Putenfleisch aus dem Automaten: Mit einer ungewöhnlichen Geschäftsidee locken drei Geschwister in Niederrieden im Unterallgäu Kunden zu ihrem Puten-Hof: Wer auf dem Weg in den Feierabend Heißhunger auf Putenwurst bekommt oder ein Putensteak für den Grillabend braucht, kann dies aus einem neuartigen Automaten ziehen - dem Puten-Automat. Der Bauernverband begrüßt den neuen Vertriebsweg, der Fleischerverband ist weniger begeistert.
Vergrößern Putenfleisch aus dem Automaten | Bild: © ddp

Bunt angemalt steht das etwa zwei Meter große Gerät unter einem knallgelben Sonnenschirm auf dem Hof der Putenzüchterfamilie Hartmann im Unterallgäu. Eine Kundin fährt vor, zückt einen Zehn-Euro-Schein und tippt die Nummer ihres gewünschten Grillgutes ein, es surrt, das Wechselgeld klimpert, ein Mini-Aufzug fährt das vakuumverpackte Putensteak zum Ausgabeschacht. Wenig später kommt ein Handwerker und zieht sich eine Putenschinkenwurst für die Brotzeit am Abend.

«Unsere Kunden sind froh, weil sie auch nach der Arbeit oder am Wochenende sich noch geschwind was aus dem Automaten ziehen können», erklärt Christian Hartmann (25) die Vorteile des Puten-Automaten. «Jetzt zur Grillzeit haben wir natürlich viele Grillsachen drin», fügt seine Schwester Carola (26) hinzu. Und sie lobt den Metzger aus dem Geschwister-Trio, ihren Bruder Martin (23), der die auf dem Hof gezogenen Puten fachmännisch verarbeite.

«Regiomat» heißt das Gerät. Christian Hartmann berichtet, er habe es mal auf einer Messe gesehen, sich mit den Geschwistern beraten und es dann angeschafft. Beim Bayerischen Bauernverband (BVV) kannte man bisher vor allem Eier- und Kartoffelautomaten. An der «findigen Idee» der Putenzüchter lobt der BBV-Vieh- und Fleischexperte Josef Wasensteiner die kurzen Wege. «So hat sich der Putenzüchter selber seinen Markt erschlossen», sagt Wasensteiner. «Ansonsten ist er verdammt, an einen Großabnehmer zu liefern.» Dann würden die Puten über Umwege beim Metzger nebenan landen.

Ob der Fleischer aus der Nachbarschaft wegen des Automaten nun weniger Geflügel verkauft? Stefan Ulbricht vom bayerischen Fleischerverband glaubt nicht an eine neue Konkurrenz. «Da werden die Kunden eher beim Discounter wegbrechen und nicht beim Fleischer», erwartet er. Gutheißen will Ulbricht den Automaten dennoch nicht. Für ihn fehlt die Beratung des Kunden bei diesem «anonymen Verkauf». Zwar könne der Verbraucher auch am Sonntag seine Waren bekommen, doch dann werde wohl nicht frisch geschlachtet, vermutet er.

Die Kunden stört das offenbar wenig. Am Pfingstmontag war der absolute Spitzentag, an dem Carola Hartmann gleich mehrfach den Puten-Automaten auffüllen musste. In Schlangen standen die Menschen vor dem bunten Gerät und zogen sich ihre Putenschnitzel und ihren Putenleberkäs. Wer wollte, wählte auch gleich noch die passende Grillsauce dazu aus. Etwa achtzig Regiomaten, sagt Christian Hartmann, habe der Hersteller in der Region - bis hoch nach Ulm - bereits verkauft, aber bislang nur einen einzigen Puten-Automaten. Die anderen Regiomaten würden überwiegend von Milchbauern für ihren Direktvertrieb eingesetzt.

Den drei Hartmann-Geschwistern, die vor zwei Jahren den elterlichen Hof übernommen haben, gefallen solch neue Vermarktungswege. Sie haben schon großen Erfolg mit ihrem «rollenden Putenhof» auf den Wochenmärkten von Memmingen und Ulm und seit Kurzem schlägt auch der «Online-Hofladen» so richtig gut ein. So, sagen sie alle drei, mache Landwirtschaft heute richtig Spaß.

ddp