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Kriminalitätslage 2016 im Landkreis Stade

16.02.2017 - 18:01:42

Polizeiinspektion Stade / Kriminalitätslage 2016 im Landkreis Stade

Stade - Die erfolgreiche Arbeit der Polizei im Landkreis Stade der letzten Jahre hat sich auch im abgelaufenen Jahr fortgesetzt.

Nachdem die Anzahl der Straftaten bereits im Vergleich 2014/2015 um 2,37% gesunken war, haben wir im abgelaufenen Jahr einen weiteren Rückgang um 7,48% (884 Straftaten) auf nunmehr 10941Taten zu verzeichnen. Das ist die viertniedrigste Anzahl von registrierten Straftaten seit 2001. Dabei konnte die Aufklärungsquote ein weiteres Mal mit 60,36% auf dem hohen Niveau von über 60% gehalten werden.

Die Verteilung des Kriminalitätsaufkommens im Landkreis Stade ist wie im Vorjahr annähernd ausgeglichen. Während im Stader Bereich 5596 Straftaten bearbeitet wurden, waren es im Buxtehuder Bereich 5345.

Der Rückgang der Straftaten zeigt sich vor allem im Diebstahlbereich (-610 Taten). Erfreulicherweise betrifft der Rückgang auch insbesondere den Wohnungseinbruchs-diebstahl (-172, -30,39%).

Die Häufigkeitszahl im Zusammenhang mit der Gesamt-kriminalität reduzierte sich aufgrund der geringeren Fallzahlen auf 5469 (Vorjahr: 5989). Im Bereich der Polizeidirektion Lüneburg liegt die Zahl bei 6576 und im Land Niedersachsen bei 7089. Die Häufigkeitszahl zeigt die Anzahl der Straftaten berechnet auf 100.000 Einwohner. Der Landkreis Stade liegt demnach im Vergleich mit anderen Landkreisen und auch im Vergleich mit dem Landesschnitt in einem sehr guten Bereich.

Im Jahr 2016 gab es 4776 Tatverdächtige (2015 = 4810)

Davon waren

122 Kinder = 2,55% aller Tatverdächtigen (2015: 141 = 2,93% aller Tatverdächtigen) 507 Jugendliche = 9,59% aller Tatverdächtigen (2015: 507 = 11,54% aller Tatverdächtigen) 558 Heranwachs. = 11,54% aller Tatverdächtigen (2015: 558 = 11,60% aller Tatverdächtigen)

Die Kriminalstatistik 2016 verzeichnet neun Straftaten gegen das Leben (Vorjahr 7 Taten) im Bereich des Landkreises Stade.

Ein Raub mit Todesfolge ist hierbei noch nicht berücksichtigt, da die Kriminalstatistik nur polizeilich abgeschlossene Straftaten erfasst.

Am Freitag, den 09.09.2016, suchten mehrere Täter ein Einfamilienhaus in Stade-Bützfleth auf und klingelten an der Tür. Nachdem ihnen geöffnet wurde, schlugen sie auf die Bewohner (ein Ehepaar im Alter von 79 und 73 Jahren) ein, fesselten und knebelten sie. Sie verlangten nach Bargeld und flohen mit der Beute (Bargeld in größerer Menge) in unbekannte Richtung. Der 79jährige Ehemann erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Seine Ehefrau wurde schwer verletzt stationär behandelt. Die Polizeiinspektion Stade richtete daraufhin eine 30-köpfige Mordkommission ein, die ihre Ermittlungen noch nicht abgeschlossen hat.

Bei den Rohheitsdelikten insgesamt (Raubstraftaten, Körperverletzungen und Straftaten gegen die persönliche Freiheit) ist die Anzahl der Taten weiter leicht zurück gegangen (2014 = 1772 / 2015 = 1691 / 2016 = 1656 Taten). Auffällig ist der Rückgang im Bereich der sonstigen räuberischen Erpressung auf Straßen, Wegen oder Plätzen von 16 auf 6 Taten. Die im Vorjahr agierenden und ermittelten Täter waren in 2016 nicht mehr aktiv.

Die Anzahl der Sexualdelikte liegt unverändert zum Vorjahr bei 117 Taten.

Die Anzeigen wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte haben sich deutlich von 39 Taten im Jahr 2015 auf 57 Taten in 2016 erhöht. Darunter finden sich 9 Taten, die sich in der JVA Hanöversand zugetragen haben. Mehrfachtäter sind in dieser Deliktsart kaum zu finden. Auch sind die Tatorte grundsätzlich nicht auffällig. Zu Widerstandshandlungen kam es aus unterschiedlichsten Anlässen. Im normalen Streifendienst, wie auch bei Einsätzen mit erhöhtem Konfliktpotenzial (Ruhestörung, Körperverletzung pp). Aber auch bei Einsätzen mit Rettungskräften widersetzten sich Personen.

