Puppen als Schmuggler im Amerikanischen Bürgerkrieg: 'Nina' und 'Lucy Ann' sollen im Amerikanischen Bürgerkrieg Medikamente in die Südstaaten geschmuggelt haben. Jetzt wurden die beiden 150 Jahre alten Puppen in einem Röntgengerät näher untersucht, um die Theorie zu untermauern. Die knapp einen Meter großen Puppen sollen in Europa gekauft, mit Chinin oder Morphium gefüllt und in einen Hafen der Südstaaten verschifft worden sein.
Vergrößern Puppen als Schmuggler im Amerikanischen Bürgerkrieg | Bild: © ad-hoc-news

Richmond (dapd).

Heutzutage werden meist Drogen geschmuggelt, damals ging es um Medikamente. Hintergrund ist, dass im Sezessionskrieg von 1861 bis 1865 die Nordstaaten die Häfen des Südens blockierten, um den Konföderierten den Nachschub abzuschneiden. Der weniger industrialisierte Süden war auf den Kauf von Waffen und Medizin angewiesen, vor allem aus Europa. Im Gegenzug exportierten die Sklavenhalter-Staaten Baumwolle. Das Kalkül der Südstaatler: Wenn ein ankommendes Schiff von der Marine des Nordens durchsucht werden sollte, würden sich die Soldaten wohl kaum die Mühe machen, die Puppen genau zu durchsuchen.

Seit längerem glauben die Wissenschaftler schon, dass die trickreichen Südstaatler so manche List anwandten, um die Medikamente durch die Blockade zu bringen. Nun machten sie die Probe aufs Exempel: Mitarbeiter des 'Museums der Konföderation' brachten 'Nina' und 'Lucy Ann' zum Röntgen ins Krankenhaus. Die Ärzte in Richmond im US-Staat Virginia entdeckten prompt Hohlräume in den Köpfen und Oberkörpern der Puppen, die zum Schmuggel der Medikamente gedient haben könnten.

Gerade Chinin war zur Bekämpfung von Malaria während des amerikanischen Bürgerkriegs sehr begehrt. Laut dem Fachbuch 'Medizinische und chirurgische Geschichte des Bürgerkriegs' infizierten sich während des Krieges rund 900.000 Soldaten der Nordstaaten mit Malaria, 4.700 starben daran. Für die Südstaaten lägen zwar keine Zahlen vor, es sei jedoch wahrscheinlich, dass die Krankheit unter den Soldaten der Konföderierten noch stärker verbreitet gewesen sei, sagt Robert Krick, Historiker an der Gedenkstätte National Battlefield Park in Richmond.

In einem nächsten Schritt sollen die Puppen nun forensisch nach Spuren von Medikamenten untersucht werden. Die Leiterin der Sammlung im Konföderations-Museum, Catherine Wright, glaubt schon jetzt fest daran, dass die Tests erfolgreich sein werden. 'Es sind die einzigen Schmuggler-Puppen, die ich im Laufe meiner Forschungen finden konnte.' Die Röntgenuntersuchung der Puppen war für die Wissenschaftlerin ein besonderes Erlebnis. 'Das war wirklich aufregend', sagt Wright. 'Man erforscht nicht oft etwas, mit dem sich zuvor noch nie jemand beschäftigt hat.'

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