Osnabrück (ddp). Die große Koalition will härter gegen Genitalverstümmelungen junger Migrantinnen vorgehen. Wie die «Neue Osnabrücker Zeitung» (Mittwochausgabe) berichtet, haben sich Union und SPD auf eine Verschärfung des Strafrechts verständigt, die an diesem Donnerstag im Bundestag beschlossen werden soll. «Wir müssen das grausame Ritual der Beschneidung von Mädchen effektiver bekämpfen. Es darf nicht länger sein, dass Täter wegen Lücken im Strafrecht davonkommen', sagte SPD-Fraktionsvize Fritz Rudolf Körper der Zeitung.

Nach den Plänen der Koalition können Beschneidungen von Mädchen und jungen Frauen künftig lebenslang verfolgt werden. Bisher gilt für die einschlägigen Strafvorschriften - Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche oder schwere Körperverletzung - eine Verjährungsfrist von zehn Jahren. Ist diese abgelaufen, müssen Eltern, Mediziner oder traditionelle Beschneider keine Strafe mehr befürchten. Weil Angehörige Verstümmelungen nicht anzeigen und die Opfer in aller Regel frühestens mit dem 18. Lebensjahr zur Polizei gehen, bleiben viele Peiniger bisher also ungeschoren. Die Neuregelung gilt auch für Altfälle, die nicht länger als zehn Jahre zurückliegen.

Nach Einschätzung der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes (TdF) leben gegenwärtig rund 20 000 Mädchen und Frauen ausländischer Herkunft in Deutschland, die Opfer von Genitalverstümmelungen sind. Mindestens 5000 Migrantinnen seien zudem gefährdet, einem solchen Eingriff noch unterzogen zu werden.

(ddp)