Richtfest am BBI-Terminal in Berlin - Politik und Wirtschaft erwarten vom neuen Hauptstadtflughafen Wachstumsimpulse für Region: Auf der Großbaustelle des künftigen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) ist am Freitag Richtfest am Terminal gefeiert worden. Unter den rund 1500 Bauarbeitern und Gästen aus Politik und Wirtschaft waren Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD).
Vergrößern Richtfest am BBI-Terminal in Berlin - Politik und Wirtschaft erwarten vom neuen Hauptstadtflughafen Wachstumsimpulse für Region | Bild: © ad-hoc-news

Politik und Wirtschaft sahen übereinstimmend in dem Flughafenbau einen bedeutenden Wachstumsfaktor für Gegenwart und Zukunft der Hauptstadt-Region. Die Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus kritisierte die Energiewirtschaft und die Bahnanbindung des BBI. Berlin erhalte mit dem neuen Flughafen «eine bessere Anbindung an die Metropolen der Welt», sagte Wowereit auf dem Festakt. Der BBI werde zum wichtigen «Standortfaktor zukunftsorientierter Dienstleistungen der deutschen Hauptstadt».

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zeigte sich davon überzeugt, dass beim neuen Airport die Weichen schon heute richtiggestellt worden sind. Der BBI sei auf Wachstum eingestellt. Der neue Hauptstadtflughafen sei von Moskau und Asien aus eine Stunde schneller zu erreichen als die Flughäfen in München und Frankfurt, sagte Platzeck. Das werde auch irgendwann die Lufthansa begreifen.

Nach Worten von Flughafenchef Rainer Schwarz wird der BBI die neue Ost-West-Drehscheibe im Herzen Europas mit Umsteigemöglichkeiten in die ganze Welt. Ziel sei es, die Region Berlin-Brandenburg mit dem BBI zu einem der führenden zehn Luftfahrtstandorte Europas zu entwickeln.

Die Lufthansa will ihre Drehkreuze in Frankfurt und München nicht schwächen und verzichtet daher bisher darauf, beispielsweise direkte Interkontinentalverbindungen von Berlin aus einzurichten. «Wir wollen in Berlin profitabel wachsen», sagte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber am Rande der Veranstaltung. Das brauche aber Zeit.

Grundsätzlich bringe der BBI die Voraussetzungen für die Einrichtung weiterer Strecken mit. Potenzielle Märkte seien Europa, Nordamerika und Asien. Einen konkreten Zeitpunkt zur Etablierung weiterer Lufthansa-Verbindungen ab Berlin wollte Mayrhuber aber nicht nennen.

Nach Auffassung der Grünen-Verkehrsexpertin Claudia Hämmerling wurde beim Bau von BBI «die Chance der Nutzung regenerativer Energien für die Eigenversorgung des Flughafens vertan». Außerdem würden nach bisherigem Plan zum BBI nur sechs S-Bahnen und vier Regionalzüge pro Stunde sowie wenige ICE täglich verkehren. Damit riskiere der rot-rote Senat überfüllte Flughafenzubringer und Staus auf der A 113, sagte Hämmerling. «Wir fordern deshalb, die direkte S-Bahn-Anbindung vom Hauptbahnhof über Lichtenrade mit Spezial-S-Bahnen voranzutreiben.»

Im Anschluss an das Richtfest beginnen die Innenausbauten. Über zwei Etagen wird bereits seit Februar eine Gepäckförderanlage - das Herzstück des Terminals - installiert. Außerdem werden insgesamt 150 Geschäfte, Restaurants und Imbisse sowie Autovermietungen und Reisebüros eingerichtet.

Ab Mai nächsten Jahres sollen die wichtigsten Funktionen des BBI auf geprüft werden. Die Baukosten des BBI werden auf insgesamt 2,5 Milliarden Euro beziffert. Davon wurden inzwischen 1,8 Milliarden Euro ausgegeben. 62 Prozent der Auftragssumme ging an Unternehmen aus der Region. Es wird damit gerechnet, dass durch den Flughafenbau insgesamt 40 000 Arbeitsplätze entstehen. Der geplante Eröffnungstermin des Flughafens im Süd-Osten Berlins ist am 30. Oktober 2011.

(Quellen: Wowereit, Schwarz, Platzeck vor Richtfest-Gästen, Mayrhuber gegenüber ddp, alle anderen in Mitteilungen).

ddp/wle/muc