Dessau-Roßlau (dapd-lsa). Rund 700 Karten sind verkauft, für Kurzentschlossene gibt es noch welche an der Abendkasse.
Die DDR der letzten Jahre vor dem Mauerfall: Christian Hoffmann, Sohn eines Chirurgen, will es seinem Vater gleichtun und Arzt werden. Um sich einen Studienplatz zu sichern, muss er in der Nationalen Volksarmee dienen. Er ist zerrissen zwischen Gerechtigkeitssinn und opportunistischem Denken. Auch seine Eltern verlieren sich im Konflikt, sich den subtilen Anforderungen der Diktatur weiter anzupassen oder aufzubegehren.
Uraufführung hatte die Bühnenfassung von Armin Petras und Jens Groß 2010 im Staatsschauspiel Dresden. Nun inszenierte sie Regisseur Lukas Langhoff mit viel Witz und Humor für die Dessauer Bühne. Es ist die Geschichte einer bildungsbürgerlichen Familie im Dresdner Turmviertel: Die Protagonisten reflektieren den Verfall eines ungeliebten Landes, in dem sie dennoch privilegiert leben und arbeiten können. Mit Hausmusik, intellektueller Lektüre und philosophischem Austausch versuchen sie, der Realität zu entrinnen.
In den knapp zwei Stunden auf der Bühne nehmen die Schauspieler des Dessauer Theaterensembles das Publikum mit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Überzeugend bringen sie die inneren Konflikte der Charaktere rüber, stellen hoffnungslose Zerrissenheit, Schmerz und Aussichtslosigkeit dar und verdeutlichen die immer wiederkehrenden Zweifel der DDR-Bürger an ihren einst eigenen Überzeugungen.
Dieser fortwährende Konflikt zwischen Individuum und Gruppe, der in der Bühnenfassung Petras und Groß besonders betont werde, habe ihn angesprochen, sagt Regisseur Langhoff, der selbst im Osten aufgewachsen ist, im dapd-Interview. 'Wie stark ist die Gruppe bei der Vereinnahmung, wann kann man sich individuell, wie sichtbar machen - das war in der DDR auch ein ganz großes Thema für mich'.
Das dem Schauspiel zugrunde liegende Werk Tellkamps wurde mehrfach ausgezeichnet und erhielt 2008 den Deutschen Buchpreis. 'Die 1.000 Seiten zu inszenieren, hätte ich mir nicht vorstellen können', sagt Langhoff. In der Bühnenfassung aber habe es eine Emanzipation gegenüber dem Roman gegeben, sodass sie unabhängig funktioniere. Ein Trugschluss wäre es also zu erwarten, 'dass wir den Roman zu Ende erzählen', für diejenigen, die beim Lesen zwischenzeitlich aufgegeben hätten, erklärt der Regisseur mit einem Augenzwinkern.
In Dessau gibt der 1964 in Berlin geborene am Samstag sein Debüt. 'Es hat großen Spaß gemacht', resümiert Langhoff die Arbeit dort. Er habe 'ein sehr spielfreudiges und vertrauenswürdiges Ensemble vorgefunden', mit dem er während der Proben eine 'schöne Lebenszeit verbracht' habe. 'Ob das Ergebnis jemandem gefällt oder nicht, werden wir sehen', sagt Langhoff vor der Premiere gelassen. 'Das entscheidet ausschließlich das Publikum.'
dapd


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