Vor allem im Kerngeschäft der Molekularen Diagnostik lief es für Qiagen im vierten Quartal wieder besser, wie der auf Tests zum Nachweis von Krankheiten und Laborgeräte spezialisierte Konkurrent des Schweizer Pharma- und Diagnostik-Unternehmens Roche mitteilte. Das wichtige Geschäft mit Vorsorgetests zum Nachweis von Gebärmutterhalskrebs (HPV-Test) erhielt in den USA im vierten Quartal einen Schub. Amerika steht mit fast 50 Prozent für den Großteil des Konzernumsatzes. Qiagen hatte dort zuletzt die schwierige Wirtschaftslage zu spüren bekommen. Allerdings müssen sich die Hildener einem verstärkten Wettbewerb auf dem Gebiet stellen, da der große Schweizer Pharma-Konzern Roche auch mit einem HPV-Test am Markt ist.
Im Vergleich zum Vorjahr erwartet Qiagen im laufenden Geschäftsjahr ein sich beschleunigendes Wachstum. Dazu sollen neue Tests für die Erkennung von Krankheiten, neue Partnerschaften mit Pharmaunternehmen, zusätzliche Geräteverkäufe und Einsparungen durch das im November angekündigte Sparprogramm beitragen. 2012 soll der Erlös zu konstanten Wechselkursen um etwa sechs bis acht Prozent zulegen (2011: 1,17 Mrd. USD). Beim bereinigten Gewinn werden 1,03 bis 1,05 Dollar in Aussicht gestellt. 2011 hatten die Hildener 0,98 Dollar erzielt und damit die eigenen wie auch die Erwartungen des Marktes übertroffen.
Das über Jahre erfolgsverwöhnte Diagnostik-Unternehmen hatte letzten Sommer wegen schwieriger Marktbedingungen in Europa und den USA seine Jahresziele für 2011 überraschend gesenkt und Ende November eine Restrukturierung mit Stellenstreichungen eingeleitet. "Qiagen ist mit der Restrukturierung schneller vorangekommen, als im November angenommen", sagte Sackers. 2011 und 2012 sollen weltweit acht bis zehn Prozent der Stellen gestrichen werden. Bis Januar hätten in Deutschland bereits mehr als 90 Prozent der Betroffenen Aufhebungsverträge geschlossen. Im vierten Quartal verbuchte Qiagen Restrukturierungskosten von 75 Millionen Dollar und damit fünf Millionen mehr als zuvor erwartet. Diese belasteten den Überschuss, der 2011 um ein Drittel auf 96 Millionen US-Dollar fiel.
Das TecDax-Schwergewicht konnte nicht von den Zahlen und dem vorgelegten Ausblick profitieren. Die Aktie büßte 2,89 Prozent auf 12,11 Euro ein. Analyst Michael Bissinger von der DZ Bank sprach von einem starken vierten Quartal, betonte aber, dass der Ausblick leicht hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Ein Händler sagte, der Ausblick von Qiagen "ist kein Drama". Seit Jahresbeginn haben die Papiere um gut zwölf Prozent zugelegt.
Qiagen strebt nach den jüngsten Übernahmen von Cellestis und Ipsogen weitere Zukäufe an. Wachstumschancen bestünden vor allem in den Schwellenländern: Die sieben größten Emerging Markets Brasilien, Russland, Indien, China, Südkorea, Mexiko und die Türkei machten 2011 rund zwölf Prozent des Konzernumsatzes aus. Dieser Anteil soll sich mittelfristig in Richtung 20 Prozent erhöhen. Bezogen auf Asien wird mittelfristig ein Umsatzanteil von 25 bis rund einem Drittel angestrebt. Im Gespräch mit dpa-AFX schloss Finanzvorstand Sackers weder einen Aktienrückkauf noch die Zahlung einer Dividende für die nahe Zukunft aus. Beides wäre ein Novum für den größten deutschen Biotech-Konzern.


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