Razzia in Berliner DRK-Kliniken: Mehrere Kliniken des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind am Mittwoch in Berlin wegen des Verdachts des «banden- und gewerbsmäßigen ärztlichen Abrechnungsbetrugs» in Millionenhöhe und Körperverletzung durchsucht wurden. Die beiden Geschäftsführer der DRK-Gesellschaft sowie der Chefarzt der Radiologie des Klinikums Mitte wurden nach Polizeiangaben verhaftet.
Vergrößern Razzia in Berliner DRK-Kliniken | Bild: © ad-hoc-news
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Im Falle einer Verurteilung könnte ihnen eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr drohen. Insgesamt wird gegen 24 Personen ermittelt.

Gegen die drei Hauptbeschuldigten besteht den Angaben zufolge der dringende Tatverdacht, dass in ihren Zuständigkeitsbereichen seit 2005 von dafür nicht qualifizierten und nicht zugelassenen Assistenzärzten medizinische Spezialleistungen erbracht und dann auf Weisung der Geschäftsführung über Fachärzte abgerechnet worden sein sollen. Von der Durchsuchungsaktion am Mittwoch betroffen waren Objekte in den Stadtteilen Wedding, Charlottenburg und Köpenick. Außerdem wurden 22 Privatwohnungen durchsucht, darunter vier in Brandenburg.

Zugleich bestehe der Verdacht einer Vielzahl von Köperverletzungsdelikten, da teilweise radiologische Behandlungen durch dafür nicht ausgebildete Ärzte ohne fachliche Aufsicht durchgeführt worden sein sollen, heißt es weiter. In mindestens einem Fall sei es dabei zu Komplikationen gekommen, sodass der Patient intensivmedizinisch behandelt werden musste. Außerdem sollen aus rein wirtschaftlichen Erwägungen medizinisch nicht erforderliche Doppeluntersuchungen vorgenommen worden sein.

Nach Polizeiangaben stecke «erhebliche kriminelle Energie» hinter den Vorgängen. Haftbefehle seien vollstreckt worden, weil Flucht- und Verdunkelungsgefahr bestehe, sagte ein Sprecher. So lägen Hinweise vor, dass die Beschuldigten Einfluss auf Zeugen nehmen wollten. Ausgelöst wurden die seit neun Monaten laufenden Ermittlungen des Landeskriminalamtes (LKA) durch einen «sehr detaillierten anonymen Hinweis», heißt es. Angesichts präziser Angaben liege die Vermutung nahe, dass er aus dem Umfeld der Beschuldigten stamme.

Nach dem bisherigen Erkenntnisstand ist durch den Betrug ein Schaden von 170 000 Euro nachweisbar, wie der Polizeisprecher weiter sagte. Allerdings sei bereits absehbar, dass die Summe am Ende bei «weit über einer Million Euro» liegen könnte. Durchsucht wurden Geschäftsräume in den drei DRK-Kliniken in Mitte, Westend und Köpenick, den Medizinischen Versorgungszentren an den Standorten Mitte und Westend, dem Firmensitz der DRK-Kliniken GmbH in Berlin und einer Privat-Klinik in Mitte.

An den Aktionen, die am frühen Vormittag begonnen hatten, waren insgesamt 150 Polizisten und drei Staatsanwälte beteiligt. Die Ermittler stellten nach Polizeiangaben aus den betroffenen Einrichtungen mehrere Kartons mit Akten sicher, darunter Abrechnungsunterlagen sowie Daten von Computern mit Patientendaten.

Die Geschäftsführung der DRK-Kliniken stehe im Kontakt mit den ermittelnden Behörden und werde «vollumfänglich kooperieren», sagte eine Sprecherin. Zugleich wurde um «Verständnis» gebeten, dass man sich zur Sache selbst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht äußern könne.

Die Vorwürfe richteten sich nicht gegen das Berliner Rote Kreuz, stellte unterdessen ein Sprecher der Organisation klar. Die DRK-Kliniken sind nach eigenen Angaben eine gemeinnützige Klinikgruppe mit fünf Krankenhäusern in Berlin. Ihr Träger ist die Schwesternschaft Berlin im Deutschen Roten Kreuz. In den von ihr betriebenen Krankenhäusern sind mehr als 3400 Mitarbeiter beschäftigt. Damit gehört die Schwesternschaft eigenen Angaben zufolge zu den größten Arbeitgebern der Hauptstadt.

ddp