Privatbahnen verhandeln mit GDL über Branchentarifvertrag: Die fünf großen Privatbahnen haben am Montag erstmals Gespräche über einen Branchentarifvertrag geführt. Vertreter von Veolia, Abellio, Arriva, Benex und Keolis kamen in Berlin mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zusammen, um über ein einheitliches Lohnniveau für alle Lokführer zu sprechen. Die nächste Verhandlungsrunde wurde auf den 15. September 2010 terminiert.
Vergrößern Privatbahnen verhandeln mit GDL über Branchentarifvertrag | Bild: © ddp

Wie die Privatbahnen anschließend mitteilten, legten beide Verhandlungspartner Tarifvertragsentwürfe vor. In den Gesprächen seien «erste Gemeinsamkeiten» herausgearbeitet worden. Die Verkehrsunternehmen hätten ihre Bereitschaft signalisiert, mit der GDL über einen Tarifvertrag nur für Lokomotivführer zu verhandeln.

Die GDL will die traditionell niedrigeren Löhne bei den Privatbahnen an das höhere Niveau des Marktführers Deutsche Bahn (DB) angleichen. Deutschlandweit gibt es bei der DB und den Privatbahnen rund 26 000 Lokführer.

GDL-Chef Claus Weselsky hatte zum Auftakt gesagt, es sei ein «erster guter Schritt», dass die fünf Privatbahnen sich zu Gesprächen zu einem einheitlichen Tarifvertrag bereit erklärt hätten. Er gehe allerdings davon aus, dass die Verhandlungen schwierig würden. Mit Streiks wolle seine Gewerkschaft zwar «nicht ständig drohen»: «Aber ich sage ganz deutlich. Die Entfernung von Streiks wird von den Arbeitgebern bestimmt», betonte Weselsky. Im Falle eines Arbeitskampfes würden die Lokführer sowohl bei der DB als auch bei den Privatbahnen die Arbeit niederlegen.

Die Verhandlungen mit den Privatbahnen könnten schwierig werden. Schließlich sind die niedrigeren Löhne der DB-Konkurrenz bisher oftmals ihr entscheidender Wettbewerbsvorteil, wie sie selbst betont. Weselsky sagte dazu, dies sei ein «Scheinargument». Unternehmen könnten auch ohne Niedriglöhne im Markt bestehen.

Bei den fünf Privatbahnen arbeiten rund 10 000 Beschäftigte. Wie viele davon Lokführer sind, ist nach Gewerkschaftsangaben nicht genau bezifferbar.

Am Dienstag werden die fünf Privatbahnen außerdem separate Verhandlungen mit den Bahngewerkschaften Transnet und GDBA starten. Seit Mitte Juli verhandelt bereits der Marktführer Deutsche Bahn mit den drei Gewerkschaften über einen Branchentarif.

ddp