Leute, Film

Immer mehr Schauspielerinnen werfen Harvey Weinstein schwere sexuelle Verfehlungen vor.

13.10.2017 - 17:08:07

Immer mehr Vorwürfe - Dunkle Seite der Macht: Weinstein-Skandal weitet sich aus. Immer mehr Weggefährten distanzieren sich von dem Hollywod-Mogul. Langsam wird zudem deutlich: Machtmissbrauch mit sexuellen Mitteln scheint in Hollywood kein Einzelfall.

Los Angeles - Die Vorwürfe von sexuellen Belästigungen bis Vergewaltigungen gegen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein (65) reißen nicht ab. Jetzt beschuldigt auch US-Schauspielerin Rose McGowan (44, «Death Proof - Todsicher») Weinstein der Vergewaltigung.

Und noch ein weiterer ranghoher Studio-Chef wird der sexuellen Belästigung bezichtigt: Roy Price, Chef des zum Onlineriesen Amazon gehörenden Filmstudios, habe sie taktlos angeflirtet und mit sexuellen Bemerkungen bloßgestellt, sagte eine Mitarbeiterin der Amazon Studios dem «Hollywood Reporter».

Price habe ihr 2015 in einem Taxi gesagt, sie werde seinen Penis lieben. Vor Kollegen auf einer Party habe er außerdem laut «Analsex» in ihr Ohr gesagt. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe suspendierte das Filmstudio Price am Donnerstagabend (Ortszeit).

Auch Schauspielerin Rose McGowan kritisiert Amazon-Mann Price scharf. Sie wirft ihm vor, auf ihre Beschuldigungen gegen Weinstein nicht reagiert zu haben. Sie habe Price «wieder und wieder» gesagt, dass «HW» sie vergewaltigt habe, ohne dass dieser reagiert habe, schrieb sie in einem an Amazon-Chef Jeff Bezos gerichteten Tweet. «Ich rufe Sie dazu auf, Vergewaltiger, mutmaßliche Pädophile und sexuelle Belästiger nicht weiter zu finanzieren.»

Immer mehr Schauspielerinnen melden sich mit Vorwürfen gegen Harvey Weinstein zu Wort. Als 17-Jährige habe sie der Produzent im Bademantel in einem Hotelzimmer empfangen und ihr Alkohol angeboten, schrieb die Schauspielerin Kate Beckinsale (44) auf Instagram.

Ihre Kollegin Cara Delevingne (25) berichtete, Weinstein habe sie in einem Hotelzimmer aufgefordert, eine andere Frau zu küssen und dann selbst versucht, sie zu küssen. Eine Sprecherin von Weinstein hatte die Anschuldigungen nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe vor gut einer Woche zurückgewiesen: «Jegliche Vorwürfe von Sex, der nicht in beiderseitigem Einverständnis stattgefunden hat, werden von Herrn Weinstein eindeutig verneint.»

Ungeachtet dessen . Hollywood-Star Ryan Gosling (36) will Opfer unterstützen, die sich im Sex-Skandal um Weinstein öffentlich äußern. Filmstars wie Tom Hanks und Leonardo DiCaprio haben sich deutlich gegen Weinstein positioniert.

Auch Regisseur Quentin Tarantino distanzierte sich. «In der letzten Woche war ich erstaunt und erschüttert über die Offenbarungen, die über Harvey Weinstein, meinen Freund seit 25 Jahren, ans Licht gekommen sind», ließ er mitteilen. «Ich brauche ein paar Tage, um meinen Schmerz, meine Emotionen, meine Wut und meine Erinnerungen zu sortieren, und dann werde ich mich äußern.» Der frühere US-Vizepräsident Joe Biden nannte die Vorfälle «ekelhaft».

Für Model und Moderatorin Heidi Klum (44) weist der Skandal um Weinstein auf ein weit größeres Problem hin. «Ich wünschte, die grausamen Geschichten, die ich über Harvey Weinstein lese, seien eine seltene Erscheinung in unserer Gesellschaft. Aber das stimmt einfach nicht. Wir sollten nicht so naiv sein zu denken, dass solch ein Verhalten nur in Hollywood passiert», sagte Klum dem «People»-Magazin. Klum moderiert in den USA seit Jahren die Castingshow «Project Runway», die von Weinsteins ehemaliger Firma «The Weinstein Company» mitproduziert wird.