Die Anzahl der Diebstahlsdelikte hatte 2013 mit 4553 Taten den tiefsten Stand seit der statistischen Erfassung erreicht. 2014 erfolgte wieder ein leichter Anstieg auf 4769, der sich 2015 fortsetzte auf 4951 Taten. Im letzten Jahr verzeichnete die Polizei im Landkreis Stade mit 4341 Diebstählen noch weniger Taten als 2013. Der Rückgang ist hauptsächlich bei den Fahrraddiebstählen (von 857 auf 752), bei den Ladendiebstählen (726 auf 626), bei den Diebstählen aus Dienst- und Büroräumen (von 396 auf 274) und bei den Wohnungseinbrüchen (von 566 auf 394) zu finden.

Der schon seit einigen Jahren andauernde Rückgang der Diebstähle von Fahrrädern hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt. Insgesamt waren über 100 Fahrraddiebstähle weniger zu verzeichnen. Der Rückgang ist im gesamten Landkreis -vor allem natürlich in den Städten Stade und

Buxtehude und hier in erster Linie im Bereich der Bahnhöfe- festzustellen. Außerdem sind nach wie vor in den Bereichen von Schulen und Freibädern vermehrt Fahrraddiebstähle aufgetreten. Der Rückgang der Taten ist sicher auf die intensive und strukturierte polizeiliche Arbeit zurückzuführen. Speziell für diesen Deliktbereich zuständige Beamte in Stade und Buxtehude arbeiten nicht nur untereinander, sondern auch zum Beispiel mit der Bundespolizei eng zusammen. Der Einsatz- und Streifendienst ist ebenfalls in diese Arbeit eingebunden und führt vermehrt Kontrollen an den relevanten Orten durch. Auch hierdurch ist es sicherlich zu einem Rückgang der Diebstähle gekommen.

Bei den Ladendiebstählen war es im Vergleich 2014/2015 zu einem Rückgang von 75 gekommen. Der Trend hat sich 2016 mit einem weiteren Rückgang von 100 Taten fortgesetzt. In Stade waren es 85, in Buxtehude 15 Taten weniger. Eine Erklärung hierfür kann nur spekulativ ausfallen.

Die Diebstähle aus Dienst-, Büro-, Fabrikations- und Lagerräumen sind um 122 Taten zurückgegangen. 2015 konnten verschiedenen Täter / Tätergruppen knapp 50 Diebstähle in diesem Bereich zugeordnet werden. Die zum Teil drogenabhängigen Täter sitzen in Haft bzw. sind nicht wieder in Erscheinung getreten.

Die Anzahl der Wohnungs- und Tageswohnungseinbrüche war in den Jahren 2014 (366 Taten) und 2015 (566 Taten) drastisch in die Höhe geschnellt. Erfreulicherweise ist die Anzahl der Taten im letzten Jahr auf 394 (-172) zurückgegangen. Im nördlichen Bereich des Landkreises (Stade) wurden 145 Taten weniger registriert. Im südlichen Bereich (Buxtehude) waren es 27 Taten weniger. Die Aufklärungsquote im abgelaufenen Jahr beträgt 21,32%.

Obwohl in die polizeiliche Kriminalstatistik 2016 noch nicht eingeflossen, erscheinen die Fahndungserfolge der letzten Wochen erwähnenswert. In den letzten drei Monaten kam es zu 23 Festnahmen nach Wohnungseinbrüchen. Dieses wurde möglich durch Hinweise aus der Bevölkerung, aber auch durch die intensivere Bestreifung der Wohngebiete. Die Täter sitzen teilweise in Untersuchungshaft. Die Straftaten werden in den Pressebericht des kommenden Jahres einfließen.

Im Bereich Vermögens- und Fälschungsdelikte fiel die Anzahl der Taten von 1852 um 69 auf 1783 im Jahr 2016. Die größte Verringerung zeigte sich im Bereich Erschleichen von Leistungen.

Die Anzahl der Strafanzeigen im Zusammenhang mit Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 57 (2015: 664) auf 721 erhöht. Die Polizei Stade hat im letzten Jahr zwei Ermittlungsgruppen eingerichtet, die sich gegen eine 4 köpfige und 5 köpfige Bande richtete. Aufgrund der Ermittlungen in diesem Verfahren erfolgten weitere Verfahren gegen andere Konsumenten von Drogen und Betäubungsmittelhändler, wodurch der Zuwachs der Fallzahlen zu erklären ist.

Im Laufe des Jahres 2015 wurden zahlreiche Flüchtlinge und Asylsuchende im Landkreis Stade aufgenommen. Mitte Oktober erreichte ein Amtshilfeersuchen des Landes auch den Landkreis Stade, der daraufhin, diesem Ersuchen folgend, eine Vielzahl von Flüchtlingen u.a. in zu Notunterkünften umgerüsteten Turnhallen aufnahm.

Die offizielle polizeiliche Kriminalstatistik weist keine Definition für den Begriff "Flüchtlinge" aus. Vor dem Hintergrund der stark ansteigenden Zahlen an Flüchtlingen in Niedersachsen wurde jedoch ab Anfang November 2015 eine spezielle landesweite Auswertmöglichkeit geschaffen, um Straftaten durch und gegen Flüchtlinge genau erfassen und auswerten zu können. Bei dieser Auswertemöglichkeit werden nachfolgende Personengruppen einbezogen: Eine Person, die aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder der wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will. Neben Asylbegehrenden, Asylberechtigten und Personen mit Flüchtlingsschutz sollen auch Personen einbezogen werden, deren Asylanträge negativ beschieden worden sind. Da diese Auswertemöglichkeit erst im November 2015 eingerichtet wurde, ist eine vergleichende Bewertung mit dem Vorjahr nicht möglich.

