seite des Rheins stößt er mit dieser Linie auf Unverständnis.
Vergrößern Sarkozy lehnt Schließung des Atomkraftwerks in Fessenheim ab | Bild: © dapd

Fessenheim (dapd-bwb).

Fessenheim zu schließen wäre ein 'Skandal', weil man damit Arbeitsplätze opfern würde, sagte Sarkozy vor der begeisterten Belegschaft des Atomkraftwerks. Das Elsass beziehe 70 Prozent seiner Energie von hier. Neben der Sicherung von Arbeitsplätzen und der Unabhängigkeit bei der Energieversorgung führte Sarkozy als Argument für den Weiterbetrieb der Anlage aus dem Jahr 1978 auch die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Industrie ins Feld.

Hollande will Fessenheim abschalten

Damit bezieht Sarkozy eine klare Gegenposition zu Francois Hollande, seinem sozialistischen Kontrahenten im französischen Präsidentschaftswahlkampf. Bei Hollande, der in Meinungsumfragen deutlich vor Sarkozy liegt, steht Fessenheim ganz oben auf der Liste von mehr als 20 abzuschaltenden Atomanlagen.

Für Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) ist es 'nicht nachvollziehbar', warum am Weiterbetrieb festgehalten wird. 'Die Menschen entlang des Oberrheins sind zu Recht besorgt, dass ein Altmeiler wie Fessenheim mit Sicherheitsdefiziten direkt vor der eigenen Haustür betrieben wird', erklärte er. Die Atomkatastrophe in Fukushima zeige deutlich die Folgen eines Reaktorunfalls für die Bevölkerung in der Umgebung, ungeachtet von Landesgrenzen. Fessenheim müsse so schnell wie möglich abgeschaltet werden.

Insgesamt 10 Milliarden für Weiterbetrieb der AKW

Der Trinationale Atomschutzverband TRAS wies darauf hin, dass das dortige Zwischenlager für radioaktive Brennstäbe nicht einmal Schutz vor Angriffen mit leichten Raketenwaffen böte. Zudem stehe das AKW in einem Erdbebengebiet und sei überflutungsgefährdet, erklärte der TRAS, der mehr als 160 öffentliche Körperschaften aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz hinter sich hat.

Diese Bedenken hat Sarkozy nicht. Die französische Atomsicherheitsbehörde ASN habe bestätigt, dass alle französischen Kraftwerke - einschließlich Fessenheim - mit Verbesserungen weiter betrieben werden könnten, betonte er. Diese Kosten werden für den französischen Kraftwerkpark auf rund 10 Milliarden Euro geschätzt.

dapd