Polnische Stadt rückt einst verhasste Ordensritter ins Rampenlicht: Dem Tourismus zuliebe versöhnt sich die polnische Stadt Kwidzyn (Marienwerder) mit dem einst verhassten Deutschen Orden: Die Särge von drei Ordensmeistern aus dem 14 und 15. Jahrhundert sind seit Samstag in der Krypta der örtlichen Kathedrale ausgestellt.
Vergrößern Polnische Stadt rückt einst verhasste Ordensritter ins Rampenlicht | Bild: © ddp

Kwidzyn/Polen (apn). Vor mehreren hundert Zuschauern wurden die Särge am Samstag von polnischen Priestern und dem Hochmeister des Deutschen Ordens, Bruno Platter, gesegnet. Die Stadt hofft, dass die Gräber zusätzliche Touristen anlocken.

Der Deutsche Orden ist heute eine rein religiöse Einrichtung mit Sitz in Wien. Vom 13. bis 15. Jahrhundert beherrschte er als geistlicher Ritterorden aber weite Teile Polens und des Baltikums. Im damaligen Marienwerder befand sich eine seiner Festungen, in der 2007 die sterblichen Überreste der Hochmeister Werner von Orseln (1324-1330), Ludolf König von Watzau (1342-1345) und Heinrich von Plauen (1410-1413) entdeckt wurden. Sie wurden bei Ausgrabungen in der Kathedrale gefunden, die auf dem Gelände der Burg steht.

Es handele sich um einen einzigartigen Fund, sagte Platter. Die Skelette wurden in Eichensärge unter einer in den Boden der Krypta eingelassenen Glasplatte umgebettet. Obenauf liegen Plastikfiguren der drei Hochmeister, die einem Wandgemälde aus der Kathedrale nachempfunden wurden.

Die Herrschaft des Deutschen Ordens gehöre zur Geschichte der Stadt, sagte Wojciech Weryk, der sich für die Außendarstellung der 40.000-Einwohner-Stadt Kwidzyn einsetzt. Die Entdeckung der Gebeine der Ordensmeister sei «gut aus historischer Sicht, und gut für die Touristen». Kwidzyn liegt rund 90 Kilometer entfernt von Grunwald, wo die Ordensritter vor 600 Jahren in der Schlacht von Tannenberg eine vernichtende Niederlage erlitten.

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