Unter diesem Aspekt liegt die Anzahl der Tatverdächtigen 2015 bei 356 und 2016 bei 446. Die Anzahl der Fälle liegt in 2015 bei 396 und in 2016 bei 661.

Die meisten Straftaten lagen im Bereich des Diebstahls (183 Taten) und da wiederum bei dem Ladendiebstahl (120 Taten). Weiterhin fiel die Personengruppe durch Straftaten im Bereich Körperverletzung, Bedrohung, Nötigung und Beleidigung mit 76 Taten auf. Dazu kommen 16 Taten durch Beförderungserschleichung.

In 56 Fällen wurden Personen aus der vorgenannten Gruppe Opfer von Straftaten. Dabei kam es in 12 Fällen zu Körperverletzungen, in 18 Fällen wurden ihnen Fahrräder entwendet. In allen aufgeklärten Fällen waren die Täter ebenfalls in dem Personenkreis zu finden.

Sozialleistungsbetrug

begangen durch den vorgenannten Personenkreis 2015 = 1 Tat 2016 = 5 Taten

Jugendkriminalität:

Im Jugendbereich konnten im Jahr 2016 Auffälligkeiten in den Bereichen Raub und Einbruchsdiebstahl erkannt werden:

Im Mai 2016 beraubten drei Täter im Alter zwischen 17 und 21 Jahren einen 15-jährigen Himmelpfortener, wobei das Opfer nicht unerheblich verletzt wurde. Gegen zwei Täter, einen 17-jährigen Himmelpfortener und einen 18-jährigen Estorfer wurde wegen einer ähnlichen Vortat ein Untersuchungshaftbefehl vollstreckt. Mittlerweile wurden alle drei Personen durch das Landgericht Stade zu mehrjährigen Haftstrafen (ohne Bewährung) verurteilt.

Ein 16-jähriger Stader trat wiederholt durch die Begehung von Raubstraftaten in Erscheinung. Er verübte u. a. auch Körperverletzungsdelikte, bei denen die Opfer zum Teil erheblich verletzt wurden. Gegen den Jugendlichen wurde im Dezember 2016 ein Untersuchungshaftbefehl vollstreckt.

Im Stadtgebiet Buxtehude kam es im 4. Quartal des Jahres 2016 weiterhin vermehrt zu Wohnungseinbruchdiebstählen, wobei zwei jugendliche Tätergruppierungen ermittelt werden konnten.

Für eine Vielzahl der Taten konnten zwei Buxtehuder (16 und 18 Jahre alt) als Täter ermittelt werden. Gegen die beiden nun als Intensivtäter eingestuften Personen wurden im Dezember 2016 Untersuchungshaftbefehle erlassen. Inzwischen erfolgte die Verurteilung: Beide erhielten eine Freiheitsstrafe von je 2 Jahren und 8 Monaten ohne Bewährung.

Weiterhin konnten aufgrund eines aufmerksamen Zeugen drei 16-jährige Einbrecher aus Buxtehude ermittelt werden. Bei diesen konnte noch Stehlgut im Gesamtwert von ca. 50.000 Euro sichergestellt werden. Hinzu kommt ein zum Teil nicht unerheblicher Sachschaden, da in einem Fall die Tatwohnung in Brand gesetzt wurde. Der Gebäudeschaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf mindestens 50.000 Euro. Mangels Haftgründen konnte seitens der Staatsanwaltschaft Stade kein U-Haft-Antrag gestellt werden.

Gegen einen 17-Jährigen, der zuletzt in Freiburg lebte, wurden Ermittlungen wegen mehrerer Einbrüche und einer Brandstiftung geführt. Die Taten wurden allesamt zum Jahresende 2016 im Bereich Nordkehdingen verübt. Gegen den jugendlichen Intensivtäter wurde im Januar 2017 ein Untersuchungshaftbefehl vollstreckt.

Zuletzt muss ein 17-jähriger Asylbewerber nordafrikanischer Abstammung aus Stade erwähnt werden. Dieser fiel im Jahr 2016 u. a. durch 36 Diebstahlstaten auf, wobei die Taten im gesamten norddeutschen Raum lokalisiert werden konnten. Er wurde durch das Amtsgericht Stade zu einer Woche Dauerarrest verurteilt.

Fazit von Polizeipräsident Robert Kruse zur polizeilichen Kriminalstatistik 2016 für die Polizeidirektion Lüneburg: "Insgesamt kann ich ein positives Fazit für die Bürgerinnen und Bürger im Bereich der Polizeidirektion Lüneburg ziehen. Sie leben in einer sicheren Region. Unsere gut ausgebildeten und engagierten Polizeibeamtinnen und -beamten sind für sie da und sorgen dafür, dass sie sich auch in Zukunft sicher fühlen können."

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