Neben den verheerenden privaten Folgen seiner mutmaßlichen sexuellen Ausfälle - seine Frau hat ihn bereits verlassen - drohen Weinstein auch juristische Konsequenzen. Die Polizeibehörden in New York und London kündigten an, Ermittlungen gegen Weinstein aufnehmen zu wollen. Die New Yorker Polizei wolle eine eigentlich bereits abgeschlossene Ermittlung gegen Weinstein aus dem Jahr 2004 neu aufrollen. Einzelheiten wollte die Polizei zunächst nicht nennen.

Auch die Polizei in London erwägt nach britischen Medienberichten ein Ermittlungsverfahren gegen den Produzenten. Scotland Yard bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass die Polizei den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs prüfe, der von den Kollegen in Liverpool weitergeleitet worden sei. Es handele sich um einen Vorfall aus den 80er Jahren.

Am Samstag (Ortszeit) will darüber hinaus die Oscar-Akademie in Los Angeles über den möglichen Ausschluss von Weinstein beraten. Das in den Vorwürfen beschriebene Verhalten Weinsteins sei «widerlich, abscheulich und gegensätzlich zu den hohen Standards der Akademie und der kreativen Gemeinschaft, für die sie steht», zitierte der «Hollywood Reporter» aus einem Statement der Academy. Eine entsprechende Petition auf der Kampagnenplattform change.org fand in kürzester Zeit 80.000 Unterstützer, die Zahl wächst rasant.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Kult-Komödie mit Elyas M'Barek - «Fack Ju Göhte 3» feiert Weltpremiere in München München - Weltpremiere für den dritten und letzten Teil einer Kult-Komödie: Die Stars von «Fack Ju Göhte 3» haben sich in München von zahlreichen kreischenden Teenie-Fans feiern lassen. (Unterhaltung, 22.10.2017 - 20:18) weiterlesen...

Fall Weinstein - Nahles und Barley prangern Sexismus an. In Deutschland zieht sich die Debatte bis in die SPD-Spitze. Sie zeigt: Auch die Politik ist nicht frei von Sexismus. Missbrauchsvorwürfe gegen den Filmmogul Harvey Weinstein haben Frauen in aller Welt unter dem Stichwort «#MeToo» von schlechten Erfahrungen berichten lassen. (Polizeimeldungen, 22.10.2017 - 16:10) weiterlesen...

Sexueller Missbrauch - Directors Guild will Harvey Weinstein ausschließen. Die Directors Guild of America (DGA) mischt sich normalerweise nicht in interne Angelegenheiten ein, macht in diesem Fall aber eine Ausnahme. Der amerikanische Filmproduzent bleibt in den Schlagzeilen. (Polizeimeldungen, 22.10.2017 - 15:50) weiterlesen...

Autorenfilm-Star - Nina Hoss bekommt Filmpreis in Braunschweig Die Schauspielerin ist um ihre Verdienste um die europäische Filmkultur geehrt worden. (Unterhaltung, 22.10.2017 - 13:20) weiterlesen...

#MeToo»-Debatte - Nahles und Barley prangern Sexismus an. Darauf folgte die «#MeToo»-Debatte, in der Frauen in aller Welt von negativen Erfahrungen berichten. Dass auch die deutsche Politik nicht frei von Sexismus ist, berichten jetzt führende SPD-Frauen. Am Anfang waren die Missbrauchsvorwürfe gegen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein. (Politik, 22.10.2017 - 11:18) weiterlesen...

Sexismus und Missbrauch - Familienministerin Barley: «#MeToo-Debatte immens wichtig» Berlin - Familienministerin Katarina Barley zeigt sich erfreut sich über die «#MeToo»-Debatte, die vom Missbrauchsskandal um Hollywoodmogul Harvey Weinstein auch in Deutschland ausgelöst wurde. (Politik, 22.10.2017 - 11:06) weiterlesen...