Rothaus setzt auf Klasse statt Masse: Die Badische Staatsbrauerei Rothaus ist im schrumpfenden Absatzmarkt für Bier eine Ausnahmeerscheinung. Sie ist hochprofitabel und dürfte auch in diesem Jahr wieder das baden-württembergische Staatssäckel mit 17 Millionen Euro Dividende auffüllen. Denn Birgit Kraft ist Kult.
Vergrößern Rothaus setzt auf Klasse statt Masse | Bild: © dapd

Grafenhausen (dapd-bwb). Die Badische Staatsbrauerei Rothaus ist im schrumpfenden Absatzmarkt für Bier eine Ausnahmeerscheinung. Sie ist hochprofitabel und dürfte auch in diesem Jahr wieder das baden-württembergische Staatssäckel mit 17 Millionen Euro Dividende auffüllen.

Denn Birgit Kraft ist Kult. Nicht nur in Berlin punktet die Brauerei mit ihrem 'Tannenzäpfle' und dem fröhlichen Schwarzwaldmädel Birgit auf dem stilisierten 60er-Jahre-Etikett. Auch in Hamburg, Köln oder Potsdam ist das blonde Bier angesagt.

Die Umsatzrendite von gut 30 Prozent und 20 Millionen Euro Gewinn nach Steuern sind nicht zuletzt auch der Erfolg von Thomas Schäuble, Brauerei-Chef und Bruder von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Blondine Birgit verdankt ihren Namen im Übrigen dem badischen Dialekt: 'Bier git (gibt) Kraft'.

'Wir leben davon, dass wir ein bissl was Besonderes sind', sagt der 63-jährige Brauerei-Chef. Mit dieser Einstellung liefert die Brauerei in Landesbesitz bei einem Umsatz von rund 85 Millionen Euro jährlich etwa 33 bis 34 Millionen Euro in der Staatskasse ab, zur Dividende kommen schließlich noch Steuern und andere Abgaben hinzu. 'Wir werden das Ergebnis des Vorjahres, allenfalls mit kleinen Abstrichen, auch 2011 wieder erreichen', sagt Schäuble, der seit sieben Jahren an der Spitze des Unternehmens steht.

Das ist in einem schrumpfenden Markt keine Selbstverständlichkeit. Trank nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes 1992 noch jeder Deutsche 142 Liter Bier, so lag der Pro-Kopf-Verbrauch 2008 nur noch bei 111 Litern. Tendenz weiter fallend. Der Ausstoß bei Rothaus, der drittgrößten Brauerei in Baden-Württemberg, blieb mit etwa 850.000 Hektolitern 2011 konstant. Dabei gewährt die Brauerei grundsätzlich keine Preisnachlässe. Denn Schäuble setzt auf Klasse statt Masse.

Ein Wachstum wäre angesichts der Marktverhältnisse in der Braubranche ohnehin nur mit Rabattschlachten zu erzielen, sagt er. 'Aber je größer man wird, desto schwerer ist es auch, das Charisma der Marke zu bewahren.'

Rothaus dürfe kein Allerweltsbier werden und ein bundesweites Fernsehbier erst recht nicht. Da ist Schäuble Purist und hält sich mit entsprechender Werbung zurück. Auch Mischgetränke stehen nicht zur Diskussion. 'Denn dafür könnte ich auch ein schlechtes Bier nehmen.'

Purist ist er auch bei der Qualität, die nicht nur auf dem Schwarzwälder Quellwasser beruht. 'Wir geben nachweisbar mehr Geld für Hopfen und Malz aus', sagt er und lässt den integrierten Anbau der Lieferanten überprüfen. 'Bio-Hopfen ist leider in dieser Menge nicht zu bekommen.'

Das Land Baden-Württemberg weiß, was es an Rothaus hat und hält die Brauerei nicht an der kurzen Leine. 'Dass wir so unglaublich gute Zahlen schreiben, liegt nicht zuletzt an der guten Ausstattung', sagt Schäuble.

So flossen in diesem Jahr knapp drei Millionen Euro in eine neue Fassabfüllanlage, eine Flaschensortieranlage schlug mit knapp einer Million Euro zu Buche. Im kommenden Jahr wird der Neubau eines Drucktankkellers vier Millionen Euro kosten, außerdem beginnt die Planung für eine neue Flaschenabfüllanlage, die nicht unter 15 Millionen Euro zu haben ist.

Die Investitionen machen sich offenbar bezahlt. Während die Konkurrenz pro Mitarbeiter durchschnittlich einen Ausstoß von gut 3.000 Hektoliter habe, seien es bei Rothaus mehr als 4.000 Hektoliter. 'Damit haben wir eine um ein Drittel bis ein Viertel höhere Produktivität', freut sich Schäuble.

Beim alkoholfreien Pils, das seit zwei Jahren angeboten wird, gibt es jährliche Wachstumsraten von 10 bis 15 Prozent. 'Hier kommen wir in diesem Jahr auf 15.000 Hektoliter.' Die Maschine zum aufwendigen Entzug des Alkohols nach der Gärung wurde eigens aus Australien in den Schwarzwald geschafft.

Auf den Lorbeeren ausruhen kann sich Schäuble nicht. 'Ich sehe mich in der Verantwortung, den Erfolg zu bewahren', sagt er. 'Wir müssen die Muskeln jedes Jahr ein bisschen mehr anspannen, um die guten Zahlen zu halten.' Dabei ziehen die 225 Beschäftigten und der Betriebsrat laut Firmenchef mit. In der ländlichen Gegend sei die Identifikation mit dem Unternehmen sehr hoch.

Von einer Privatisierung des vorbildlich funktionierenden Staatsbetriebs, der seit 1922 die Form einer Aktiengesellschaft hat, redet derzeit niemand. Ein Verkauf der ehemaligen Klosterbrauerei aus dem Jahr 1791 rechnet sich einfach nicht.

'Von einem Brauereikonzern würde der Standort im Hochschwarzwald zudem mit Sicherheit nicht erhalten', sagt Schäuble. Dazu sei die Lage hoch auf dem Berg schon von der Logistik her uninteressant. Zudem sei das Unternehmen in der Region ein wichtiger Arbeitgeber und Auftraggeber für das regionale Handwerk, den es zu bewahren gelte.

dapd