WASHINGTON (dpa-AFX) - US-Notenbankchef Ben Bernanke sieht wieder wachsendes Vertrauen in den krisengeschüttelten Finanzsektor, mahnt aber zugleich dringende Schritte gegen das gigantische US-Defizit an. Dass US-Großbanken in den vergangenen Wochen "erhebliche Fortschritte" bei der Stärkung ihrer Kapitalpuffers erzielt hätten, deute auf gestiegenes Vertrauen der Investoren in das Bankensystem hin, sagte Bernanke am Mittwoch vor einem US-Kongressausschuss. "Ohne ein deutliches Bekenntnis zu einer langfristig nachhaltigen Etatpolitik werden wir weder einen stabilen Finanzsektor noch ein gesundes Wirtschaftswachstum haben", mahnte er jedoch.
Bernanke unterstrich vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses seine bereits früher geäußerte Einschätzung, dass die größte Volkswirtschaft der Welt noch im Laufe des Jahres die Konjunkturwende erlebt. "Wir erwarten ein Ende der technischen Rezession zum Ende des Jahres", sagte er. Voraussetzung sei allerdings eine Erholung des Finanzsektors sowie eine Stabilisierung des Immobilienmarktes und der Verbraucherausgaben.
NATIONEN SOLLEN HAUSHALTSPOLITISCHE BALANCE WIEDERHERSTELLEN
"Um das Vertrauen der Finanzmärkte zu behalten, müssen wir als Nation jetzt mit den Planungen beginnen, die haushaltspolitische Balance wiederherzustellen", mahnte Bernanke. Der Anstieg der Renditen längerfristiger Anleihen sei anscheinend auch auf wachsende Sorgen über das Etatdefizit zurückzuführen. Berechnungen des Kongresses zufolge wird das Budgetloch in diesem Haushaltsloch auf 1,85 Billionen Dollar (1,3 Billionen Euro) anschwellen. Das sind 13 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes.
Bernanke bewertete positiv, dass zehn US-Großbanken, bei denen einen staatliche Belastungsprüfung Kapitallücken über insgesamt 75 Milliarden Dollar offenbart hatten, inzwischen 36 Milliarden Dollar an frischem Geld eingesammelt hätten. Einige der Aktienemissionen seien überzeichnet gewesen. Das sei ein Zeichen gestiegenen Vertrauens in das Bankensystem, betonte der Notenbankchef.
BEI ERHOLUNG WIRD US-WACHSTUMS UNTER POTENZIAL BLEIBEN
Er bekräftigte die Einschätzung der Federal Reserve aufgrund jüngster Konjunkturdaten, dass sich das Schrumpfen der US-Wirtschaft inzwischen verlangsamt hat. Seit Jahresanfang hätten sich die Verbraucherausgaben, von denen die US-Wirtschaft zu 70 Prozent abhängt, stabilisiert, die Stimmung der Konsumenten habe sich aufgehellt. Wenn sich eine Erholung einstellt, werde das US-Wachstum voraussichtlich "eine Weile lang" unter seinem Potenzial bleiben, das Volkswirte mit um die drei Prozent angeben. "Wir erwarten, dass die Erholung nur schrittweise Fahrt aufnimmt", sagte Bernanke.
Entsprechend sei in den nächsten Monaten mit weiteren, "erheblichen" Jobverlusten zu rechnen, sagte Bernanke. Am diesem Freitag werden die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Volkswirte erwarten, dass die Arbeitslosenquote im Mai von 8,9 Prozent auf 9,2 Prozent geklettert ist.

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