Robin Wood besetzt Fördergerüst über dem Asse-Schacht: Aus Protest gegen Verzögerungen bei der Bergung radioaktiver Abfälle aus dem Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel haben Umweltschützer am Samstag vorübergehend das Fördergerüst über dem Schacht des früheren Salzbergwerks besetzt.
Vergrößern Robin Wood besetzt Fördergerüst über dem Asse-Schacht | Bild: © dapd

Remlingen (dapd-nrd). Während einer Protestkundgebung von mehreren hundert Atomkraftgegnern vor dem Tor des Geländes, kletterten vier Mitglieder der Umweltorganisation Robin Wood auf den stählernen Förderturm. Dort entrollten sie ein rund 50 Quadratmeter großes Transparent mit der Aufschrift 'Auslaufmodell Asse - Rückholung sofort - Raus kommt es so oder so'. Die von der Aktion überraschten Polizisten und Werkschützer schritten nicht gegen die Aktivisten ein. Nach rund anderthalb Stunden beendete Robin Wood die Besetzung.

Sowohl das Bundesumweltministerium als auch das niedersächsische Umweltministerium hintertrieben die geplante Rückholung des Atommülls aus der Asse, sagte einer der Robin Wood-Kletterer, Udo Sorgatz. 'Unter dem Vorwand der Gründlichkeit werden immer neue Auflagen erteilt und der Prozess im bürokratischen Schneckentempo betrieben.' Das Bundesdamt für Strahlenschutz (BfS) als Betreiber des Atomlagers hatte sich vor zwei Jahren nach einem Vergleich verschiedener Stilllegungs-Varianten für die Bergung der Abfälle entschieden. Nur so könne vermieden werden, dass Radioaktivität an die Umwelt gelange.

In den vergangenen Tagen hatten aber sowohl BfS-Experten als auch Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) eine Rückholung aus Zeitgründen als kaum noch machbar bezeichnet. Das Bergwerk Asse ist einsturzgefährdet und droht voll Wasser zu laufen. Die Standsicherheit des Grubengebäudes ist nur noch für wenige Jahrzehnte gesichert.

Bei der Kundgebung am Bergwerksgelände, an der sich nach Angaben von Polizei und Veranstaltern mehr als 500 Menschen beteiligten, forderten Redner, zügig mit der Bergung der radioaktiven Abfälle aus der Asse zu beginnen. 'Den Atommüll zu vergraben und zu vergessen ist keine Lösung', sagte Heike Wiegel von der Bürgerinitiative 'Aufpassen'. Eine Verfüllung oder Flutung des Bergwerks dürfe es nicht geben. In die Asse wurden zwischen 1967 und 1978 rund 126.000 Fässer mit schwach und mittelradioaktivem Atommüll eingelagert.

dapd